Liebe ist was fehlt

Nicht mehr und nicht weniger. Die Liebe. Globalgalaktisch gesehen fehlt sie. Eine Folge der Depression. Liebe ist ein starkes Gefühl. Depression macht gefühlslos, emotionslos, grau, trist, eh alles egal. Depression und Liebe schließen sich aus. Ist so.

Liebe ist das, was der Depressive oder überhaupt jeder irgendwie Kranke am meisten benötigt. Zuwendung und Liebe. Von sich selbst. In aller erster Linie von sich selbst. Selbstliebe. Immer wieder Selbstliebe. Aber wo genau soll die herkommen, wenn im außen nur Ablehnung ist? Mein Kind hasst mich. Natürlich hasst er mich nicht, aber er hat eine sehr merkwürdige Art mir seine Liebe zu zeigen. Und ja, zu erst müsste ich ihm mal das Gefühl geben, ok zu sein. Geliebt zu werden. Das Problem? Ich fühle es nicht.

Oder dachte ich fühle es nicht. Heute gab es Momente, wo sowas wie eine Vorstufe von Liebe zurück kam. Ein Funke. Es ist eine schwierige Zeit. Ich bin verzweifelt und mit meinem Latein am Ende. Immer wieder Licht am Ende des Tunnels. Das Gefühl von Ausweg aus der Depression. Und immer wieder das Gummiband, welches mich zurück zieht. Momentan ist es C. Gewillt bis an die Grenze zu gehen. Ein ewiger Machtkampf. Ein Kampf bei dem ich mich als Vollversager fühle. Von meinem Kind so sehr abgeleht und schikaniert, dass es mir nicht möglich erscheint Freude zu empfinden. Freude, die ist oft da, wenn mein Kind weg ist. Ist der da, ist er scheiße zu mir. Die Tür geht auf, der Streit fängt an. Meist sofort, manchmal erst später. Fast immer geht es um elektronisches Spielzeug, TV. Aber eigentlich geht es dabei um Macht. Wer bekommt seinen Willen…

Den Ausweg sehe ich nicht. Nicht mehr. Dafür geht es mir selbst zu schlecht. Schlecht, weil ich mir auch einfach nicht erlaube, dass es mir gut geht. Abprallen lassen, das wäre eine Maßnahme. Im Job, zu Hause, überall. Einfach mein Ding machen. Nicht ohne Rücksicht auf Verluste, aber ohne das die Meinung der anderen mich interessiert. Mich beeinflusst. Immer noch richte ich mich unbewusst nach dem was andere von mir erwarten. Was ich denke, das sie erwarten. Strategisch ist das sehr unklug, vor allem für mich selbst.

Mir selbst geht es nicht gut. Viel fehlt in meinem Leben. Alleine sein, das ist selbst gewählt. Ich könnte. Es gibt Babysitter und jede Menge Möglichkeiten neue Leute kennen zu lernen. Raus zu kommen. Etwas zu unternehmen. Das Alleine sein, ok, der Hit ist es nicht, aber wirklich stören tut es mich nicht. Einsamkeit die ist das Problem. Die Einsamkeit geht nicht durch nicht alleine sein weg. Dann wäre ich zwar unter Leuten. Aber unter Leuten, die mir nichts bedeuten und denen ich nichts bedeute und damit bin ich zwar in Gesellschaft, aber trotzdem einsam.

Einsam bin ich schon zu lange. Einsam kann ich auch mit Kind sein. Auch wenn mein Sohn mir etwas bedeutet und mir sehr nah ist. Er ist ein Kind. Hier geht es um Erwachsene. Um Nähe. Emotionale Nähe. In erster Linie darum. Wichtig, wertvoll sein, mich angenommen fühlen so wie ich bin. Wirkliche Freundinnen habe ich hier kaum noch. Telefon und Whats App liefern aber keine wirkliche Nähe. Es bleibt eine Distanz. Mich am Telefon bei meiner Freundin ausheulen, hat eine andere Qualität als wenn sie bei mir ist. Dann würde ich mich ausheulen und danach würden wir feiern gehen. Oder zumindest was essen gehen. Und Quatsch machen und irgendwann wieder lachen. Und wenn es nur Galgenhumor ist. Am Telefon, da bin ich „danach“ alleine, ohne Ablenkung. Und ganz schnell wieder in meinem eigenen Film. Es tut mir nicht gut.

Körperliche Nähe. Das fehlt am meisten. Die physische Anwesenheit einer oder mehrerer Personen, die mir wichtig sind. Freundinnen. Wäre es so wie früher, dann würden wir Freundinnen uns sehen. Ist es aber nicht. Freundinnen haben Männer und Kinder und Berufe und Familien und genau wie ich wenig Zeit. Vor allem wollen sie ihre Zeit auch gerne mal mit ihrer Familie verbringen, was legitim ist. Der Fokus ist ein anderer geworden. Vorher gab es nur die Freunde. Nun gibt es eine Familie. Familie, hat eine höhere Priorität als Freundschaft. Viele Freunde spielen Reise nach Jerusalem. Ich bin die, die ohne Stuhl dasteht. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen… Der Stuhl, viel weniger Mann, als einfach der Platz im Leben, wo ich hingehöre. Angekommen sein. Und sei es auch nur für den Moment. Natürlich geht es um mehr als den Moment. Idealerweise ist der Moment ein sehr langer Moment. Aber eigentlich geht es um den Moment. Und nur um den Moment. Das Genießen was da ist und keinen Gedanken an morgen verschwenden. Vielleicht gibt es kein Morgen. Kein nach dem Essen Barfuß in den Wald. Was es definitiv nicht gibt, ist eine Gelegenheit den verpassten Tag nachzuholen. Keinen verpassten Tag kann ich nachholen. Jede Gelegenheit im Hier und Jetzt den Tag zu genießen, ist weg, wenn ich sie nicht nutze. Ich nutze so viel nicht. Mein Urlaub. Ich hätte ihn genießen können. Ich wollte einfach nicht. Ich wollte nicht loslassen, wie der Urlaub zu sein hatte. Sport bis zum Umfallen, inkl. Barfuß laufen. Heititei mit C. Das tolle Wetter haben wir bekommen. Aber es wäre zu einfach die Sonne zu genießen mit meinem dicken Fuß. Oder bei Regen den Tag lesend im Bett zu verbringen. Die Tage habe ich mir selbst versaut und ich bin traurig und irgendwie wütend auf mich selbst. So viel hängt an diesem Ort. Ich hätte mich nicht in eine negative Stimmung bringen müssen. Aber ich wollte es. Aus irgendeinem Grund habe ich mir den Urlaub selbst verdorben und mich psychisch in einen totalen Ausnahmezustand versetzt in dem ich gerade feststecke und nichts mehr verstehe.

