Läuft

Es läuft bei mir. Irgendwie in jeder Hinsicht. So gut, dass es Angst macht. Alles fügt sich. Wie vorbestimmt erscheint es fast. Oder von oben geführt. Was es vermutlich auch ist. Ich habe darum gebeten. In einem meiner vielen verzweifelten Momente. Wenn ich nur verzweifelt genug bin, dann kann ich Hilfe annehmen. Sonst, eher schwierig. Was unter uns gesagt Blödsinn ist. Warum sollte man nicht jede Hilfe nehmen, die man bekommen kann? Alleine ist es immer schwerer. Alles. Punkt.

Der Job. Sie rufen nicht an. Also habe ich angerufen. Aha, Chef-chef krank, diese Woche eher keine Entscheidung. Die Art, wie die Personalfrau das sagt, sagt mir, dass es überhaupt keine Probleme mit meinem Angebot gibt. Eher im Gegenteil. Der Drops ist also gelutscht. Aber, leider erst vollständig mit der Tinte auf dem Papier. So ist das mit Vereinbarungen. Tinte muss trocken sein. Vorher ist der Drops nicht gelutscht. Nun habe ich diesen Anruf in Abwesenheit. Düsseldorf, lt. Internet um die Ecke. Das muss er sein, der Anruf. Bei Rückruf meldet sich keiner. Ich will schon eine E-Mail schreiben, hänge in irgendeinem Mindfuck. Das war der Chef usw. Zum Glück bewahrt mich ein Anruf davor weitere Zeit zu verlieren oder schlimmer, irgendwelche Dummheiten zu begehen. Es ist die Sanitärfirma, die meine Badarmatur reparieren will. Mehr nicht. Kein Job, keine trockene Tinte. Dafür irgendwann ne neue Armatur. Läuft auch. Ebenso wie der neue WC-Sitz, der seit gestern seinen Dienst tut. Es gibt Phasen da passiert viel ganz schnell.

Der Heckenschnitt. Seit über einem Jahr beschäftigt  mich dieser beschissene Hecken- und Baumschnitt. Nichts passiert, keine Termine, keine Info. Nichts. Heute morgen fährt die Firma vor. Mit viiiiielen Leuten. Krasse Sache, tatsächlich ist sogar der Gärtner dabei mit dem ich vor einem Jahr die Begehung gemacht habe. Es weiß, dass ich das sagen habe. Es läuft. Bis zu dem Moment, wo es ist nicht mehr läuft. 2 weitere Bäume tot, aber kein Auftrag für die Fällung. Nachpflanzung der Hecke? Kein Auftrag. Eine halbe Stunde später. Ich habe einfach den Beirat der Eigentümer-Versammlung angerufen. Darf ich eigentlich nicht. Aber der Mann ist ein Spießer, er will er ordentlich vor seiner Tür. Soll er sich doch mit der Hausverwaltung rumschlagen. Auf ihn wird wenigstens gehört. 15 min später habe ich meine Fällgenehmigung. Es läuft, selbst wenn es nicht läuft.

Gestern. Beim Kinder- und Jugendpsychologen, nach einem absoluten Horror am Vortag. Plötzlich, ein Dreier-Gespräch. Das Problem, nicht die Schule, der Opa, die depressive Versager-Mutter. Nee, dass sein Arschloch-Vater nchts mit ihm zu tun haben will. Das ist es was mein Kind fertig macht. Sich abgelehnt zu fühlen. Angst, dass irgendwann auch die Mama weggehen könnte. Er fühlt sich ungeliebt. Oder hat zumindest Sorge, dass er ungeliebt sein könnte. Weil es wohl einen Grund geben muss, warum der Vater den Sohn nicht sehen will. In der Welt eines Kindes sieht das so aus. Kinder sind kleine Egomanen, beziehen alles auf sich. Weil sie eben der Mittelpunkt der Welt sind. Irgendwann, viel später, vielleicht mit 30, werden sie begriffen haben, dass sie nicht mal in der Nähe des Mittelpunkts der Welt stehen. Aber bis dahin ist es ein Weg. Und auf diesem Weg dreht sich alles um das Kind. Deshalb muss auch alles was dem Kind so passiert, irgendwie mit dem Kind zu tun haben. Die Schizophrene Welt meiner Mutter, so viel entspringt dieser kindlichen Egomanie. Es ist das gleiche Schema. Dinge passieren, MIR passieren Dinge. Wenn sich alles nur um mich dreht, dann hat auch alles einen Einfluss auf mich. Beeinflusst mich, bringt mich vom richtigen Weg ab. Mindfucking. Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt.

Aber, ich bin sehr wohl der Mittelpunkt meiner Welt. Und die Hauptperson in meiner Gameshow, die sich gerade eher wieder wie ein Film anfühlt. Film ist besser als Show. Der Film folgt einem Drehbuch. Und auch wenn ich das Drehbuch nicht geschrieben habe, als Hauptdarstellerin kenne ich es natürlich. Ich weiß vielleicht nicht, was der Regiseur mit einzelnen Szenen anfangen wird oder ob man kurzfristig etwas umschreibt, weil man sich die“Tür für Teil 2″ offen halten will. Es ist handelbar, planbar. Ein wenig berechenbar, was irgendwie gut ist. Ruhe und Stabilität sind gut. Aufregung ist es nicht. Die stressige Aufregung, Termindruck, zu viel Kram auf dem Zettel, Unsicherheit. Die gute Aufregung ist o.k. und darf beibehalten werden. Bisschen Spannung muss sein. Der Job, es ist gut, dass es dauert. Diese Unsicherheit, sie hilft mir den letzten Rest Mindfucking hinter mir zu lassen. Bis zur Unterschrift bin ich mir über meine Ziele, Beweggründe, usw vollkommen klar. Bis dahin weiß ich genau, welchen Preis ich zahlen werde und warum ich es trotzdem tue. Weil ich ich bin. Leider keine gute Teilzeit-Mutti. Ich kann entweder voll oder gar nicht arbeiten. Anders geht nicht. In Teilzeit, ich kann einfach nicht anders als doch das Vollzeitpensum zu machen. Wenn irgendwas nicht läuft, will ich es reparieren. Chaos sortieren. Gib mir einen Berg Lego und ich kann gar nicht anders als zu sortieren. Automatisch, wie ein Roboter. Irgendwie ist das mein Programm. Struktur. Wissen, wie es läuft. Einen Plan haben. Wissen, wo alles liegt. Meine Ressourcen, mein Kram. Es muss nicht ordentlich sein, solange ich weiß, wo alles liegt. Dieser Job, ich werde mich totarbeiten. Weil ich will. Das Problem lösen will. Und dann noch eins und noch eins und das andere auch noch. Und ich verstehe, dass es dort viele Probleme gibt. Und wie bereits gesagt, ich kenne mich. Leider. Inzwischen zu gut.

Faszinierend dennoch, dass sich alles fügt. Der lange währende Kampf mit dem Kindsvater. Er geht in die letzte Runde. Die entscheidende Runde. Wenn er jetzt nicht handeln kann oder will, dann wird er es nie tun. Letzte Woche schon hatte ich den Impuls ihm zu schreiben. Wegen meinem Kind. Dazwischen manchmal auch was mich und ihn betrifft. Sagen, was noch gesagt werden muss. Und dann weiter gehen ohne zurück zu schauen. Mit meinem Kind, es ist irgendwie die letzte, finale Aufgabe. Bis hier hin und nicht weiter. Weiter darf dieser Mensch meinem Kind keinen Schaden zufügen. Entweder er taucht auf und bringt in Ordnung, was er verbockt hat. Oder es muss eine andere Lösung her. Nicht klar, wie diese aussieht. Konfrontation vor Gericht? Ich verspüre nicht die geringste Lust darauf. Mal sehen was die KJP vorschlägt. Sehen, was auf meine E-Mail als Reaktion folgt. Ob eine Reaktion erfolgt. Mein Wunsch? Das er es endlich kapiert und sich seiner Verantwortung stellt. Die Realität? Eine realistische Hoffnung ist, dass mich der Anwalt zumindest anruft. Mir erzählt, was er nicht schreiben darf. Mir ein Gefühl dafür gibt, was ich dem Sohnemann erzählen kann. Was der wahre Grund für sein Wegbleiben ist. Wenigstens diese Erklärung ist er uns schuldig. Uns, in erster Linie meinem Sohn, aber irgendwie auch mir. Ich bin diejenige, die dem Sohn die Welt erklärt. Ich möchte ihm gerne die Wahrheit erzählen und nicht eines meiner Gedankenkonstrukte als DIE Wahrheit präsentieren. Ich weiß selbst nicht was los ist. Da war zu viel Mindfucking in den letzten Jahren. Die Realität. Sie existiert nicht mehr, ist Vergangenheit. Niemand wir jemals wieder mit Sicherheit rekonstruieren können, was in einem ganz konkreten Moment, damals, passiert ist. Was wirklich gesagt wurde, was wie gemeint war. Überflüssig auch nur eine Sekunde meiner Lebenszeit zu vergeuden. Jahre, auf Sekunden kommt es wahrlich nicht mehr an. Aber irgendwo muss ich den Strich ziehen und einfach aufhören. Es wird niemals aufhören. Rational werde nicht erfassen können, welche Dynamiken am Werk waren. Die Wahrheit werde ich nie erfahren. Falls es überhaupt eine Wahrheit gibt. Es gibt soviel Zwiespalt in mir selbst. Andere Menschen, sie ticken ähnlich. Auch sie haben gemischte Gefühle. Sich widersprechende Gefühle. Launen. Meine Launen, ich hasse und liebe sie gleichzeitig. Langweilig wird es mit mir nie, aber mitunter anstrengend. Meine Meinung, die kann ich schnell ändern. Und oft erst lange Zeit später wirklich verstehen, was da passiert ist.

Meine Zwiebel. Die Fotografen-Party. Ich wollte mich nicht in eine komplizierte Situation bringen. Also habe ich den passiven Widerstand geprobt. Aktion durch nicht Handeln. Irgendwann absagen „müssen“, weil kein Babysitter da ist. Meine Meinung? Keine Meinung. Schichten darunter, die Situation, Kompliziertheit vermeiden wollen. Wissen, dass eine Situation entstehen würde, die mich in Bedrängnis bringt, mich unsicher macht. Vermeidung. Schichten weiter. Scheiß auf die komplizierte Situation. Die Gelegenheiten, der Vertrieb, der Ehering. Ich wollte einfach meine Meinung nicht ändern. Nicht meine Meinung ändern müssen und dadurch zu dem Schluss kommen (müssen), dass WIRKLICH ALLE MÄNNER OHNE JEGLICHE AUSNAHME völlige Schwachmaten sind. Und das es wirklich KEINEN MANN gibt, dem man auch nur einen Meter über der Weg trauen kann. Zack, Stempel drauf und der Drops wäre gelutscht gewesen. In jeder Hinsicht. Dahinter? Tatsächlich die Angst eben auch noch diesen letzten Funken Hoffnung begraben zu müssen, dass es möglicherweise da draußen doch irgendwie noch anständige Menschen, vor allem anständige Männer gibt, die es sich zu suchen lohnt. Lange vergessen, aber irgendwie kommt das Gefühl wieder hoch. So tiefes Misstrauen in „den Mann“ als solches. Platonische Liebe, mag für manche funktionieren. Für mich nicht, nicht auf Dauer. Mehr, dieses etwas mehr, gehört dazu. Wie viel „etwas“ ist habe ich noch nicht rausgefunden. Aber ich meine wohl, irgendwie erkannt zu haben, dass es ein „zu viel“ gibt. Ein zu viel, ab dem es kippt. Und ein zu wenig, wo es ebenfalls kippt. Und die Hoffnung, dass es vielleicht einen sehr schmalen Grat zwischen diesen beiden Polen gibt, eine Möglichkeit, dass sich die Nadel einfach irgendwo ziemlich genau in der Mitte zwischen zu wenig und zu viel einpendelt. Der Mittelweg, irgendwie für alle gut. Vertrauen, Liebe, Arbeit, Freizeit, Geld. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Es ist eine Frage der individuellen Definition.