Dieses in den Arm genommen fühlen ist ein schönes Gefühl. Aber es ist nicht das gleiche wie in den Arm genommen werden. Reale Erlebnisse fehlen. Planungen für irgendwas zukünftiges oder Erinnerungen an früheres, das habe ich genug. Alleine über meine beste Freundin und mich könnte ich ein Buch schreiben. Die Realität dazu fehlt. Und ich habe nicht das Gefühl jemals die Kurve zu bekommen…

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Urlaub

Endlich Urlaub! Vor einer Woche war das mein Motto. Heute freue ich mich, morgen endlich wieder nach Hause zu fahren. Beinahe wäre ich heute schon gefahren. Warum bin ich geblieben? Verpflichtung der Nachbarin gegenüber? Ein wenig Hoffnung, dass doch noch alles gut wird? Wer weiß das schon. Der langersehnte Urlaub, diesmal war es ein Griff ins Klo. Geheult habe ich. Nicht auf eine gute Weise. Keine Momente in denen sich Blockaden lösen und ein Gefühl von es wird besser aufkommt. Nichts davon.

Geheult habe ich über die Hoffnungs- und Aussichtslosigkeit. Mehr als Hoffnungslos. Verzweifelt. Aufgegeben. Das ist das eigentlich traurige. Aufgegeben habe ich. Resigniert. Gestern, da gab es einen winzigen Momenten der Kraft. Das Gefühl von Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut werden wird. Ein Trugschluss, nichts als ein einziger Trugschluss. Ja, Kortison hilft. Die Schwellung ist weg. Yoga ging wieder. Streit mit Sohnemann war ausgestanden. Der heutige Tage ließ hoffen. Die Sonne schien und ich habe mich sehr sehr sehr auf den Wald gefreut… Und ja, ich war sehr enttäuscht, dass C nicht mitkommen wollte. Ich angeschrien wurde, C vor mir weg lief. Völlig bockig und Kopf los…. Klar, C hatte heute auch wieder einen Lauf. Alleine im Zimmer. Verbotenerweise an Mamas Telefon. Schön neue Apps installieren und zocken. Trotz Verbot. Anschließend Handy verstecken damit Mama nichts merkt. Als er mich mit dem (ich hätte platzen können vor Wut) endlich wieder gefundenen Handy sieht: Oh, dann weißt Du das ja jetzt, Mama. Und Zack, weg ist er. Kein Schuldbewußtsein, kein Nix. Danach die Ansage: Ich geh jetzt ins Schwimmbad. Entschuldigen braucht man sich nicht. Fragen wird überbewertet und nee, mit in den Wald muss C nicht kommen. Das ist öde. Ich nehme ihm den Zimmerschlüssel ab und sage: Dann bleibt halt hier. Noch hätte es gut werden können… Aber gut wäre zu einfach….

Kurz vorm Wald. Mein Kind schreit mich immer noch an. Ich bin barfuss. Jegliche Freude ist weg. Ich will nicht mehr in den Wald. Ich will nicht mal mehr im Sauerland sein. Was ich will, ist nach Hause. Und vor allem, dass er verschwindet. Ich verzichte auf den Wald, hauptsache es hört auf. Es hört aber nicht auf und auf den Wald verzichten, ist mir nicht vergönnt. Am Ende sind wir im Wald. Zusammen und doch getrennt. Solange er weg ist, habe ich mich halbwegs im Griff. Momente die vielleicht als Vorstufe zu schön zählen könnten. Wir betreten das Gelände. Mit dem Zaun kommen die Tränen. Wir sind zurück. Irgendwo ist mein Kind. Ich suche ihn, damit wir Abendessen können. Als ich ihn finde, hat er schon gegessen. Als ich esse, kommt er um Schwimmbad zu fordern und bei einem Nein abzudrehen….

Am Ende ist mein Waldtag runiniert. Zu der Yogastunde am Abend muss ich mich zwingen. Zwischendrin rausgehen. Bin ich da, drücke ich nur Tränen weg. Kann nicht atmen, nicht genießen. Yoga ohne Atmen geht eh nicht. Während ich auf der Matte liege, habe ich lebensmüde Gedanken. Immer konkreter wird es. Nein, umbringen werde ich mich sicher nicht. Der Gedanke es trotzdem zu tun, er ist da. Neu für mich. Diese Hoffnungslosigkeit. Nie geht es um mich. Auch bei mir nicht. Schon immer fällt es mir schwer meine Bedürfnisse zu respektieren. Gut zu mir zu sein. Freude zu empfinden, Entspannung, Zufriedenheit. Scheiß auf Glück. Zufriedenheit reicht mir. Nicht mal das. Genau eine Sache, die ich wollte: Barfuss durch den Wald laufen. Niemand kann was für die Biene. Aber warum muss mein Kind mir diesen einen Moment kaputt machen? Den einzigen Moment der Urlaubs? Morgen wird er nach Hause wollen. Wie immer. Kein das Seminar ist vorbei und wir gehen noch eine Runde bevor wir heimfahren. Nichts. Diese Zeiten sind vorbei.

Mein Tag im Wald. Er hätte mir viel geben können. Hätte. Die Realität ist anders. Rotwein, quatschen, Ablenkung. Ja, inzwischen geht es. Heim will ich trotzdem. Heim ohne mein Kind. Arbeiten gehen? Ausgeschlossen. Ich bin ein Fall für die Klapse. Gefühlt. Bestimmt kann ich auch die Probezeit noch durchhalten. Hart im Nehmen bin ich. Und danach zusammenbrechen. Breche ich zusammen, ist C eh weg. Streng genommen muss ich nicht mal zusammenbrechen. Mit Zusammenbrechen bekommt man keinen Platz in der Klapse. Den bekommt man, wenn man eine Gefahr für sich oder andere darstellt. Ich bin beides, zumindest potentiell. Vielleicht wird auch alles gut, wenn C weg ist. Ich bezweifele es. Nichts wird besser. Ich bin nur freier. Und ein Stück trauriger. So ist das mit der Familie. Nicht mal wir 2 bekommen es hin. Nein, ich will keine Familie mehr. Und ja, wenn C geht kann er auch die Katzen mitnehmen. Dann ist er wenigstens nicht alleine, da wohin er geht. Katzen lösen mein Problem auch nicht, ich kann gut verzichten.

Ostern. Der blanke Horror. Es geht weiter zu Hause. Am liebsten würde ich alle wieder ausladen. Alle, welche in Hohn. Leihoma und meinen Dad. Ist das Familie? Ein Kind, dass mich offensichtlich hasst. Eine Mutter, die sich für nix interessiert? Ostern? Es interessiert mich selbst einen Scheiß. Ich will selbst nichts für C machen. Ostern für ihn? Mir ein Bein ausreißen, damit er es schön hat? Wozu? Und schön wird es sowieso nicht. Mir ist klar, dass ich die Wurzel allen Übels bin. Er ist ein Kind und muss keine Rücksicht auf mich nehmen. Es ist alles alleine mein Problem. Eigentlich kann ich nur hoffen, dass er mir wirklich irgendwann eine Flasche über den Schädel zieht und dabei hoffentlich gut trifft. Den Ausweg sehe ich nicht mehr. Es ist ein er oder ich. Wir beide zusammen sind keine Familie. Familie ist auch nicht dazu da sich gegenseitig fertig zu machen.  Fertig machen kann ich mich auch alleine. Halt und Stabilität wäre schön. Gerne Zeit zusammen verbringen. Zu verfahren ist die Situation, es wird sich so nicht realisieren lassen. Abgeschrieben habe ich es. Mein Kind abgeschrieben und mich selbst auch. Es hätte schön sein können, ist es aber nicht. Morgen fahren wir heim. Gefrustet, unzufrieden und unentspannt. Ich will nicht nach Hause. Ich will gar nichts mehr. Mein Leben, eigentlich ist es seit Jahren vorbei. Die Kurve bekomme ich nicht. Zu viele Steine, zu wenig Liebe. Und ja, es ist alleine meine Schuld. Einzig und alleine meine Schuld. Meine Verantwortung. Und nein, ich sehe mich nicht mehr dazu im Stande irgendwas zu verändern. Nicht im Gesamtkontext. Da ist es wieder: Mein Sohn muss weg. Zu seinem Schutz und damit ich eine Chance habe wieder klar zu kommen. Leugnen hilft nicht. Es ist wie es ist wie es ist. Mal wieder. Ich hasse mein Leben. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen….

Ende

Ende gut, alles gut…. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende…. This is the end, my only friend the end…

Hier hat es begonnen und hier wird es enden. Hier ist das Sauerland. Was hier begonnen hat, weiß ich nicht. Hier bin ich, damit es (von dem ich nicht weiß, was es ist) ein Ende findet. Wie ich darauf gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Ist eigentlich auch egal. Die Erfahrung sagt mir, dass ich recht habe, wenn ich solche Gedanken aus dem Nichts habe…. Und ja, ich bin hier und alles kommt hoch. Alles, das ist wirklich alles. Zu lange schon fahre ich hier her. So viele Krisen habe ich hier überwunden, oder zumindest meine Wunden geleckt und bin etwas besser drauf nach Hause gefahren. Die letzten Male, es ging mir so gut hier. Dieses Mal ist es anders. Mir scheint keine Ruhe vergönnt zu sein.

Schon der Aufbruch hier her war schwierig. Ich bin langsam. Nicht gut drauf. Mein Kind bockt und ich merke wie meine Lippe bitzelt. Düsseldorf kurz vor der Abfahrt. 2 h später habe ich den mega Herpes… Barfuss im Wald. Hoffnung. Meine Hoffnung der letzten Wochen: Wenn ich erst Barfuß im Wald bin, dann wird alles gut. Yoga und 3 mal am Tag in den Wald. Und 5 Tage später schwebe ich nach Hause und es geht mir gut.

Vermessen war es mir einzubilden, dass ich wochenlang ein Arsch zu mir selbst sein kann und dann nach 2h im Sauerland wieder Zen-mäßig über den Boden schwebe. Ich schwebe nicht, ich flüchte. So viel hat sich angestaut. 3 Wochen Kur, das würde möglicherweise helfen. 5 Tage Sauerland wohl eher nicht. Ich fürchte ohne Yoga, ohne Barfuß laufen, ohne überhaupt laufen, wird es mir nicht viel anders gehen, wenn ich wieder nach Hause fahre. Wer ist schuld? Die Biene oder ich?

Meine Verspannungen, körperlich manifestierte Unzufriedenheit, in mich rein gefressene Emotionen. Alles da, um gelöst zu werden. 30 Sek Yoga und die Tränen laufen. 2 h Yoga und ich kann vielleicht mal wieder in die Entspannung kommen und wirklich abschalten. Und jetzt geht es nicht.

Die Massage, die ich mir buchen wollte als ich noch zu Hause war. Der Plan ist weg. Da wo es hart ist, sitzen Tränen. Ich habe keinen Bock bei einem fremden Menschen auf einem Massagetisch zu heulen…. Es stresst mich Tränen zu unterdrücken. Es stresst mich, dass mein Gefühlsleben überhaupt aus so vielen Tränen besteht. Aus so viel Unterdrücktem, so viel Schmerz. Dieses Alleinsein, es tut mir nicht gut. Andererseits muss ich dann wenigstens nichts unterdrücken.

Mein Kind, gestern Abend sagte es Bitch statt Gute Nacht zu mir. Ja, ich will ihn wirklich nicht mehr bei mir haben. Dieses „er muss weg“ es wird immer deutlicher. Mein Job muss auch weg. Undeutlich, unkonkret, unklar. Mit dieser Minirock Nummer habe ich mir vielleicht auch selbst ein Ei gelegt. Keine Ahnung. Es macht mich nicht zufrieden.

Heute beim Frühstück. Y erzählt, wie sie immer tanzen wollte. Wenn die Kinder groß sind, dann mache ich… Jetzt sind die Kids 14 und 16 und sie hat die Zeit. Jetzt sind die Knie kaputt. Nee, nur arbeiten und Kinder, da wirst Du doch bekloppt, dass hält kein Mensch aus sagt sie zu mir. Und ja, kein Mensch hält das aus. Nicht mal ich. 8 Jahre. 8 verdammte Jahre. Jahre in denen ich alles aufgegeben habe, was mich irgendwann mal ausgemacht hat. Nicht mal mehr zum Yoga soll ich gehen. Mein Kind bockt und trotzt und ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen. Ich habe vor allem einfach keine Kraft mehr alles alleine zu machen. Dieses Alleine, das ist es was ich reinfresse. Was meinen Körper verspannt. Das, was bei körperlichen Aktivitäten rauskommt und sich auflöst. Sich auflösen könnte. Oft ist es zu viel und ich merke, dass ich damit alleine nicht klar komme. Dann schiebe ich es einfach wieder weg. Zack, reingefressen, dicht machen, hoffen, dass es nicht mehr hochkommt.