Läuft ist keine Frage individueller Definition. Gestern frage ich bei der KJP vorsichtig an, ob sie vielleicht einen anderen regelmäßigen Termin für uns hätte. Sie hat mir fast den Kopf abgerissen. Nein, kommt nie vor, dass da was frei wird. Heute, sie ruft an und muss selbst lachen. Nun also mittwochs. Es passt besser mit der OGS-Betreuung und mittwochs kann die Oma. Dienstags kann sie nicht. So einfach ist das.

Ihre Aussage, dass es mit dem Vater zu tun hat. Wir haben nie darüber gesprochen, aber natürlich war mir klar, dass seine Probleme daher kommen. Nahezu ausschließlich daher. Seit langem schon trage ich es mit mir rum. Will das beim Vater platzieren und kann nicht. Weil ich tatsächlich in ihm die schnellste und sauberste Lösung für unser Problem sehe. Er spricht mit Colin und dann ist es erstmal wieder gut. Den Rest, die Fragen, das was danach kommt. Damit kann ich umgehen. Mit einem depressiven Kind nicht. So einfach ist das.

Und so einfach ist es tatsächlich. Problem erkannt, Gefahr gebannt.

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Round and round and round and round it goes…

…where it’s gonna stop nobodoy knows.

Ok, DAS wollte ich hier eigentlich nicht schreiben, aber es kam mir so in den Sinn. Krise. Die, die es zu vermeiden galt. Unbedingt, Geburtstag, Vorstellungsgespräch, Opa. No way. Ich brauche Ruhe und Stabilität und einen Plan. Einen Plan für das Gespräch. Den Geburtstag. Ein Notfallkonzept für den Opa. Im Dezember der Plan 30 h arbeiten, ab Juli voll. Am 15. Jan anfangen, wenn es sein muss. Silvester fürchtete ich das Gespräch wegen eines Trauerfalls absagen zu müssen. Heute? Heute weiß ich, dass ich ein durchtriebenes Biest bin. Wenn ich etwas will. Diesen Job will ich. So sehr, dass ich ihn bekommen werde. Zu meinen Konditionen. Weil ich es verdient habe. Weil der Job passt.

Und wenn dieser Plan nicht aufgeht, dann bekomme ich den Job, weil ich arbeitslos bin. Und ihn brauche. Und deshalb dafür sorgen werde, dass ich ihn bekomme. Um jeden Preis. Nach dem ersten Gespräch? Ich bin mir sicher, dass es ein Volltreffer war. Heute? Ich bin ein Biest. Und andererseits gnadenlos ehrlich. Der sterbende Opa? So makaber es klingt. Darüber werde ich den Job bekommen. Nicht zum 15. Jan, sondern zum 1. März. Es ist nicht gespielt. Kein Mindfuck. Es ist die Realität. In meinem Kino, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es genauso kommen. Die Frage nach dem Eintrittstermin, Gehaltsverhandlung, wie viele Wochenstunden und an welchem Ort. Und ich merke, es ist mir alles egal. Außer der Tatsache, dass sterbender Opa in Verbindung mit einem neuen Job nicht geht. Es geht nicht. Ich habe die Kapazität nicht. Es führt kein Weg daran vorbei das auszusprechen.

Es ist unbegreiflich. Auszusprechen, dass „jetzt“ nicht geht. Aber in 6 Wochen. Da kann ich Vollzeit arbeiten. Weil Opa dann nicht mehr ist und Oma mein Kinderbetreuungsproblem löst. Das Auszusprechen, es ist eigentlich nicht möglich. Weil es der Wahrheit entspricht. Ich weiß es einfach. Die verbleibende Zeit ist so kurz, der Gedanke so schmerzhaft. Ich werde es tun müssen. Und dann werde ich anfangen zu heulen. Ich bete, dass ich mich unter Kontrolle habe. Nicht zu weich werde, zu tief in das Gefühl gehe. Rein muss ich. Auch daran führt kein Weg vorbei. Diese ganze „Masche“ zieht nur, wenn es authentisch ist. Gefühle wegsperren und dann rational über den sterbenden Opa reden. Ich kann das. Sehr gut sogar. So gut, dass mein Gegenüber sich nur fragen kann, was ich für ein Freak bin und wie man so herzlos sein kann. Minuspunkte auf der persönlichen Ebene.

Der sterbende Opa und ein paar (hoffentlich wirklich) wohl dossierte Tränen. Das gibt Punkte. Authentisch. Sozial. Gut organisiert und vernetzt. Kinderbetreuung gesichert. Kennt die eigenen Grenzen. Realistisch. Pragmatisch. Der ganze Kram, der bei so einer Entscheidung viel mehr zählt als das Fachwissen. Wer bin ich als Person. Das ich allein erziehend bin und im Wohnprojekt wohne, habe ich bereits platziert. Je nach „Gefallen“ könnte ich noch etliche andere meiner Taten dazugeben. Ich muss vorsichtig sein. Nicht der Versuchung erliegen dort das zu erzählen, was man von mir hören möchte. Ehrlich bleiben. Vielleicht darf ich durchblicken lassen, dass mich ein bisschen Krebs nicht aus der Bahn wirft, weil ich das gewohnt bin. Mich deshalb auch im Job nicht so schnell etwas umhaut. Druck, Stress, komplexe Projekte mit unrealistischen Deadlines. Kriege ich alles hin. Für eine gewisse Zeit. Gerne. Dann brauche ich Zeit für mich. Ich selbst finde die Balance nicht ohne Hilfe. Vielleicht habe ich auch gelernt? Gut ist ein Umfeld in dem Verständnis dafür herrscht, dass man vielleicht gerade nicht so funktioniert, wie man sollte. Einen Chef zu haben, der Druck rausnimmt, wenn familiäre Katastrophen passieren. 2 Chefs gleichzeitig. Mein Opa stirbt. Beide sagen: Du bekommst keinen Urlaub. Beide Male bin ich überrascht, frage nach. Antworten die kaum unterschiedlicher sein könnten. Warum 1: Weil wir Budget-Phase haben und Du die Planung machen musst. Warum 2: Weil Du keinen Urlaub sondern einen Psychotherapeuten brauchst. Geh zum Arzt, geh zum Therapeuten, und wenn ein paar Wochen um sind, dann kannst Du wieder kommen. Um mir nach 4 Wochen zu sagen: Du bist nicht so weit. Nach 6 Wochen war ich es. Mit Option 1, das hätte ich auch geschafft. Weil ich halt muss. Also, die Planung, das Budget, das hätte ich geschafft. Aber danach wäre ich vermutlich 6 Monate ausgefallen. Das Umfeld macht einen Unterschied. Ich habe ein desolates Privatleben. Ich darf damit nicht hausieren gehen. Aber ich muss es im Hinterkopf behalten. Ist mein Chef ein Gut-Mensch oder ein Arschloch? Es macht einen großen Unterschied.

Durchtrieben? Damit hat das ganze wenig zu tun. Die Wahrheit. Meine Realität, die mich zu dem gemacht hat was ich bin. Warum irgendwas davon verstecken. Dennoch, es fühlt sich falsch an eine „Geschichte“ daraus zu machen. Die Planung, wie die Show abläuft. Offen. Es ist eine Reality Show. Dinge müssen sich ergeben. Ich habe 1000 Geschichten, die ich bei passendem Stichwort anbringen kann. Ich hoffe zu toten Pferden und heiligen Kühen etwas sagen zu dürfen. Mein Humor. Sarkastisch, bildlich, und natürlich mehr als wahr. Im Großkonzern? Wer kennt sie nicht die heiligen Kühe und die toten Pferde..,  Irgendwas von Dilbert. Positive Bilder erzeugen. Als Gegenpol zu Opa. Keiner darf den Raum verlassen und nur Krankheit im Kopf behalten. Mein Publikum will unterhalten werden. Keiner darf denken, ich wäre depressiv oder sonst irgendwie kraftlos, angeschlagen, what ever.

Eine Rolle spielen. Das kann ich. Früher, da habe ich gewitzelt, dass ich morgens mein Kostüm anziehe, mich verkleide, um auf die Arbeit zu gehen. Ach, wie furchtbar. Ich muss mich verkleiden, um auf die Arbeit zu gehen. Neuer Job, neue Regeln. Bio-Baumwolle und selbstgestrickte Socken. Gemütlich. In gemütlich bin ich ein anderer Mensch. Im Anzug hätte ich kommen müssen, um zu sein, wer ich bin. Diese Wollsocken, es ist für mich nicht gemütlich. Es ist unprofessionell. Persönlich. Zu persönlich. Für meinen Geschmack. Nicht im Job. Im Job mag ich es ungemütlich. Manchmal. Dieses Spiel, irgendein Spiel wird immer gespielt. Und Spielen macht Spaß. Deshalb ist es im Vertrieb auch so schön. Verhandlungen. Die Absprache ist klar: Komm wir spielen ein Spiel. Machtspielchen sind auch in Verhandlungen unangenehm, aber damit kann ich umgehen. Außerhalb von Verhandlungen? Mag ich es gar nicht. Naja, außer im Bett, da können (Macht-)Spielchen durchaus einen gewissen Reiz haben.

Und ich kann gut spielen. Deshalb war ich im Vertrieb auch gut aufgehoben. Kleidung? Das war keine Verkleidung. Es war Uniform und mitunter auch bewusstes Mittel, um irgendwas zu erreichen. Mein verängstigter ITler, der schlechte Erfahrungen mit dem „Business“ gemacht hat. „Mach Dich auf was gefasst. Das ist so ein Metaller, ganz in schwarz mit Blech im Gesicht“. Ich hab mich auf was gefasst gemacht. Um die Ecke kam halt ein Programmierer. Mit einem winzigen Piercing an der Lippe. Und er hat sich sichtlich entspannt, als er meine Destroyed Jeans und Stiefel sah. Ich glaube er hat schnell verstanden, dass ich ein Mensch bin. Angst vor’m Business muss wirklich keiner haben.