Lebensfreude? Gibt es nicht. Wann habe ich zuletzt wirklich genossen? Länger als 10 min. Es ist nicht in Ordnung. Schon lange ist gar nichts mehr in Ordnung. Ich liege morgens im Bett und will nicht aufstehen. Selbst am Montag wollte ich nicht aufstehen und ins Sauerland fahren. Ich rede mir ein, weil ich müde bin, zu wenig oder zu schlecht geschlafen habe… Fakt ist, ich will einfach nicht aufstehen. Weil auch 5 Tage Sauerland mich nicht mit Freude erfüllen. Warum nicht? Ein Teil von diesem warum nicht, ist weil ich mein Kind dabei habe. Ich liebe Kinder, ich wollte immer Kinder. Aber mein Kind will ich nicht. Mein Kind will mich auch nicht. Es ist einfach so.

Meine Nachbarin. Sie will ihren großen Sohn auch nicht um sich haben. Und er kann mit ihr nichts anfangen. Die Parallele? Sie konnte ihren Mann nicht erreichen als die Wehen losgingen. Hatte nach der Geburt eine schwere Depression. Ist mir scheißegal, ob Johanna sagt, dass wir uns das selbst ausgesucht haben. Geburt, erstes Kind, alleine? Oder eine traumatische Geburt. Und danach niemand der da ist…. Dieser Schmerz sitzt immer noch so tief in meinem Körper. Der körperliche Schmerz der Geburt, den ich monatelang immer wieder und wieder und wieder geträumt habe. Immer war ich alleine, musste stark sein für mein Kind. Das traumatische Erlebnis habe ich weggesperrt…. Noch viel mehr ALLEINE kann man kaum sein.

Auch bei meiner Nachbarin kann danach die Depression. Trennung, Scheidung. L war noch sehr klein…. Auch sie kommt aus der Depression nicht mehr raus. Warum? Weil auch sie mit der Negativität des Sohnes nicht klar kommt. L ist jetzt Skifahren mit Papa. Wie jedes Ostern. Und sie kann die Zeit geniessen. Mit nur einem Kind. Dem Kind, das gerne Zeit mit Mama verbringt. Sie kann auch alleine zur Kur fahren. Oder einmal im Jahr nach Indien. Weil sie einen neuen Mann hat. Und weil der Ex-Mann seinen Sohn regelmäßig sieht. Deshalb kommt sie klar, irgendwie. Auch wenn der Sohn doof zu ihr ist. Weil sie nicht alleine ist und weil sie ihn nicht immer aushalten muss. Optionen hat. Gefühlt habe ich keine Optionen, dafür aber wegen allem ein schlechtes Gewissen und dadurch noch weniger Möglichkeiten.

Und das ist es. Mein Kind mag mich nicht, meine Eltern mögen mich nicht. Inzwischen mag ich mich nicht mal selber. Und solange ich mich selbst nicht mag, wird mich auch kein anderer mögen. Solange mag ich auch keinen anderen. Es gibt kein Ende dieses Alleinseins. Henne und Ei… Und immer wieder dieses Gefühl: Ich will nicht hier sein. Ich will einfach nicht mehr hier sein.

Und ich hasse mich dafür, dass ich mir einen Unfall wünsche. Damit es endlich vorbei ist. Einen Ausweg sehe ich nicht mehr. Die Kraft dafür habe ich nicht. Und jedes Jahr wird es schlimmer, die Baustelle größer. Immer neue Hürden. Gewinnen kann ich nicht. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen. Ende. Ende wäre schön. Einfach vorbei. Aus die Maus. Alles nicht mehr mein Problem.

Will nicht mehr…

Ich will nicht mehr. Gar nichts mehr. Es ist zu viel. Zu viel für mich, zu wenig wofür es sich lohnt weiterzumachen. Weiter machen. Für was? Und für wen? Meine Nachbarin meint ich könne Sohnemann doch „weggeben“. In professionelle Hände. Und ihn wieder bekommen, wenn zwischen uns alles klar ist. Blöde Kuh. Wie kann sie es wagen sowas zu sagen und es auch noch ernst zu meinen?

Warum es mich trifft? Weil ich am gleichen Punkt bin. Zu sagen ich schaffe es nicht mehr, wir schaffen es nicht mehr. Zu verfahren ist die Situation. Ich zu krank, er zu krank. Ich sehe keine Lösung. Aber ihn weg geben? Das ist ja wohl auch nicht die Lösung…. Mich beim Vater vor die Tür stellen? Immer wieder, bis er es schnallt? Auch ein toller Plan… Ich müsste mich abgrenzen. Drüber stehen. Für mein Kind kämpfen. Muss ich kämpfen? Für irgendwas? Auch wenn es mich kaputt macht? Ist das wirklich der richtige Weg? Die Lösung oder wenigstens eine Lösung?

Was ist überhaupt eine Lösung? Was wäre das Zielbild? Wie müsste es sein damit es gut ist? Und kann ich das erreichen? Aktuell bin ich auf dem falschen Weg. Auf dem ganz falschen Weg. Ich bin nicht mal mehr auf irgendeinem Weg. Es hat etwas von sich abseits des Weges im Kreis drehen…

Und natürlich bin ich nicht Schuld. Diese verfickte Schuld. Es ändert auch nichts. Selbst wenn ich die Schuld und die Verantwortung übernehmen würde. Den Weg sehe ich trotzdem nicht. Ja, verantwortlich bin ich. Aber den Weg sehe ich trotzdem nicht. Und nein, es hat nichts damit zu tun, dass ich arbeiten gehe. Es ist dadurch nicht schlimmer geworden. Schlimm war die Situation vorher schon. Die Arbeit hat keinen Einfluss. Oder einen positiven. Ich habe wieder eine Aufgabe und fühle mich wie ein Mensch.