Der Überraschungseffekt. Immer wieder gut. Bring Leute aus dem Konzept und Du hast zumindest Zeit gewonnen, um Dich selbst zu sortieren. Klar zu kriegen, wo Du stehst. Indien. Unser Kunde, schlechte Erfahrungen hat er mit unserem Verein gemacht. Arrogant sind wir gewesen, haben seine Anwältin beleidigt. Nein, Conehead haben wir diesmal zu Hause gelassen. Jede Sekunde, das Gefühl von Misstrauen. Warten darauf, dass wir den nächsten Klopper bringen. Das ungeliebte Kind. Im Nebenzimmer, die Konkurrenz. Die Große, nicht die Kleine. Die ganze Große. Mittagessen mit dem Kunden. Einen Rest Anstand hat man noch. Ich denke nicht nach. Es ist indisches Essen, an den anderen Tischen wird mit der Hand gegessen. Ich sehe das Besteck nicht mal. Was ich sehe ist leckeres Essen. Was mein Kunde sieht: Endlich mal jemand der meine Kultur irgendwie respektiert. Grüne Chilis, ich sehe sie und flippe aus. Endlich mal wieder richtige Chilis. Der Kunde sieht seine Revanche für unseren Saftladen. Lass die Blondine mal essen. Dann haben wir anschließend alle eine schöne Geschichte zu erzählen. Rache für Conehead. Was ich sehe? Die ultimative Möglichkeit bis ans Ende aller Tage im Gedächtnis dieses Mannes zu bleiben. Und ihn völlig aus dem Konzept zu bringen. Nicht weil ich ihn doof finde. Nein, er hat mich nur in einen Topf mit Conehead geworfen in den ich nicht gehöre. Die Chilli im Mund, alle am Tisch warten. Irgendwann merke ich auch, dass sie warten. Als es mir zu blöd wird frage ich, ob ich noch mehr bekommen könnte. Fassungslosigkeit. Wir sind in Nordindien. Dort isst man nicht so scharf. Ein Jahr Asien. ICH kann das. Ich liebe scharf. Aber dennoch, es war eine Inszenierung. Ein Spiel. Du denkst, Du hast mich durchschaut? Hier bekommst Du etwas zum Denken. Ich bin genauso durchschaubar. Oft weil ich unvorsichtig bin, weil es schlichtweg egal ist. Es interessiert mich auch immer weniger, was andere Menschen denken. Sie denken eh was sie wollen. Dann gebe ich ihnen doch lieber was richtiges zu denken.

Spielen. Auf eine gewisse Weise will ich spielen. Ein nettes Spiel. Alles wissen, dass gespielt wird. Fair gespielt, keine Machtkämpfe, keine Verletzungen. Dazu muss die Persönlichkeit durchblitzen. Die Intention ehrlich sein. Dann macht Spielen Spaß. Ein gemeinsames Ziel, der Auftrag, beide wollen irgendwie. Es hat etwas von einem Balztanz. Dieser Tanz, oft funktioniert er mit Männern besser. Hat eine andere Note. Ich merke, mein Konzept, ein Stück weit geht es darum andere aus dem Konzept zu bringen bevor sie mich aus dem Konzept bringen können. Im Vertrieb, so viele interessante Menschen, in dieser Branche naturbedingt fast nur Männer, alle wollen spielen. Jeder auf seine Weise. Die meisten interessieren mich nicht. Die, die mich interessieren würden? Man kann ihnen keinen cm über den Weg trauen. Solche Männer, sie sind nicht treu. In den seltensten Fällen. Von außen? Nicht erkennbar. Wer will nur spielen, wer ist treu. Ist. Aus einem Ist, lässt sich nicht auf ein Bleibt schließen. Das ist, ist nicht das Problem. Das bleibt ist das Problem. Jeder Mann, ich schicke ihn gedanklich nach Südkorea. Karaoke. Mit einem Kunden der er drauf anlegt. Das reicht mir an Sicherheit nicht. Er muss auch noch Jakarta überstehen. Oder Brasilien. Da bin ich nicht festgelegt. Das Schema ist das Gleiche: Echte Nutten und Party-Girls / Gelegenheiten. Eine andere Art von Prostitution oder auch nicht. Mit dem Ehemann der mit seinem Kunden in den Puff geht. Ich glaube, damit könnte ich sogar irgendwie noch leben. Äußerst irritierend, aber wirklich verletzen würde mich das wohl kaum. Party-Girls, da wird es kritischer. Würde es mich verletzen? Möglicherweise, vor allem aber würde es mich den Respekt vor dem Mann verlieren lassen. Es ist mir passiert. Ein Chef. Klein, lieb, süß. Viele Kinder. Plötzlich Fotos aus Südamerika. Abends, mit den Kollegen. Die Augen, sie sagen, ob jemand weiter gehen wird. Die Augen des Chefs waren eindeutig. In ihm hatte ich mich getäuscht. Unerheblich, da in keinster Weise mein Typ. Wäre er mein Typ gewesen, wäre es mir dann aufgefallen? Oder hätte ich mich auch täuschen lassen?

Die Gelegenheiten, die sind das eigentliche Problem. Das verletzende Problem. Das, das sich nicht ausschließen lässt. Nie völlig. Es lässt sich höchstens eine Prognose über die Wahrscheinlichkeit abgeben. Geht jemand viel und gerne raus, ist sehr offen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich Gelegenheiten ergeben. Der Programmierer, der seine Wohnung nicht verlässt und auch wenig Bedürfnis nach sozialen Kontakten hat, ist das deutlich weniger gefährdet. Außerdem ist er uninteressant für Frauen und deshalb sicher. Interessanter ist der Vertriebsmann, der spielen will. Im Umkehrschluss lässt sich nicht sagen, dass jeder Vertriebler zwangsläufig spielen will. Manche sind einfach in der falschen Abteilung gelandet, sollten eigentlich in der Entwicklung, dem Projekt Management arbeiten. Warum das Risiko Vertrieb eingehen, wenn man nur irgendwas zwischen Entwicklung und PM bekommt? Nur! Risiko und Benefit gleichzeitig. Abwesenheit = Zeit für mich. In einer Konstellation, in der der Entwicklungs-PM aus dem Vertrieb zusätzlich verheiratet ist? Gut, es war eine Scheiß-Idee. Insgeheim wusste ich es. Aber es war nett. Ich habe es mir zurecht gemindfucked. So wie ich es gerade gebraucht habe. Ja, es hatte Potential. Auf eine gewisse Weise. Gefühl. Da war mehr als genug da. Stabilität. Das was ich wollte. Ein Mann, mit dem man eine Familie haben kann. Haben könnte. Er hatte ja schon eine. Ein Beweis. Kein Mindfucking. Ich sehe, dass er das kann. Wir arbeiten zusammen. Ich kann mir anschauen, wie er sich verhält. Südkorea, Kunden, Vertriebsmeetings. Der Typ ist sauber. Sein Verhalten, keine Spur von… Mit absoluter Sicherheit: Er wäre nicht mal auf die Idee gekommen. Der Typ Mann, der Dir hinterher läuft, Dich mit Dackelaugen anschaut und selbst nicht merkt, dass er es überhaupt tut. Der keine Hintergedanken hat.

Der Denkfehler. Welche Gedanken, wer wann auch immer gehabt haben mag. Sex war nicht seine Priorität. Es war spät, wir waren betrunken. Nachdem wir 3 Mal planlos mit dem Aufzug von seiner zu meiner Etage und zurück gefahren waren, habe ich ihn mit zu mir genommen. Wir würden sonst heute noch im Aufzug stehen. Ja, niedlich so ein bisschen Schüchternheit. Volle Punktzahl auf der wie unwahrscheinlich ist es, dass er fremdgehen würde Skala. Ich glaube in dem Moment begann das „ich WILL“ Programm. Kriterien für den idealen Partner? Check. Passt, genug Potential. Totaler Mindfuck. Nicht der Typ Mann für einen One-Night Stand. Dafür aber genau der Typ Mann, der eine Affäre beginnen würde, wenn es in der Ehe nicht läuft. Wie man sieht. Auf andere übertragbar. Was ist schlimmer? Der One-Night Stand verletzt weniger als die Affäre. Beides ist scheiße. Sicher ist man nie.

Die offene Beziehung. Kann sowas funktionieren? Undenkbar. Andererseits. Es ist nur Sex. Nur Sex. Mit ihm? Wir waren so kurz zusammen, so viele andere Probleme. Sex war nicht die höchste Priorität, auch für mich nicht. Es war schön wie es war. Tief drin wusste ich, auf Dauer reicht mir das nicht. Werden wir irgendwie die Kurve kriegen müssen oder. Ja, oder was? Da war der Gedanke, oh Gott sonst findest Du Dich in 10 Jahren mal in einer Situation in der Du fremdgehst, weil einfach etwas fehlt. Zu viel Liebe, zu wenig Geilheit. Ich kann nicht mitreden über den Sex in wirklich langjährigen Beziehungen. Wissen aus zweiter Hand. Nicht detailliert. Genug, um meine eigenen Schlüsse zu ziehen. Am Anfang, da ist es prima, auch wenn es nur so mittelmäßig aufregend ist. Der Andere für sich ist schon aufregend genug. Es lässt nach. Auch nach 2 Jahren hat die anfängliche Geilheit schon nachgelassen. Ich habe den Eindruck gewonnen, danach wird es nicht wirklich besser. Oft nicht besser. Die Frage für mich, was würde ich damit anfangen? Fremdgehen, es ist keine Option. Weder in die eine noch in die andere Richtung. 20, 30 Jahre mit dem Gleichen und immer noch guten, und ab und zu aufregenden, Sex haben. Geht das überhaupt? Wenig Sex, das geht. Aber keiner? Oder wenig mittelmäßiger? Standardmäßiges Knöpfe drücken? Ich kann es mir nicht vorstellen. Einfach nicht vorstellen.

Und auf in eine neue Runde. Es dreht sich alles. Meine Welt steht mal wieder Kopf. Zwiebeln wollen geschält werden. Und die Krise, sie ist irgendwie wieder voll da. Eine gute Krise. Eine von denen, an deren Ende Klarheit steht. Erkenntnisse. Ein ganz großer Schritt nach vorne. Im Prozess von Verstehen und Auflösen. Eine Krise, die ich gerade nicht brauche. Oder vielleicht doch. Ich habe das Gefühl dafür verloren, was gut und was schlecht ist. Nicht im Bauch. Aber im Kopf. Der Körper ist auf Autopilot und funktioniert. Das ist an sich keine schlechte Voraussetzung für Freitag. Funktionieren. Mit Druck geht das oft besser. Und den größten Druck mache ich mir immer noch selber.

Ich will

Ich will. Und wenn ich etwas will, bekomme ich es auch. Leider nur, wenn ich es aus den richtigen Gründen will. Was irgendwie fair ist. Nur das Problem mit dem Willen ist, dass ich eben auch Dinge will, die ich eigentlich nicht will. Weil ich sie aus den falschen Gründen will. Egoistische Motive oder einfach weil ich halt will. Irgendwann hab ich das mal entschieden. Also, entschieden, dass ich will. Ich kann mich nicht mehr erinnern, warum genau ich mich entschieden haben zu wollen. Manchmal nicht mal mehr, was genau ich eigentlich wollte. Aber ich hab das so entschieden und basta. Fertig. Ich will und wenn ich will, dann kämpfe ich. Bis auf’s Blut. Aufgeben ist keine Option. Selbst wenn der Zug lange abgefahren ist, klar ist, dass ich verloren habe. Selbst wenn schon lange klar ist, dass ich das was ich will eigentlich gar nicht will. Ich will es weiter. Weil ich mich so entschieden habe. PUNKT.

Entschieden. Eine Entscheidung die elementar auf Mindfucking beruht. In alle Richtungen. Falsche Vorstellungen von dem was ich will. Unrealistische Einschätzung dessen, was ich kann. Ich kann alles, wenn ich will. Genug will. Manchmal tut es nicht gut, alles zu können nur weil man kann. Weniger ist mehr. Sich nicht selbst überfordern, damit ich klar im Kopf bleibe. Stress = zu wenig Zeit für mich = Unordnung in meinen Schubladen = Mindfucking. So wie die Schubladen an sich schon Mindfucking sind. Wenn ich es irgendwann wirklich verstanden habe, dann brauche ich keine Schubladen mehr. Dann wird alles gut. Bis dahin will ich. Und Wollen, das ist gut und schlecht zur gleichen Zeit.

Gut, weil es mir Energie gibt. Die Energie einer 3-jährigen, die ihren Willen durchziehen will. Und mein Wille war auch als 3-jährige schon stark. Unreflektiert. Ich steigere mich in Dinge rein, gehe zu schnell vorwärts oder versuche mehrere Kämpfe gleichzeitig zu kämpfen. Ob ich gewinne oder verliere, auf eine gewisse Weise verliere ich immer. Kraft, Energie. Werden es zu viele Kämpfe, sind irgendwann keine Reserven mehr da. Adrenalin. Unter Strom. Bloß keine Ruhepausen. Solange Adrenalin da ist, läuft es. Ist keins da, läuft wenig. Ohne Druck funktioniere ich nicht so richtig.

Funktionieren. Mit Druck geht es besser. Wer macht den Druck und warum? Manchmal ist es der Druck von außen. Kann positiv sein. Ab und zu. Um endlich aus dem Quark zu kommen. Schlimmer ist der Druck, den ich mir selbst mache. Besonders wenn ich etwas will. Ich bin 3. Mein Zeitgefühl ist nicht vorhanden. Ich will. Und zwar sofort oder zumindest unmittelbar und natürlich auch alles auf einmal. Und wenn ich nicht bekomme, was ich will, dann stresst mich das. Stress = Adrenalin = Energie. Gut, wenn ich sie in die richtige Richtung lenke. Ein Ziel habe. Ein gutes Ziel. Nicht irgendein Selbstzerstörungsprogramm oder ein Amok-Lauf. Aus den richtigen Gründen etwas tue. Werte gewürdigt werden. Dann läuft es. Gut und mit wenig Mindfucking.

Schlecht, wenn diese Energie in einen Amok-Lauf investiert wird. Oder in andere unrealistische Ziele. Auf Dinge gelenkt wird, die längst der Vergangenheit angehören. Die ich aber übersehen habe los zu lassen. Meine Vertriebsregion, die ich unbedingt zurück wollte. Einfach nur weil ich will und weil ich kann. Der Weg ins Verderben.

Mein letzter Job. Meine Energie. Ich hätte sie auf Selbstschutz verwenden können. Stattdessen habe ich auf Selbstausbeutung umgestellt. Und damit anderen die Erlaubnis gegeben mich ebenfalls auszubeuten. Ich hätte viel früher gehen sollen. Sagen müssen wie sehr diese Situation einfach überhaupt gar nicht geht. Die Lösung. Sie ist gut. Für alle Beteiligten die denkbar beste Lösung. Eine Nachfolgerin aus dem eigenen Stall. Endlich totale Kontrolle über alles. Keiner mehr da, den man einweihen muss. Meine Idee. Ich bin stolz darauf, dass ich es gesagt habe. Nicht auf eine gute Weise. Es war im Streit, aus der Wut heraus. Aber es war ernst gemeint. Jedes Wort. Es hat gut getan und ja, diese Lösung, sie ist genau das was diese Organisation braucht. Jemand musste den Mut haben das Thema anzusprechen. Am Ende hat es zu etwas Gutem geführt. Zu mehr Klarheit. Für mich persönlich? Warum habe ich mir das angetan? So lange zu bleiben? Anerkennung, der Wunsch dass irgendjemand sieht, was in diesem Job zu leisten ist, geleistet wird. Das Veränderungen sein müssen. Letztlich war das meine Anerkennung. Zu wissen, dass ich das richtige tue. Warum sonst arbeitet man überhaupt in einer gemeinnützigen Organisation? Mein Ziel war es das Unternehmen profitabler zu machen. Und nein, nicht wie mir gerne unterstellt wurde einen Wirtschaftsbetrieb daraus zu machen. Diese Profitabilität, die damit verbundene Stabilität. Das woran das Unternehmen am meisten krankte. Fehlendes Vertrauen, ständige Angst davor, dass es das letzte Jahr gewesen sein könnte. Geld, es war immer so präsent. Und dabei Geld aus dem Fenster geworfen. Am falschen Ende gespart. Kleine Maßnahmen, ein neuer Telefonvertrag, die Räume noch für ein paar Stunden mehr vermieten. Plötzlich ist Geld da. Nicht nur durch mich, auch durch andere Quellen. Das Vertrauen fehlt trotzdem. Keine Möglichkeit aus dem Mindfuck auszubrechen. Die Angst, lange schon unbegründet. Warum fehlt weiterhin das Vertrauen?

Meine Themen. Endlich ist klar, warum ich dort landen musste. Einzelne Personen, mein Job an sich, meine eigene Vergangenheit mit der Organisation. Das alles war mir klar. Die Lernaufgabe, wozu bin ich dort gelandet. Auf einer abstrakteren Ebene fällt mir erst jetzt auf, wie sehr das Organisationsgeflecht mit meinem Inneren vergleichbar ist. Wie viele Parallelen es dort gab. Überschneidungen, wie diese Organisation tickt(e) und wie ich genauso ticke. Die Widersprüche. Sie machen mich krank. Krank, weil ich selbst diesen Widerspruch in mir trage, mind. 2 Herzen in meiner Brust schlagen. Ich glaube, ich möchte mich entscheiden. Möchte, aber kann nicht, weil im Außen ebenso Widersprüche sind. Es ist nicht rund. Nicht eindeutig schwarz oder weiß. Die Gefahr, etwas in die falsche Schublade zu stecken, steigt. Mein Widerspruch, er verhindert das ich mich entscheide, solange das Außen noch unklar ist. Erst, wenn ich sicher sagen kann schwarz oder weiß, erst dann habe ich das Gefühl selbst entscheiden zu können.

Oder vielleicht das Gefühl dann entscheiden zu müssen, selbst in Zugzwang zu sein. Mein Magen krampft und mir wir schlecht. Schlecht auf Knopfdruck, ein Gedanke führt zu Brechreiz. Es ist besser geworden. Inzwischen bleibt es meist bei dem Reiz. Die Phase der tatsächlichen Kotzerei ist vorüber. Das Gefühl ist geblieben. Wenn Gedanke Dich kotzen lässt, dann bist Du auf dem richtigen Weg. Ok, das Thema ist also Zugzwang. War mir so ehrlich gesagt nicht klar. Macht aber irgendwie Sinn.

Wir ziehen im Außen das an, was wir im Innern tragen. Das war das mit der Resonanz. Ich bin Widerspruch also bekomme ich Widerspruch. Warum bin ich Widerspruch? Nicht entscheiden wollen = keine Verantwortung übernehmen = Opfer. Was passiert, wenn ich mich entscheiden muss? Richtig. Ich fühle mich in die Enge getrieben. Wie ein Tier im Käfig. Irgendwo in der Ecke, Rücken zur Wand, bereit notfalls zu kämpfen. Hoffnung auf Flucht. Irgendwie. Den Angreifer, die ausstehende Entscheidung, überrennen. Den Überraschungseffekt nutzen. Um was genau eigentlich zu tun? Der Entscheidung zu entgehen. Oder sie zumindest nicht mit dem Rücken zur Wand treffen zu müssen. Rücken zur Wand = schwarz / weiß. Ich habe, gefühlt, keine Optionen. Deshalb komme ich ausserhalb des Käfigs besser mit der Entscheidung klar. Ich kann auf einen Baum klettern, oder weglaufen, mir ein Loch graben. Ich habe Optionen. Es gibt mehr als schwarz / weiß.

Kurz: Widersprüche im Außen verhindern, dass ich selbst eine Entscheidung treffen kann. Klarheit im Außen lässt mich wegrennen und dabei gerne auch erstmal was überrennen. Hauptsache raus aus dem Käfig. Der krampfhafte Versuch alles erst entweder schwarz oder weiß zu machen. Und dann wegzulaufen, weil nur schwarz oder nur weiß viel zu langweilig wäre. Und ich mich nicht entscheiden will. Mal bin ich selbst schwarz und mal weiß. Und ganz ehrlich, dazwischen bin ich ziemlich oft irgendeine andere Farbe des Regenbogens. Also, wen genau versuche ich hier zu verarschen? Nichts passt zusammen. Mein Leben ist ein einziger großer Mindfuck. Und am Anfang, ganz am Anfang steht „ich WILL“.

EDIT: Was passiert, wenn man den eigenen Beitrag noch mal liest:

Und am Anfang, ganz am Anfang steht „ich will ABER“. Das aber ist der Punkt. Wollen ist ok. Dieses aber, das impliziert: Ich habe verloren. ABER ich will trotzdem. Weiter machen.  Möglicherweise gibt es doch einen Ausgang aus dem Mindfuck. Dieses ABER. Das Verhaltensmuster ist mir lange klar. Nicht loslassen, weiter machen wenn es hoffnungslos ist. Warum das alles? Ich denke das aber könnte es sein. Der Ursprung. Meine Oma. Das trotzige kleine Kind. 92 Jahre. Und sie steht auf dem Stuhl und sagt: ICH WILL ABER. Mama? Reden wir bitte nicht über den Rest meiner Familie. Viel besser wird es nicht, fürchte ich.

 

In between

Ich bin definitiv in einem in-between Zustand. Die Frage ist nur, between what? Am ehesten zu beschreiben mit dem Gang zwischen den beiden Studios, in denen die Gameshows aufgezeichnet werden. Habe entschieden künftig in einer anderen Show mitspielen zu wollen. In meiner eigenen. Mein Leben, meine Show. Spielen mag ich, Herausforderungen auch. Und so befinde ich mich auf ganzer Linie auf dem Gang. In between. Die Werbepause zwischen zwei Formaten. Einen wirklichen Plan, was auf mich zukommt habe ich nicht. Woher auch? Ist irgendwie eine Reality Show ohne festes Drehbuch. Besser ist das. Es birgt weniger Gefahr, das Richtige aus den falschen Gründen zu tun. Oder das Falsche aus den Richtigen. Was ist richtig, was ist falsch? Warum bin ich so bekloppt geworden und traue mir so null komma gar nichts mehr zu?