Heute nicht. Heute bin ich die Vollversagerin. Die, die es nicht geregelt bekommt… Abwägen muss ich, mit wem ich mich treffe. Mit wem ich telefoniere, was ich mir an anderen Meinungen anhöre. Wie viel ich davon an mich ran lassen und annehme. Was kann ich so stehen lassen und wo halte ich dagegen? Und warum? Weil ich „getroffen“ bin oder weil es meine Überzeugung ist, dass ich auf dem richtigen Weg bin? Getroffen bin ich, aber es fühlt sich anders an. Mindfucking oder Realität?

Ich kann es nicht mehr auseinander halten. Was ist im Kopf und was real? Die Zeit sich mit mir zu beschäftigen, in mich rein zu spüren. Auch die Lust mich überhaupt mit mir zu befassen. Gerade ist nichts davon da. Funktionieren will ich und das möglichst perfekt. Perfekt für die anderen. Die Anderen glücklich und zufrieden machen. Erwartungen erfüllen. Fuck you all! Warum lasst ihr mich nicht einfach mit eurer Scheiße zufrieden? Warum ziehe ich mir den Schuh überhaupt an? Wo ist mein I don’t give a fuck? Wo bin ich? Und warum fühle ich mich wieder so scheiße?? Warum bekomme ich nicht endlich die Kurve? Und warum arbeite ich nicht daran dies zu erreichen? Ausreden, Opferrolle. Das Problem: Wenn ich mich selbst dafür hasse, macht es nichts besser. Eines meiner Hauptprobleme. Die Kurve bekomme ich nicht und den Hebel, wo ich ansetzen muss, finde ich einfach nicht. Ich drehe mich im Kreis und könnte kotzen….

Was Festes

„Ich suche was Festes. In meinem Mund.“ Las ich hier neulich in einem anderen Blog. Und musste grinsen. Heute denke ich mir, da ist etwas Wahres dran. In meinem Mund.  Und gerne auch anderswo. Für den Anfang würde das zumindest eines meiner Probleme lösen. Obendrein möglicherweise Entspannung bringen, so dass andere Dinge in meinem Leben sich ebenfalls entspannen könnten.

Könnten. Konjunktiv. In der Realität steht mir nicht der Sinn nach Sex. Mindfuck. Ein einziger Mindfuck. Egal in welche Richtung ich es drehe. Es bleibt nichts übrig, was sich in der Realität verwirklichen lässt. So oder so ein Sprung ins kalte Wasser mit ungewissem Ausgang. Realität eben. Der Unterschied zum Mindfuck. Mindfuck über mögliche zukünftige Ereignisse mit realen oder frei erfundenen Personen. In allen Schattierungen von rosa bis schwarz. Bestenfalls taugt etwas davon für mein Kopfkino. Der rosa Teil. Wobei ich auf rosa Sex mit mir selbst auch wenig Wert lege. Andere Gedanken führen sehr viel schneller zum Erfolg. Und letztlich bin ich faul und habe ohnehin wenig Lust auf Sex mit mir selbst. Es ist solche eine Verschwendung. Perlen vor die Säue geworfen. Es macht mich ehrlich traurig. So kann es nicht weitergehen.

Ändern wird sich daran wohl nichts. Erstmal nicht. Andere Dinge sind wichtiger. Zu viel passiert. Sortieren muss ich, will ich, sollte ich. Momentan ist es unklar. Wie viel Schuld bleibt bei mir? Wenn es keine Schuld gibt. Es fühlt sich fremd an. Erwartungen, in gewisser Weise sind sie da, auch wenn ich sie nicht haben will. Nehme ich sie weg, nehme jede Erwartung weg, dann ist mein Leben trist. Noch ist da nicht genug eigenes „ich stehe morgens auf, freue mich meines Lebens und schaue was da kommt“. Mein Leben erfordert Planung, also komme ich ohne Mindfuck nicht aus. Die Zukunft antizipieren, ein Stück weit planen. Wissen, was mich erwartet. Das ist es was ich brauche. Stabilität. Berechenbarkeit, nicht was die Details sondern das große Ganze angeht.

Stabilität, noch ist sie nicht in Sicht. Keine Baustelle wirklich geklärt. Ein rückläufiger Merkur. Es wird so bleiben. Nicht, weil es am Himmel steht, sondern weil es sich auch so anfühlt. Jetzt wird sich nichts klären, vor allem nicht in mir. Ein Berg ist noch abzuarbeiten. Die eine Schicht ist weg und die nächste tut sich auf. Verstehen tue ich vieles nicht, auch wenn ich es mir mit Mindfuck erklären kann. Erklären. Das kann ich. Mir die Welt immer wieder selbst erklären. Die Realität ändert sich nicht, wenn ich sie verstehe. Akzeptieren, darum geht es. Verstehen kann beim Akzeptieren helfen. Ich habe gelernt, dass ich manchmal akzeptieren muss ohne verstanden zu haben. Ohne Antworten bekommen zu haben. Vielleicht gibt es diese Antwort auch gar nicht, weiß der andere selbst nichts damit anzufangen. Die Realität ist davon wenig beeindruckt. Es ist wie es ist und die Erde dreht sich einfach weiter. Auch wenn ich kotze. Der Erde ist mein Drehwurm egal, völlig unbeeindruckt dreht sie sich weiter. Der Erde sind meine Antworten egal. Und ich? Ich finde es ehrlich zum Kotzen. Aber auch das ist wie es ist.

 

Konjunktiv

Mein Leben lebe ich im Konjunktiv. Ich könnte. Ich könnte so viel, ich tue so wenig. Arbeit, es tut mir nicht gut und ist doch genau das was ich brauche. Irgendeine Struktur. Irgendeinen Grund morgens aufzustehen. Mein Kind? Kein Grund. Er möchte keine Zeit mit mir verbringen. Nichts unternehmen. Ich verstehe ihn. Ich möchte auch keine Zeit mit mir verbringen. Wozu auch?

Heute morgen? Geweckt mit den Worten „Darf ich Fernsehn, wenn ich Dir Kaffee mache?“. Der Kaffee kam. Als es trotzdem kein Fernsehn gab, wurde er mir wieder weggenommen. Als ich ihn wieder bekam, war die Milch sauer. Ein genialer Start in den Tag. Samstag. Wieder ein Samstag an dem ich aufstehe, und einen Heulkrampf bekommen. Den ganzen Morgen heule ich. Irgendwann zu Musik, irgendwann kommt die Wut. Es hilft auch ohnehin nichts. Ich muss zu DM. Wenn ich es nicht tue, bereue ich es spätestens am Dienstag, wenn ich kein Katzenfutter mehr habe. Verheult setze ich mich ins Auto. 5FDP. Bis ich zu Hause bin, geht es besser. Ein Freund hat angerufen. Draussen wird es heller, Sonne bricht durch die Wolken.