Ich plane meine Gehaltsverhandlung. Und merke, wie ich im Abzocker-Modus ankomme. Kämpfen für das was ich mir wert bin. Ich kenne meinen materiellen Wert und kämpfen kann ich auch. Verhandeln. Das sowieso. Und mit meinen blonden Haaren irgendwelche Männer um den Finger wickeln auch. Kleine Asiaten. Mit meiner unschuldigen Art. Jung, blond, unsicher. Verhandlung der Zahlungsbedingungen. Es geht nicht weiter. Keine Lust eine weitere Freigabe beim Management einzuholen. Zögerlich, unsicher, frage ich meinen älteren Kollegen, ob ich wohl unsere interne Cashflow Berechnung zeigen darf. Wir sind uns schnell einig, dass das gar nicht geht. Ein Spiel. Niemand erfährt jemals was im Verhandlungsraum gesagt wurde. Die Berechnung stimmt sowie so nicht. Es sieht viel schlechter aus als es in Wahrheit ist. Mein unschuldige, unsichere Art. Die ist es, die die Kurve zu etwas Besonderem macht. Der Moment. Ich gebe ein großes Geheimnis preis. 20 Min später erhalte ich den geänderten Vertragsentwurf mit meinen Zahlungsbedingungen. Auf dem USB-Stick? Zufällig das Angebot unseres Hauptkonkurrenten. Er war so blöd die Preise so detailliert aufzusplitten, wie der Kunde das gefordert hat. Vorher fehlten uns noch die Kosten, um einige Optionen, die der Kunde wünschte bepreisen zu können. Nun übernehmen wir einfach die Preise der Konkurrenz. Kleines Zugeständnis an den Kunden 😉 Zack, EBIT um 2% gesteigert. Oh, es muss unbedingt die Bank of China sein? Weißt Du, dass die uns ausnehmen und 1,5% von uns verlangen? Unser Bank macht es für 0,3%. 15 min später macht die Bank of China es auch für 0,3%. Wir unterschreiben am selben Abend, in der Nacht, den Vertrag. Fahren ins Partyviertel von Beijing. Trinken Bier und Essen Hühner-Spieße. Der Kunde liebt mich, mein Management liebt mich. Und ich bin glücklich, weil ich gespielt und gewonnen habe. Es war mein Spiel. Ich kannte die Regeln. Wusste, wie weit ich gehen kann. Irgendwie weiß ich immer wie weit ich gehen kann. Vorsichtig an die Grenze rantasten. Aber kurz vorher spüren, dass sie erreicht ist. Die Leitplanke. Ohne geht es irgendwie nicht. Nach oben, wie nach unten.

Unten. Die Depression. Auch so eine Leitplanke. Es muss mir schlecht genug gehen, lange genug schlecht gehen, damit ich akzeptieren kann, dass es „wieder soweit ist“. Lange besteht Hoffnung. Hoffnung, es mit pflanzlichen Mitteln in den Griff zu bekommen. Yoga, Entspannung. Sommer hilft. Winter nicht. Ist es einfach nur Winter, oder schon eine Depression? Ist es nur der Opa, oder ist die Depression zurück. Mindfucking. In der Depression nimmt es ungute Züge an. Ich bin auf dem falschen Mindfuck. Das Fuck-Programm, obwohl ich eigentlich das De-Fuck-Programm noch nicht beendet hatte. In between. Schaffe ich es alleine raus? Oder sollte ich richtige Medikamente nehmen? Eine schwierige Entscheidung. Ich kenne mich. Ich kenne meine Phasen. Ich kenne die Depression. Ich hätte vor 2 Monaten anfangen sollen Medikamente zu nehmen. Ich weiß seit 4 Wochen, dass ich welche nehmen muss. Weihnachten hat es gezeigt. Ich tue es nicht. Habe auch nicht vor es zu tun. Aber ich weiß um die Gefahr. Ein labiles System. Für den neuen Job sollte ich es eigentlich tun. Stabil sein. Stumpf sein. Ausbalanciert. Gefühlsarm. Das Gegenteil von dem was ich für einen sterbenden Opa sein sollte. Das Gegenteil von dem, was ich sein will.

Mich nicht spüren können. Ich fange einen neuen Job an und spüre mich nicht. Mit der Depression spüre ich mich nicht, weil ich im Mindfuck bin. Mit Medikamenten spüre ich mich nicht weil ich ausbalanciert bin. So oder so. Ich kann nicht erkennen, was gut für mich ist. Danach handeln. Eine klare Linie für mich entwickeln. Habe ich eine klare Haltung, dann bekomme ich was ich will. Immer. Immer dann, wenn ich weiß, wozu. Wohin etwas führen soll. Das höhere Ziel. Wenn ich darauf hinarbeite, fokussiert bin, dann ergeben sich im Jetzt die Dinge stets so, wie ich sie gerade brauche. Es fügt sich. Das ist praktisch, weil es wenig Hindernisse gibt. Und beruhigt mein Mindfucking, weil ich gelernt habe, dass wenig Probleme = Zustand läuft = ich bin auf dem richtigen Weg. Während Zustand läuft nicht = viele Probleme = ich bin auf dem falschen Weg, bedeutet. Stark vereinfacht, lässt sich das Muster erkennen. Ergebnis des Selbstboykotts aufgrund von Halbherzigkeit. Einander ausschließende Dinge zur gleichen Zeit tun wollen. Versuchen in 2 unterschiedliche Richtungen zu laufen. Das Schicksal. Es zeigt sich. Immer wenn wir auf dem falschen Weg sind, wenn wir nicht klar sind, wohin wir gehen und warum wir dorthin gehen. Wenn ein innerer Konflikt da ist. Dann wirft uns das Schicksal solange Knüppel zwischen die Beine, bis wir es irgendwann kapieren, aufwachen und etwas ändern. Oder mit zertrümmerten Beinen im Rollstuhl vor uns hinvegetieren bis zum Tag x. Und die ganze Bandbreite dazwischen. Jeder ist seines Glückes Schmied.

In between. Zwischen Leben und Tod. Beim Opa geht das Leben. Bei mir kommt es zurück. Die Depression. Sie muss gehen und sie darf nicht wieder kommen. Dieses Mal ist es anders. Es wird keine Familientragödie geben. Opa stirbt. Es wird hart. Wir werden alle trauern. Aber danach wird es vorbei sein. Nicht wie in meiner Familie. Ein sterbender Opa und eine Mutter, die in die Psychose rutscht. Ein Vater, der die Verantwortung an mich schiebt. Mir meine Mutter unterjubelt, weil er nicht mehr kann. Er weiß, wie es ihr geht. Wie sie drauf ist. Ich weiß es nicht. Hatte Monate keinen Kontakt zu ihr. Sie ist durchgeknallt. Völlig durchgeknallt. In meiner Wohnung. Tagelang. Wir fahren zur Beerdigung. Sie versucht alles, damit wir nicht rechtzeitig ankommen. Lügt, lässt mich stehen. Sie kann in die Kirche gehen. Ich habe keine Zeit mehr. Sie behauptete, wir hätte noch eine Stunde. Die Ansprache bei der Beerdigung. Wir sitzen vor der Kapelle, sie erklärt mir, dass etwas schlimmes passieren wird. Etwas ganz schlimmes. Drinnen erzählt mein Onkel, wie mein Opa Stiefmütterchen geerntet hat, weil er dachte es wäre Feldsalat. Der Regentanz am Grab. Später. Geiselnahme der Familie bei meiner Oma. Noch später endlich Polizei, ein Krankenwagen. Wir sind die Verrückte los. Sie ist in der Klinik. Hoffentlich darf sie möglichst lange nicht mehr raus. Wir hoffen. Jedes Mal hoffen wir, dass der Beschluss 4 Wochen, 6 Wochen beträgt. Oft sind es nur 2 mit der Option auf Verlängerung. Sobald sie frei ist zu gehen, geht sie. Damit ihr keiner unterstellen kann, dass sie sofort geht, bleibt sie 2 – 4 Tage. Es ist sinnlos, aber für den Moment ist das Problem gelöst.

Dieses Mal? Es wird kein Problem geben. Wir werden alle traurig sein. Alle froh sein, dass Opa erlöst ist. Werden ihn vermissen. Aber dann kommt Licht. Keine Tragödie, die noch schlimmer ist als die erste. Nichts, was emotional belastend ist. Halt. Nichts? Da ist deutlich mehr als nichts. Neuer Job. Eine Herausforderung. Auch ohne Opa. Und mit Medikamenten. Es muss diesmal anders gehen. Mit Opa gehen und ohne Medikamente. Und ich will das es gut wird. Dieser in between Zustand. Er muss ein Ende habe. Es bleibt bei der Aussage von 2012 aus der tiefsten Depression. Wenn das das Leben ist, dann möchte ich nicht mehr leben. Keinerlei Selbstmordabsichten. Never ever. Aber ein Gefühl von völliger Resignation. Wenn das Leben nicht mehr zu bieten hat, dann. Das Lebensgefühl hat sich verbessert. Die Depression gelichtet. Weg ist sie nicht. Lebensfreude, sie sieht anders aus. Ganz anders. Unbeschwert. Diese Unbeschwertheit. Phasensweise war sie diesen Sommer zurück. Kleine Ausschnitte. Momente, in denen ich das Gefühl hatte wirklich etwas zu fühlen. Freude zu empfinden. Meine Konzentration war besser. Mein Selbstvertrauen größer. Mein Musikgeschmack härter, schneller. Mehr Power. Jetzt? Alles weg. Nicht alles, aber vieles ist verschüttet. Ich komme nicht dran. Die Hoffnung lässt mich weitermachen. Diese Hoffnung hatte ich verloren. Jahrelang war bei meiner Therapeutin „wie mit 19“ ein Thema. Ein Synonym für Lebensfreude. Für eine Zeit, als wirklich noch alles in Ordnung war in meiner Welt. Alles. Vor Arschloch-Ex, kranker Mama, selbst vor meinem Auslandsaufenthalt. Dieser Zustand. Er markiert das Optimum. Das was es wieder zu erreichen gilt. Im Sommer. Da gab es Momente, viele Momente in denen ich mich wie 19 gefühlt habe. Und ganz manchmal sogar, wenn ich meinen Sohn bei mir hatte. 19 sein mit einem 7-jährigen Kind macht Spaß. Bitte liebes Leben. Gibt mir in 2019 mehr davon. Lass mich 19 sein und nicht 50. Bitte. Ich habe es verdient.