2 h später. Die gute Laune, halb da, halb schon wieder weg. Ich könnte. Heute wird hier Karneval gefeiert. Ich könnte feiern gehen. Werde ich es tun? Habe ich überhaupt Lust? Wirklich Lust? Ja, wie die Klamottenbörse. Es wird mit gut tun, unterm Strich mal rausgekommen zu sein. Lust habe ich keine. Ob es mir gut tun wird, noch eine andere Geschichte. Alkohol tut mir nicht gut. Gegessen habe ich auch noch nicht. Ich sollte zu Hause bleiben und aufräumen. Endlich den Papierkram, der unwichtig und größtenteils Müll oder Ablage ist, einfach angehen. Es fertig machen, bevor es mich fertig macht.

Ich könnte, aber ich kann nicht. Bekomme es einfach nicht gebacken. Will es auch nicht gebacken bekommen. Es ist zu schwierig. Ich zu erschöpft. Einer dieser Tage an denen ich spüre, wie sehr ich einfach nicht mehr kann. Nicht mehr so weitermachen kann, aber einfach keine Kraft verspüre etwas daran zu ändern. Zu viel, der Berg erscheint zu groß. Ich will nicht anfangen, weil ich das Gefühl habe nie fertig zu werden. Möglicherweise brauche ich auch Aufräumen mit Marie Kondo. Vielleicht gibt das mir einen Ansporn? So viele Dinge liegen hier rum, die in Schränke gehören. Schränke, die voll sind mit Blödsinn. Dingen, die kein Mensch braucht. Dinge, von denen ich vergessen habe, dass es sie gibt. Abgestellt. Alles in meinem Leben ist abgestellt. Für später. Manches ordentlich verpackt, aber vergessen. Anderes liegt herum. Als Zeichen. Der ganze alte Kram. Loslassen müsste ich ihn. Müsste. Konjunktiv. Wie alles in meinem Leben.

Heute morgen habe ich mir mal wieder die Geschichte erzählt, wie ich zwar meine Opferrolle akzeptiere, aber eben einfach nicht mehr kann und es ist zu viel. Und Johannas nervige Stimme im Ohr. Wie sie mich wieder fertig macht. Mir erzählt, das es meine Verantwortung ist. Es geht wieder eine Ebene tiefer. Es ist nicht meine Aufgabe die Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen. Die habe ich sowieso und hatte sie auch immer. Deshalb ist auch alles so wie es ist. Weil ich die Verantwortung auch dafür übernehme, was ich in der Zwischenzeit mit all dem angefangen habe. Nämlich nichts. Oder eben nicht so viel. Verantwortung dafür wie ich entschieden habe mit der Situation umzugehen. Und jeden Moment meines Lebens immer wieder eine Entscheidung treffen. Dafür nichts zu tun und weiter im „könnte“ Modus zu bleiben? Oder weiterzugehen auch wenn es schwierig wird? Wenn ich nur könnte, wie ich wollte… Endlich wollen. Wirklich wollen. Das wäre was…

Inkonsequenz

Ich schreibe die andere Mail kann ich nicht finden, zu viel weggefuckt. Unwichtig. Schließe den Blog und öffne die Mail. Finde auf Anhieb, nicht im 2. Versuch. So klar. Warum? Die Frage, die ich mir niemals mehr in meinem Leben stellen möchte. Wo zu. Das ist die einzig zulässige Frage. Wozu war es gut? Wohin führt mich das? Fehler verzeihen, mir selbst verzeihen, lernen was es daraus zu lernen gab. Hoffentlich den gleichen Fehler nicht wieder begehen. Ein anderen. Aber nicht wieder den gleichen Fehler. Nicht immer wieder den gleichen. Dazu ist es gut. Die eigene Inkonsequenz. Ehrlich zu mir selbst sein. Absichtlich meinen alten Mindfuck lesen. Mit der Frage Was lernst Du daraus? Hast Du daraus gelernt? Was machst Du jetzt anders, besser? Und womit geht es mir gut. Endlich zu erkennen, was wirklich ich bin und was „die anderen“. Der Unterschied zwischen dem, was ich wirklich bin und dem was ich nur für andere bin. Nur um die Bestätigung, Anerkennung, die Liebe von anderen zu bekommen. Mich anpassen, weil ich denke so sein zu müssen. Einen Scheiß muss ich. Streng genommen muss ich nicht mal arbeiten gehen. Die Wohnung ist weg. Ich schwimme in Geld. Nein, arbeiten muss ich nicht. Warum tue ich mir bald eine 42 h Woche an. Ich hoffe bei dieser Entscheidung, bei der Einsicht, dem wahren Grund wofür ich es tue, weiter zu mir selbst zu finden. Wenn rauskommt, dass ich irgendein Dominanzproblem habe, an dem ich arbeiten sollte, dann ist das so. Vielleicht bin ich auch nur eine selbstsüchtige Rabenmutter auf dem Selbstverwirklichungstrip. Langeweile, Richtungslosigkeit, das gute Geld mitnehmen. Ich habe keine Ahnung, was es wirklich ist. Ich hoffe, dass ich es herausfinde. Möglicherweise geht es nur über Leid. Leiden und dabei merken „das tut mir nicht gut“. Und dann etwas ändern. Sofort. Nicht Monate darüber mindfucken, nichts aufschieben, nicht darauf warten, dass morgen irgendwas passiert. Jetzt. Wenn es jetzt nicht gut ist, dann muss ich es jetzt ändern. Sonst bleibt es jetzt nämlich Scheiße und von dem was morgen im Garten wachsen wird, ist leider heute noch nie jemand satt geworden. Heute. Nicht morgen. Heute. Immer heute, vor allem immer jetzt.

Januar

November. Eine alte E-Mail. Ein Aha-Erlebnis. Wut auf mich selbst. Aber auch Verständnis. Alles ist gut. Bald ist März und die Sonne scheint. Ich lese den Beitrag von gestern, vorgestern, wann auch immer. Selbst verraten habe ich mich. Irgendwann schreibe ich von einem Moment der Verzweiflung, eine Moment in dem das Ego nichts mehr zu melden hat. Der Moment in dem die Seele schreibt, ohne Rücksicht auf irgendwelche Konsequenzen. Ich gehe zurück in den Moment. Mit Abstand dämmert mir, dass es nicht diesen einen Moment gab an dem ich völlig am Ende war. Es gab noch zwei weitere seit dem. Den ersten habe ich mir weggefuckt. Überflüssig danach zu suchen. Würde ich ihn überhaupt finden? Mindfucking habe ich genug gelesen.