Same same but different

Mein Mindfucking. Es läuft wieder. Auf einer anderen Ebene. Der sterbende Opa. Das Leben? Was ist das überhaupt? Die letzten Jahre? Meine Krise(n), die Krisen meiner Mutter, der sterbende Opa. Der andere, damals. Jetzt? Wieder ein sterbender Opa. Danach? Eine trauernde Oma, trauerndes Kind. Dazu ein neuer Job. Eine Krise meiner Mutter? Eine andere sterbende Oma?  Ein pubertierendes Kind. Ein weiterer sterbender Opa? Oder ist zuerst die trauernde Oma dran? Meine Mutter? Vorher werden alle alt werden. Und nirgendwo hängt noch eine weitere Person drin, die irgendwie wirklich Verantwortung übernehmen will. Es wäre einfacher, würden Menschen die Verantwortung für sich selbst einfach übernehmen. Ihren Scheiß regeln. Regeln, so lange sie es noch können. Sie tun es nicht. Verweigern sich teilweise bei banalen Dingen. Unabwendbaren Dingen. Auch wenn ich nicht will, muss ich mich damit auseinandersetzen, dass etwas möglicherweise einfach nicht anders geht. Oder irgendwann nicht mehr anders gehen wird.

Der Rollstuhl? In einer Nacht und Nebel Aktion, dunkel, kalt, Regen, organisiert. Auf eigene Kosten. Die Rampe? Bis heute nicht da. Er braucht sie nicht, die 2 Stufen schafft er schon (und den Rollstuhl lehnt er eh ab). Sie sagt: Wo soll er denn noch hingehen? Sie sagt alle Termine im Krankenhaus ab. Keine Immuntherapie, keine Bestrahlung, kein Blut. Er ist zugedröhnt, kapiert wenig und will plötzlich wieder Bestrahlung. Hoffnung, dass der Schmerz erträglicher wird…. Ich will den Mann keine Woche im Krankenhaus haben. Bestrahlung? Für was? Er redet es sich ein, dass die Schmerzen von dieser Stelle kommen. Er will glauben, dass es Hoffnung gibt. Bestrahlung der Metastasen in den Knochen. Er versteht nicht, dass die Schmerzen von den Metastasen in den Muskeln kommen. Er will es nicht verstehen, weil es dagegen kein Mittel gibt, keine Therapie.

Blut. Er sollte Blut bekommen. Möglicherweise würde es ihm sehr viel besser gehen, wenn er Blut bekommen hätte. Opa versteht es nicht mehr. Hat den Teil mit dem Blut vielleicht nie so ganz verstanden. Oma versteht es auch nicht. Seit Tagen hängen wir an dem Thema. Sie will nichts mehr machen, er will Bestrahlung, ich will das es beiden gut geht und denke, dass er Blut bekommen sollte. Dringend. Und vielleicht auch diese Immuntherapie. Falls er das möchte. Er weiß nicht mehr was er möchte. Oder doch. Ich glaube irgendwie möchte er seine letzten Tage schmerzfrei und abgeschossen verbringen. Wer kann es ihm verdenken. Zugedröhnt. Der Rausch seines Lebens. Er hat immer gerne getrunken, Valium genommen. Gönnen wir ihm den letzten Rest Spaß. Er ist irgendwie niedlich, wenn er zugedröhnt ist. Ein bisschen so als wäre er einfach nur ein Opa, der zuviel getrunken hat. Parallelen zu meiner Mutter. Tun wir einfach so, als wäre sie so weil sie ein bisschen zu viel getrunken hat. Tun wir so, als wäre Opa nur betrunken und nicht sterbendskrank. Es ist so viel leichter auszuhalten.

In der Realität? Jede Dröhnung steigert das Risiko, dass er fällt. Zugedröhnt wird er rastlos. Auf’s Sofa. 5 min später wieder zurück in sein Büro. Ständig das Bedürfnis den Stuhl zu wechseln. Viele Gelegenheiten sich weh zu tun. Für alle Beteiligten. Je zugedröhnter, desto anstrengender. Wie viel Dröhnung darf man ihm zugestehen. Wie viel Dröhnung kann sie aushalten? Immerhin muss er abends irgendwie ins Bett kommen. Bei Bedarf auf die Toilette. Eigentlich zu schwach um sich zu halten… Der Dreipunktstock, der wird abgelehnt. Niemals würde Opa in benutzen. Niemals. Der Tag wird kommen an dem ich in einer weiteren Nacht und Nebel Aktion einen 3-Punkt-Stock besorgen werde. Es wird der Tag sein an dem es absolut gar nicht mehr anders geht. Opa wird dankbar sein. Oma wird dankbar sein. So eine gute Idee. So hilfreich.

Wie das Bett. Endlich kann Opa wieder schlafen. Im Schlafzimmer ist endlich Platz um sich mit dem Rollstuhl zu bewegen. Platz für den neuen Toilettenstuhl, der das Leben soviel einfacher macht. Alles vor 2 Wochen noch völlig undenkbar. Keine Vorausplanung. Mein Opa. Er lag im Sterben. Seit Tagen. Das einzige Thema meiner Oma: Das Sanitätshaus soll kommen und den Rollstuhl abholen damit der nicht im Weg steht. Sie hat einfach nicht verstehen wollen, dass es nicht um die Abholung von einem Rollstuhl geht. Sondern um die Abholung von allem, inkl. dem Bett in dem Opa lag. Opa selbst, auch wenn das Sanitätshaus damit nichts zu tun hat. Es ist nicht zu verstehen. Nicht zu verstehen, dass jemand stirbt. Wenn jemand stirbt, wie jemand stirbt. Noch weniger ist zu verstehen, wieso man sich selbst den Weg dorthin so schwer macht. Das Pflegebett? Es wäre schon vor Wochen toll gewesen. Bequem. Warum sich quälen bis zu dem Tag, wo wirklich gar nichts mehr geht? Um dann in einer Not- und Überforderungssituation handeln zu müssen? Dann, wenn schon gar keine Kraft mehr da ist. Keine Zeit, kein Kopf.

Wir sitzen mit dem Palliativmediziner am Tisch. Endlich. Und wieder das Gefühl, das Gefühl aus der Herzklinik, dieses Gefühl schon viel früher hätte ich eingreifen müssen. Hätte sie in diesem Bereich nicht allein lassen dürfen. Sie hatten Beratung von ihrer Freundin, einer Ärztin. Sicherlich, sie weiß wie man Leute gesund macht. Aber weiß sie aus ihrer Erfahrung heraus, wie es ist sterbende Menschen zu begleiten? Menschlich? Nicht aus der nüchternen Sicht eines Arztes? Opa? Ich fürchte er hat darauf gewartet, dass ihm jemand sagt: Pass auf. Wenn Du das machst, lebst Du evtl. 3 Monate länger dafür geht’s Dir aber auch 3 Monate Scheiße. Ihn in die Lage versetzt eine Entscheidung treffen zu können. Er konnte nicht entscheiden, weil ihm die Info der Ärzte gefehlt hat. Eine Info, die er als Laie verarbeiten kann… Kiffen? Das hat er aufgehört. Der Palliativmediziner? Dieses synthetische Cannabis-Öl können sie vergessen. Fahren sie lieber nach Venlo. Auf jeden Fall soll der Mann Gras rauchen. Warum kommt dieser Mann erst jetzt?

Opa. Mit einem Blutdruck kurz vor Kreislaufkollaps nimmt Blutdrucksenker. Warum? Weil in der Klinik keiner die Medikamente anschaut, die der Hausarzt verordnet hat. Im Juli war der Blutdruck hoch. Keiner hat jemals wieder drüber geschaut. Der Hausarzt? Sieht seinen Patienten nicht mehr, weil dieser in der Klinik ist. Er stellt nur noch die Rezepte aus. Keiner schaut jemals wieder über die Basis Medikation. Ob das überhaupt noch Sinn macht. Warum Herzmedikamente nehmen, wenn man darauf hofft, dass das Herz versagt bevor der Krebs richtig heftig wird. Was ist überhaupt richtig heftig? Keiner sagt, wie lange das noch gehen kann. Und ich habe keine Erfahrung. Ich kann es nicht einschätzen. Bereite mich mental auf das schlimmste vor. Scheiß Mindfucking.

Machtlos fühle ich mich mitunter. Ohnmächtig, weil ich nicht die Hilfe liefern kann, die eigentlich benötigt wird. Nicht weil ich es nicht könnte. Weil ich nicht darf. Wie viel Selbstverantwortung kann ich jemandem überlassen, der phasenweise nicht klar im Kopf ist. Opa, meine Mutter. Aushalten kostet Kraft. Aushalten, dass etwas gegen die Wand fährt. Mit Ansage. Und dann darf ich den Karren aus dem Dreck ziehen. Ich mache es gerne. Niemand soll leiden. Ich möchte helfen. Da wo ich kann. Am besten kann ich es in den Situationen, wo nichts mehr geht. Organisieren und einfach machen. Das kann ich. Auch stundenlang wirren Geschichten lauschen bis ich herausgefunden habe, was es denn nun ist, was der Patient braucht. Vermitteln. Dinge, beim Namen nennen. Und danach das organisieren, was zu organisieren ist. Nicht morgen, am besten sofort. Alleine weil ich weiß, wie lange das alles ohnehin schon überfällig ist. Aber ohne „Erlaubnis“ habe ich keine Chance.

Dennoch fühle ich mich verantwortlich. Für alles und jeden. Nur irgendwie nicht für mich selbst. Warum lasse ich das mit mir machen? Es ist immer wieder das gleiche Muster. Was ist der richtige Umgang damit? Ignoriere ich die Zeichen, um mir die schöne Zeit im Jetzt nicht zu versauen? Oder führe ich im Jetzt sinnlose Diskussionen, deren Energie verpufft? Warum verschwende ich Zeit über ein Bett zu diskutieren? Versuche zu überzeugen, dass ein Bett her muss. Die Entscheidung. Sie ist unabwendbar. Für mich? Sinnlos sie auch nur einen Tag länger hinauszuschieben. Worauf warten? Für sie? Anders. Was auch immer ihre Beweggründe sein mögen. Das Bett wird besorgt, wenn sie es will. Wenn er es eingesehen hat. Und keinen Tag vorher. Ob ich rede oder nicht. Und bis zu diesem Tag x wird sich gequält. Der Toilettenstuhl. So vieles hätte er einfacher gemacht. Aber der Tag x war noch nicht gekommen…..