Januar. Eine Bedingung. Ich erinnere mich gut. Es ist noch nicht lange her. Dazwischen Schweigen. Weihnachten, mir ging es nicht gut. Die Mail, einfach zu finden. Viel hatte ich nicht geschrieben. Der Ton hat sich verändert. Der Inhalt, er ist gleich geblieben. Erstaunlich, dass ich angeblich alte E-Mail gelesen habe und das offensichtliche nicht erkannt habe. In dem Moment, scheinbar war etwas anderes wichtig. Meine Selbstzerstörung, Opfer sein. Nicht loslassen wollen, keine Entscheidung treffen. Der Vorteil an einer Entscheidung ist, dass ich bestimmen kann wohin die Reise geht. Der Nachteil ist, dass ich entscheiden muss wohin die Reise gehen soll. Auch wenn ich evtl. mit Never Come back Air den ersten Teil der Reise zurück legen muss…

Klarheit, sie beginnt damit, dass ich das Flugzeug betrete. Nicht darin zu wissen, ob ich ankomme. Mein Rückflug von Flores. Nach 8 h Verspätung, endlich an Bord einer echten Never Come Back Airline. Im Landeanflug die Realisation: Entweder wir stürzen gerade ab oder wir landen in Bali. Zum Glück war es Bali. Zum Glück habe ich vertraut, dass es gut ausgeht. Einen Flug nach Bali hatte ich nicht gebucht. Surabaya war mein Ziel, von dort der Weiterflug nach Jakarta. Bali? Es war die einzige Maschine, die diesem Tag von der Insel abflog. Der andere Flieger, er war wohl einfach nicht da, vielleicht hatte man auch kurzfristig den Flugplan geändert, sich einfach vertan? In Indonesien? Alles und nichts kann schuld daran sein. War es aber nicht. In Bali erklärte man mir, dass ich dort bin, weil man mich nach Hause bringen wollte. Verhindern , dass ich tagelang auf einer Insel hänge. Denpasar, da musste ich hin, um irgendwie wieder nach Hause zu kommen. Dahin, wo eine weiße Frau hingehört. Es war nett. Es hat mich unglaublich aufgeregt. Über meinen Kopf hinweg entschieden. Alles Scheiße. Der Umweg hat mich ans Ziel gebracht. Hätte ich den direkten Weg, den Kopf durch die Wand, den Flug nach Surabaya haben wollen, darauf bestanden. Ich würde immer noch auf Flores sitzen und auf den Flieger nach Surabaya warten (naja, nicht ganz, aber…).

Sonne

Ich arbeite in einem Urlaubshotel. Das Erdgeschoss sieht aus wie eine Hotellobby. Unsere Kantine ist der Speisesaal eines 4 Sterne Hotels. Vor meinem Fenster der Fischteich mit den Koi-Karpfen. In der Sonne. Dahinter, ein hässliches Haus. Dahinter? Mein zu Hause. Es fühlt sich schön an. Irgendwie familiär. Es ist anders. Zum ersten Mal bin ich in dem Glaskasten. Normalerweise schaue ich aus meiner Küche, vom Balkon in die Büros, den Leuten beim Arbeiten zu. Heute schaue ich aus dem Glaskasten auf unser Haus. In der Sonne. Es gefällt mir, was ich sehe. Von hinten sieht unser Haus wirklich, wirklich schön aus. Der Garten, unser Garten, für den ich die Verantwortung habe. Noch. Bald werde ich sie abgeben können. Ich freue mich darauf.

Obwohl alles Scheiße ist, objektiv betrachtet. Ich hatte bessere Zeiten im Leben, aber auch sehr viel schlechtere. Der Neuanfang, er scheint nah. Greifbar, machbar. Der erste Schritt ist gegangen. Keinesfalls darf ich damit aufhören. Damit aufhören weiterzugehen. Mir selbst treu bleiben. Darum geht es. Nur darum. Meine Werte, das was mir wichtig ist. Und vor allem ich. Die, die in ihrem eigenen Leben viel zu lange irgendwo ganz hinten gestanden hat. Nicht für andere. Ich habe mich so gesehen. Andere haben meinen Wert schon früher erkannt. Ich konnte es nicht annehmen, kann es immer noch schlecht annehmen. Weil ich so eine niedrige Meinung von mir selbst habe. Schlecht über mich rede, mich selbst beschimpfe oder fertig mache. Das tun andere Leute schon zur Genüge.

Gerade habe ich mal wieder gekotzt. Ob es mein Körper ist oder einfach wieder das Ego, dass die Kontrolle verliert und deshalb gegen bestimmte Gedanken rebelliert. Ich weiß es nicht mehr. Es geht mir gut, egal, ob ich kotze. Es gibt keinen Grund, warum es mir gut gehen sollte. Gar keinen. Scheiße müsste es mir eigentlich gehen. Tut es aber nicht. Es geht mir aber nicht schlecht. Im Gegenteil, es geht mir besser als es mir die letzten Monate ging. Ich weiß, dass vieles mit der Hotel-Lobby und den Kois zu tun hat. Damit, dass die Sonne scheint. Wenn draußen das Grau zurück kommt, wird sich das auch auf meine Laune auswirken. Denke ich mir. Die Stimme in meinem Kopf sagt: Und was, wenn es nicht vorbei geht? Die Sonne noch scheint, auch wenn es regnet? Das was ich mir wünsche und wovor ich gleichzeitig so viel Angst habe. Es ist die Opferrolle, die ich aufgeben müsste. Muss, und vor allem will. Loslassen. Das was war und die Kontrolle über das was sein wird. Kontrolle habe ich genau über das Jetzt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Besser

Es geht mir besser. Die Kurve habe ich bekommen. Der Lethargie der letzten Tage etwas abgerungen. Klarheit. Und dazu den Schatten. Unklarheit. Immer wenn eine Sache klar wird, wird eine andere zwangläufig unklar. Anders. In der Opferrolle hänge ich immer noch sehr tief. Es hat sich verändert. Verändert sich immer noch. Ist subtiler geworden. Es ist einfacher, wenn ich nett zu mir selbst bin. Mir meine Fehler verzeihe. Ich bin auch nur ein Mensch. Nur ein Mensch. Mein Mantra, um irgendwie zu überleben. Ich bin nur ein Mensch. Und wenn ich im Büro anfange zu heulen, dann ist das so. Ich bin nur ein Mensch. Nah am Wasser gebaut bin ich sowieso. Das geht mit diesem ganzen Zulassen einher. Zulassen statt wegdrücken.

Und immer wieder Opfer. Die Selbstverantwortung. Ich habe sie, ich nehme sie an, akzeptiere, dass die Dinge so sind, wie sie sind. Ich meinen Teil dazu beigetragen habe. Ich habe so entschieden. Und doch reißt es mich immer wieder zurück. Der andere, er hätte doch…. Ich kann diese Erwartungshaltung rausnehmen. Nichts erwarten, gar nichts. Dann bekomme ich, was ich bekommen habe. Nichts. Den Job habe ich auch erst bekommen, als ich es mir wert war. Nebenan und familienfreundlich zu arbeiten. Es mir wert war nicht jeden Tag nach Solingen oder sonst wohin fahren zu müssen. Nun ist der Opa tot und es ist im Job ok. Ich habe es angekündigt. Alle konnten sich darauf einstellen. Auch darauf, dass es mir nicht gut gehen wird.  Aber wie viel Rücksicht muss jemand anderes auf mich nehmen?

Wie viel von dem bleibt bei mir. Immer bei mir. Und was davon darf ich „zurück“ geben? Und wie sieht so ein zurück geben in richtig aus? Mit dem Mond Zettel zu verbrennen erscheint mir langfristig nicht der einzige Weg… Einen alten Blog habe ich gesucht. Etwas, was ich vor, während, nach meinem Loslassen Seminar (aber noch vor dem über Vertrauen) geschrieben hatte. Im Blog? Da habe ich etwas gefunden, was ich nicht gesucht hatte. Überhaupt nicht gesucht hatte. Aber es ist eine sehr treffende Zusammenfassung, dessen was wirklich wichtig ist.

Was ich wirklich gesucht habe, fand ich schnell in der E-Mail. Loslassen am Loslass Seminar. Ich bin erschüttert, was ich da gelesen habe. Nicht erschüttert, erschrocken und erstaunt. So viel wahre Worte, vor so vielen Wochen bereits geschrieben. So klar geschrieben. In Erinnerung hatte ich, dass ich ziemlich am Rad gedreht und jede Menge Blödsinn geschrieben habe. Das Gegenteil ist der Fall. Kein Blödsinn. Das was in mir vorging. Verletzt war ich. Zu recht verletzt. Jenseits meines Mindfuckings aus alten Geschichten. Mehr ist dazu gekommen. Andere Dinge, mal nenne ich es komisches Gefühl, mal Unsicherheit, umschreibe es mit der Gameshow. Alles andere Worte für „tut mir nicht gut“. Geändert habe ich nichts. Akzeptiert, dass die Dinge sind wie sie sind. Immer unklarer geworden sind, weniger zusammengepasst haben. Es war meine Entscheidung. Äußere Umstände akzeptieren, mich zurückstellen. Hintenanstellen, weil andere Leute….

Mich selbst wichtig nehmen. Nicht wichtiger. Mich respektvoll behandeln. Meine Grenze war schon so lange vorher überschritten. Nicht die Grenze dessen was ich aushalten kann. Die ist noch lange nicht erreicht. Aber für was? Wer auf dieser Welt ist mehr wert als ich selbst? Kinder ausgenommen. Kinder sollten in dieser Betrachtung keine Rolle spielen. Sie haben Bedürfnisse und die sollten berücksichtigt werden. Wenn es geht und im Rahmen bleibt. Aber Kinder treffen keine Erwachsenenentscheidungen. Entscheiden nicht, wo oder wie ich wohne, als was ich arbeite, welchen Hobbies ich nachgehe. Selbstliebe. Aus Selbstliebe wollte ich mir nicht wegnehmen, was mir eine gute Zeit bereitet. Ohne zu erkennen, dass die Umstände mir keine gute Zeit machen. Geschrieben, in einem Akt der Verzweiflung. Völlig am Ende. Kein Ego mehr da.

Und dann keine 2 Tage später entscheidet das Ego, dass nur komische Leute so was denken und fuckt alles wieder klein. Alles, das bin in diesem Fall ich selbst. Das was ich fühle, wie ich mich fühle, wird weggefuckt und durch das ersetzt, was „passend“ ist. Dann lege ich noch eine Schippe drauf und gehe zur (nennen wir es) Selbstfindung. Finde „das Wahre“ um es mir dann wochenlang wegzufucken. Und zwei Wochenendeseminare später finde ich „das Wahre“. Nur um keine Woche später festzustellen, dass ich 2 Seminare vorher schon mal mindestens genauso weit war.

Ich weiß, dass es nicht stimmt. Ich bin weiter als damals. Viel weiter. Etliche Schichten weiter in der Zwiebel. Und ja, ich habe wieder etwas erkannt. Etwas anderes als ich dachte. Ein Stück näher am wahren Problem. Die Opferrolle und mich selbst nicht wichtig nehmen. Anderen erlauben mir weh zu tun. Alleine schon dadurch, dass ich mir selbst weh tue? Dieses „ich will Dir nicht weh tun“. Oft habe ich es gehört. Immer von Männern, die mir anschließend besonders weh getan haben. Wie viel davon war eine „Warnung“? Es wird passieren, wenn Du nicht gehst? Meine Entscheidung es trotzdem geschehen zu lassen… Als könnte der Wille alleine irgendwelche Verletzungen verhindern. 1 oder 0. Ich will oder ich will nicht. In meiner Welt? Keine Warnung. Eher eine Aufforderung es einfach nicht zu tun. Du hast es erkannt, tue was dagegen. 1, 2, 3 Mal mag ich mir sogar einreden können, dass es nicht böse gemeint war. Aber irgendwann macht es etwas mit mir. Beschädigt mein Selbstwertgefühl, meine Beziehung zu mir selbst. Keine rationale Entscheidung, kein abwägen. Wenn „ich“ der Preis bin, dann ist er zu hoch. Bezahlt habe ich ihn trotzdem. Lese ich meinen alten Kram, dann verstehe ich die Entscheidung, kann mir verzeihen alte Fehler wieder gemacht zu haben. Kann mir meine Inkonsequenz verzeihen. Irgendwie. Das Bewusstsein mich selbst so verraten zu haben, bleibt. Kein Wunder, dass aus mir nichts raus will. Es interessiert ohnehin niemanden, offensichtlich nicht mal mich selbst.