Der Tag x. Einer der Tage x. Wie viele hat es schon gegeben, wieviele werden noch kommen? Katastrophen? Kann man sie nicht einfach ausblenden? Sollte man sie ausblenden? Wie weit kann ich gehen ohne total naiv zu sein? Handeln, ohne das die Konsequenzen absehbar sind. Kommt doch eh alles anders. Es würde das Leben leichter machen. Nur die Probleme von heute. Scheiß auf die Katastrophe, die übermorgen kommt. Noch ist es nicht Übermorgen. Das Jetzt genießen, wenn es gerade schön ist. Kein Gedanke an gestern, morgen, vorhin, letztes Jahr, Vergangenheit und Zukunft. Alles reines Mindfucking. Übermorgen? Da kann ich mich um die Katastrophe kümmern. Dann, wenn sie tatsächlich eingetreten ist. Es ist anders als im Job. Das Leben ist kein Projekt, auch wenn es manchmal so aussieht. Es gibt keine Risikoliste mit Mitigierungsplan. Leben funktioniert anders. Zu viele Variablen. Sicher ist nur, dass der Plan niemals eintritt. Warum also nicht einfach auf den Plan verzichten? Fehler. Die Angst Fehler zu machen, falsche Entscheidungen zu treffen. Weil ich überrascht werde, überrumpelt von etwas, was ich nicht habe kommen sehen. Was ist die schlimmere Konsequenz? Ab und zu mal Mist zu bauen? Riskieren verletzt zu werden? Doofe Erfahrungen zu machen? Was ist schlimmer? Die doofe Erfahrung, die ich vielleicht real mache? Oder die doofe Erfahrung, die ich in meinem Mindfucking mache? Ich mache sie so oder so. In der Realität vielleicht mit einer ETW von 50%. Im Mindfucking komme ich auf 100% ETW. Möglicherweise tut es im Mindfuck weniger weh. Marginal. Aber ist es das wirklich wert?

Scheißendreck

Manchmal ist das Leben ein Arschloch. Warum ist an manchen Tagen alles gut und an anderen gefühlt alles schlecht? Silvester? Schlechte Nachrichten. Von überall her. 2. Jan. Irgendwie wieder Hoffnung. Beim sterbenden Opa, meinem Kind, meiner Freundin. 2 Tage später ist das Kind doof drauf, Freundin hat die nächste ultra-krasse Kampfansage vom Ex, Opa. Ach, reden wir nicht über Opa. Ich war nicht da. Deshalb weiß ich nur, was man mir sagt. Und das entspricht nicht der Realität. Worte der Oma. um zu beschreiben, wie es ihrem Mann geht. Er stirbt. Meine Einschätzung ist eher: Das ist noch ein Weg bis dahin. 2 Wochen, 4 Wochen. Wer weiß. Es wäre schön, wenn es in 3 Tagen kurz und friedlich vorbei wäre. Wirklich schön. Aber es entspricht nicht der Realität. Nicht meiner Realität. 3 Wochen. Darüber können wir reden…

Jeder Mensch tickt so anders. Bewertet Situationen anders. Nutzt andere Worte, um den gleichen Zustand zu beschreiben. NLP. Die Landkarte. Das Meta-Modell. Menschen sind so unscharf in ihren Formulierungen. Unscharf, wenn sie selbst nicht genau wissen was sie eigentlich wollen. Nominalisierungen, Generalisierungen, komplexe Äquivalenzen. Man kann sich wunderbar dahinter verstecken. Dinge sagen, ohne wirklich etwas zu sagen. Mir geht es schlecht. Wie fühlt sich schlecht an? Wo spürst Du das? Was genau bedeutet „schlecht“? Fühlen, hören, sehen. Viele Menschen verstehen das Konzept nicht, verstehen nicht, das schlecht für jeden anders ist. Das jeder etwas anderes braucht.

Lass 3 Leute den gleichen Text lesen. Was lesen sie? Lies den gleichen Text heute, in 3 Wochen, 3 Monaten, 3 Jahren. Was spürst Du? Was hat sich verändert? Der Text ist der gleiche. Die eigene Wahrnehmung oder Interpretation, die kann sich ändern. Teilweise gewaltig ändern. Liebesbriefe vom ersten Freund. Vor ein paar Jahren im Schrank gefunden. Damals bin ich dahin geschmolzen, weil er so süß war. Heute? Eher ein Gefühl von Ekel. Vor mir selbst. Ich mit so einem Typen? Es geht gar nicht. Die Briefe sind lange entsorgt. Die Erkenntnis ist geblieben. Auch vermeintliche Fakten verändern sich. Papier ist geduldig. Mindfucking auch. Mit jedem Brief, jeder alten E-Mail kann ich mich quasi sofort in eine vergangene Situation zurück katapultieren. Mit viel Abstand kann das sehr hilfreich sein. Mit zu wenig Abstand mitunter sehr schmerzhaft. Wenn eine Wunde noch nicht ganz verheilt ist und dadurch wieder aufgerissen wird. Immer und immer wieder. Teilweise durch mich selbst. Teilweise durch andere Menschen, die ich an mich ran lasse. Aufgerissene Wunden sind Scheißendreck. Und auch wenn die Wunde dann irgendwann endlich mal verheilt ist, ist die Narbe größer, wenn man die Wunde nicht einfach in Ruhe lässt.

Andererseits benötigt gerade der oder das Kranke eigentlich Pflege. Es ist erwiesen. Alte Menschen, um die sich gut gekümmert wird, die gut versorgt sind. In jeder Hinsicht. Ihnen geht es deutlich besser. Sie sind fitter. Einsamkeit macht krank. Eine Wunde, um die man sich nicht kümmert, kann sich entzünden. Besser also keine Wunden haben. Dafür sorgen, dass die die man hat verheilen und man sich „nur noch“ um die Narbenpflege kümmern muss. Und aufpassen, dass keine neuen dazu kommen. Auf gar keinen Fall irgendwelche neuen Erlebnisse, die sich auf alte Knöpfe legen. Und doch habe ich angefangen, genau solche Erlebnisse zu sammeln. Wozu?

Mitunter erscheint mir das Leben wie eine einzige große Gameshow. Ich mittendrin. Und soll irgendwelche Aufgaben lösen, von denen ich nicht weiß, wohin sie mich führen sollen. Ich kenne nicht mal die Regeln. Geht es darum möglichst viele oder möglichst wenig Punkte zu sammeln? Und wann oder wodurch endet das Spiel? Was ich mit ziemlicher Sicherheit weiß: Ich spiele nicht mehr mit. In überhaupt keinem Scheißspiel mehr. Never ever. In keinem Bereich meines Lebens. Weil ich einfach müde bin und keinen Bock auf irgendwelche Spielchen habe. Mit niemandem.

Meine Mudder

Jetzt ist sie weg und ich bin wieder allein. ENDLICH! Spätestens nach einer Woche Belagerung meiner Wohnung bin ich froh, wieder allein zu sein. Also, naja, streng genommen bin ich froh, dass SIE weg ist. Das mit dem Alleinsein an sich, das wächst sich grade eher wieder zu einem Problem aus. Winter halt. Ich hänge in der Bude und komme hier nicht so wirklich raus. Im Sommer, da lasse ich auch schon mal 5 gerade sein und mein Kind auf der Liege im Garten schlafen während ich mit den Nachbarn Spaß habe. Im Winter ist alles komplizierter, wir sehen uns alle weniger. Und ich hänge abends alleine in der Bude. Im schlimmsten Fall ist mir der Knirps vorher von 20 – 21:30 auf den Keks gegangen, weil er nicht schlafen will. Und dann ist es Abend, die Bude verwüstet, ich im Eimer… Alleine mit meinem Scheiß. Ablenkung im Haushalt oder sinnlosen Aktivitäten. Zu spät ins Bett damit das mit dem Schlafen auch klappt. Früher hat auch Rotwein super geholfen. Früher, das war als ich eine Flasche trinken und schlafen konnte. Heute trinke ich eine halbe Flasche und bin um Punkt 5 Uhr morgens wach. Wach bis etwa halb 7, dann kann ich wieder schlafen. Auch bis 10. Das verträgt sich aber nicht mit irgendeinem Alltag. Also einfach kein Alkohol mehr. Oder Weißwein. Nee, besser kein Alk. Mit meiner Mama, da trinke ich Wein. Wohl auch aus der Not heraus. Mit einem gewissen Pegel ist einiges leichter zu ertragen….

Zombie. Es fällt mir leichter diesen Zombie-Zustand auf Alkohol zu schieben. Mir zu sagen, dass sie einfach nur zu viel getrunken hat. Hat sie auch. Aber der Alk verändert eigentlich nichts. Sie ist drauf wie vorher. Genau wie vorher. Aber wir haben eine Entschuldigung. Einen Grund, warum sie so ist wie sie ist. Sie ist „normal“ und hat nur zu viel getrunken. Auch wenn das Verhalten mit Alkohol nicht zu erklären ist. Es ist auch ohne Alk da. Aber wir tun einfach so als käme es vom Alkohol… Ich trinke ein bisschen mit. Nur genau so viel, dass ich mich noch im Griff habe und keine sinnlosen Diskussionen anfange. Und mich vor allem auch auf keine einlasse.

Lebkuchen. Ein ganzes Blech Lebkuchen. Abgestellt auf einem Stuhl in der Küche. Wir alle wussten, dass das Blech dort steht. Wir waren uns alle einig, dass es ein Scheiß Platz für das Blech ist. Es war klar, dass sich früher oder später jemand drauf setzen wird. Meine Mutter. Sie setzt sich nicht drauf. Nein, sie bleibt auch noch sitzen. Mindestens 10 Minuten lang. Und während der ganzen Zeit merkt sie nicht, dass sie auf einem Blech mit Lebkuchen sitzt. Sie sitzt auf meinem Backblech mit Lebkuchen, an meinem Tisch, isst Lebkuchen von dem anderen Blech. Und merkt die ganze Zeit nichts. PUNKT. Um dann Tage damit zu verbringen, mir zu erklären, dass das jedem hätte passieren können. Ja, es hätte jedem passieren können, sich da drauf zu setzen. Aber jeder andere hätte es gemerkt. PUNKT und Ende der Diskussion. Ich will es nicht diskutieren.

Das Bettlaken. Wir fahren extra in die Stadt um bei Karstadt ihr Bettlaken in exakt dem gammeligen Beigeton zu kaufen, der so überhaupt nicht zu ihrem Bett passt, aber auf dem sie besteht. Dieses Bettlaken in dieser Farbe gibt es nur bei Karstadt in Düsseldorf. Und ja, sie führen das Bettlaken noch. In genau der Farbe, die sie haben will. Aber leider nicht in der passenden Größe und nein, Karstadt kann es auch nicht für sie bestellen. Aber ich, ich kann das bestimmt im Internet für sie bestellen. Mein Masterplan, um mir nicht die nächste Stunde eine Geschichte über Bettlaken anhören zu müssen. Ich habe das Etikett fotografiert. HEIKE, Art 368 in 1400 vanille. Und es tut mir wirklich leid, dass der Hersteller HEIKE scheinbar einfach keine Ahnung hat, wie vanille eigentlich auszusehen hat. Im Internet führen sie nämlich auch den Farbton messing. Meine Mum hätte lieber einen Farbton der Messing heißt. Nach ihrem Farbverständnis ist das eher der Farbton, den sie sucht. (wir erinnern uns der Farbton nennt sich 1400 vanille. Wir haben es fotografiert). Mama hätte aber lieber messing. Aber wenn man den Farbton auf der Farbkarte anklickt, dann wird der dunkler und das gefällt ihr nicht. Weil es ist so, bei der Farbtonkarte sind die nicht ausgewählten Farbtöne quasi so angegraut dargestellt. Wir haben 1400 vanille ausgewählt und tada, der Farbklecks wurde gelb. Dummerweise gefällt ihr das angegraute messing. Also muss ich das auswählen, woraufhin es orange wurde. Das war ihr zu dunkel. Und sobald ich wieder vanille auswähle, sagt sie ich soll doch mal auf das messing klicken, dass würde schön aussehen. Oh, das wird ja dann ganz dunkel. Und nein, einfach zu akzeptieren, dass HEIKE ihren Farbton eben vanille und nicht messing genannt hat. Das wäre zu einfach. Denn würde sie das Bettlaken bekommen, dann hätte sie keine Grund mehr mich ständig anzurufen und mir von diesem Bettlaken zu erzählen. Und nein, vanille ist tatsächlich nicht der Farbton den sie sucht. Das habe ich ihr bereits bei Karstadt versucht zu verklickern. Sie möchte Apricot, was im übrigen auch zu dem Bett besser passen würde. Was das nächste Problem ist, sie könnte sich nicht mehr darüber aufregen, dass das Bettlaken nicht zum Bett passt und sie den falschen Farbton ausgesucht hat. Ein Telefonat das mit Worten wie: „Scheiße, ich bin so blöd. Du glaubst nicht was ich gemacht habe.“ beginnt. Hoch dramatisch. Die Geschichte die dann folgt, völlig zusammenhanglos. Vielleicht die Katze, die ihr über den Weg lief als sie die Verpackung ins Altpapier geworfen hat und das sie erst keine Schere finden konnte, um die Packung aufzuschneiden. Vermutlich weil mein Dad, der Vollidiot, die wieder irgendwo hingeräumt hat. Was sie sagen will ist: Ich habe das Bettlaken in der falschen Farbe gekauft. Und sie lässt sich unter keinen Umständen von irgendjemandem auf dem Weg zum Scheitern helfen. Wir können ja nicht mal das Bettlaken, welches sie sich bei Karstadt ausgesucht hat, DAS Bettlaken, einfach im Internet bestellen. Nicht mal das geht.

Sie soll den Backofen anmachen. Und benötigt eine Erklärung. Immer wieder: Kannst Du das nicht einfach machen. Ja, musste ich am Ende. Meine Mum hat leider nicht die Kraft den Regler zu drehen. Das merkt sie aber erst nach dem wir langatmig die Frage diskutiert haben, ob der Regler wohl nach links oder rechts zu drehen sei. Warum kann ich nicht einfach sagen „nach rechts, dreh den verdammten Regler so ungefähr 3 Klicks nach rechts“. Nein, ich sage „egal in welches Richtung und dreh bis zu dem Umluft-Symbol“. Meine Mum kennt das Umluft-Symbol nicht. Sie behauptet auch, dass ihr Backofen kein Umluftsymbol hat. Das würde als Text da stehen. Was es tatsächlich auch tut. Ziemlich klein unter einem riesigen erleuchteten Ventilator… Sie bekommt die Tür vom Trockner nicht auf. Meine Mum ist noch keine 60. Was soll dieser Mist? Wie kann ich mit jemandem klar kommen, der sich wie ein Kind benimmt, wie ein immer kleiner werdendes Kind, und dann bei passender Gelegenheit anfängt die „Checker-Sprüche“ zu klopfen? Diese Besserwisserei. Diese Boshaftigkeit, die ich von meiner Oma so gut kenne. Hehehe, es wird Dir ja wohl vorher schon klar gewesen sein, dass DAS nicht klappt / DU das sicher nicht hinkriegst /…. Irgendwas, hauptsache eine Ansage, die Dich fühlen lässt als wärst Du der dümmste, unfähigste Mensch, der jemals unter dieser Sonne gewandert ist.

Mein erster Freund hatte was mit meiner besten Freundin. Nicht so ein One-Night Ding. Nein, über Monate hatten die Beide eine Affäre. Wusste auch jeder, nur ich halt nicht. Ob ich was geahnt habe? Ja, tatsächlich, es gab einen Moment, wo es mir komisch vorkam. Ich habe meine Freundin darauf angesprochen. Ihre Antwort: Ich bin doch Deine beste Freundin, das würde ich doch NIE machen. Und sie war meine beste Freundin und ich habe ihr vertraut. Und mich gefreut, das sie sich so gut mit meinem Freund versteht. Fertig. Monate später, Loveparade 97, im Tresor auf Ecstasy, gesteht er mir dann, dass er was mit meiner Freundin hatte. Ihm habe ich verziehen, ihr nicht. Vielleicht war es, weil er ehrlich zu mir war? Zumindest am Ende. Und vorher nicht gelogen hatte? Sie hat mir ins Gesicht gelogen und das auch noch mit so einem Spruch. Doppelter Verrat. Sie ist bis heute der einzige Mensch, den ich geschlagen habe. Bei 2 Gelegenheiten habe ich ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Wobei Nr. 2 tatsächlich absolut überflüssig war und eigentlich nur das Ergebnis der Provokation einer dritten „Freundin“, die auch mal meine Freundin war, bevor sie ebenfalls angefangen hat mich zu hintergehen und zu belügen. Hätte die andere mich nicht immer weiter provoziert, hätte ich es nicht gemacht. Streng genommen hätte bereits das erste Mal nicht sein müssen. Verändert hat es nichts….

Meine Mutter? Die hatte auch eine Meinung dazu. „Na, also wenn Du DAS nicht gesehen hast, dann bist Du echt blind. Das haben ja selbst unsere Freunde xyz direkt schon auf einen Blick gesehen, dass da was läuft. Versteh ich jetzt auch gar nicht warum Du so sauer auf die Freundin bist“. Meine Mutter halt. Als ich dann noch ein Jahr später mit dem Typen Schluss gemacht habe, nicht weil ich ihn nicht immer noch gut fand, sondern weil ich einfach mein Leben nicht saufend an einem Campingsee gesehen habe, da hatte der Typ nach 2 Tagen einen Neue am Start. Und ich bin Amok gelaufen. Ich war eifersüchtig und keine Ahnung, ich hätte erwartet, dass er mir ein bisschen hinterher trauert. Hätten keine Monate sein müssen, aber so 2, 3 Wochen wäre irgendwie nett gewesen. Es waren über 2 Jahre. Mama: „Versteh ich jetzt echt nicht, was Dein Problem ist. Du hast doch Schluss gemacht.“ Oder „Hast Du echt geglaubt der trennt sich wirklich?“ Immer dieser wie kann man nur so dumm sein Unterton. Und bei jeder Aussage, immer irgendwas negatives dranhängen. Irgendwo ein Haar in der Suppe finden. Etwas worüber man sich aufregen kann, Neid, dieser permanente Neid auf „das normale, was alle Leute haben“. Dieses kleinbürgerliche sich ergötzen am Scheitern anderer Leute. War ja klar, dass der es zu nix bringt / die Idee kacke ist / sowas nicht funktioniert. Nichts geht, alles ist schwierig, keine Entscheidungen treffen können, aber fleißig am Austeilen, wenn es darum geht andere Leute zu beurteilen. Und in meiner Familie ist es keine Be-Urteilung es ist eine Ver-urteilung.

Meine Oma. Sie wurde von der Pflegekasse völlig falsch eingestuft. Findet sie. Finden wir eigentlich alle. Das Problem: Oma kann es alleine nicht mehr. Duschen zum Beispiel. Oma würde einen Teufel tun sich beim Duschen von irgendjemandem helfen zu lassen. Deshalb duscht sie alleine und wird es vermutlich noch alleine tun selbst wenn sie auf allen vieren in die Dusche kriechen muss. Fakt ist, sie hätte die Pflegestufe verdient, weil sie die Hilfe beim Duschen reell betrachtet benötigt. Oma sollte die Klappe halten und so alt tun wie sie ist. Meine Mama sollte erzählen, wie sie meine Oma duscht. Zum Geisteszustand meiner Mum s. o. Meine Oma auf die Frage des Gutachters wie die Tochter denn beim Duschen hilft: „Die hilft mir net, dess mach ich alles noch ganz allein.“ Meine Oma bekommt nun kein Geld dafür, dass ihr beim Duschen geholfen wird, sondern „Sachleistung“. Das ist Guthaben was sie bei einem Pflegedienst hat und abrufen kann. Oma ist empört, weil was soll sie damit. „Ich wollte doch das Geld“. Und sie hat überhaupt nicht mit dem Gutachter geredet. Kein Wort. (…) Ja, was soll ich denn machen, wenn der mich anschaut und was fragt. Das muss ich doch Antwort geben. (…) Ach was, wie soll der Gutachter das gemerkt haben, dass die Mama mich gar nicht duscht. Der war ja net dabei. Des kann das gar nicht wissen. (dezenter Hinweis, dass ich die Geschichte SEHR SEHR SEHR anders von meiner Mutter gehört hatte). Willst Du sagen, dass ich lüge? Wenn jemand sagt, dass ich lüge, dann ist das das allerschlimmste für mich was man mir antun kann. (…) Aber, wenn Du sagst, der Gutachter muss das gemerkt haben, dann sagst Du dass ich lüge. Ich bin bald 92 Jahre und habe noch nie in meinem Leben gelogen. Das ist das allerschlimmste für mich, wenn jemand sowas behauptet. (Hinweis, dass dann wohl die heilige Tochter lügt). Na, des macht mei Mädsche net. Die lüscht net…. Keine Chance dem Thema zu entrinnen. Kein Ende, jeder Versuch es gut sein zu lassen. Ich sage, lass uns aufhören, ich war nicht dabei. Und die Geschichte fängt von vorne an. Und endet mit den Worten. „Du kannst des ja gar net wisse, Du warst ja gar net dabei.“ Welche große Weisheit. Wie lässt es sich stoppen? Die ultimative Weisheit meines Opas: „Der Oma darf mer nie widerspreche, nie Widerworte gebe, die kann des net gut aushalte“. Die ultimative Weisheit meines Vaters in Bezug auf meine Mutter: „Don’t ever interrupt her or she’ll just start over and over and over again and repeat herself forever“. Und was hab ich gelernt? Nix hab ich gelernt. Ich schaffe es immer noch nicht einfach die Klappe zu halten und mir meinen Teil zu denken. Zu bizarr sind die Geschichten, zu oft bekommen andere die Schuld an allem. Meine Familie, Opfer, alles Opfer von irgendwem und irgendwas. Und ich mitten drin. Selber Opfer. Werde ich jemals den Ausgang finden?

Sterben

Ein schneller Tod oder lieber ein Tod in vielen kleinen Schritten. Tod auf Raten. Die Chemotherapie, sie ist kein Tod auf Raten. Auch kein schneller Tod, sie zermürbt, bringt alles im Körper durcheinander, laugt aus. Gewichtsverlust durch die Nebenwirkungen, Schwäche, ständige Müdigkeit durch den Krebs. Krebs ist ein Arschloch. Ein eingebauter Defibrilator in der Brust ebenfalls. Es hätte in Kroatien enden können. In der Dusche. Herzstillstand im Mai. Es hätte so einfach sein können. Ihr Mann ist an einem Herzstillstand gestorben. Seien sie froh drum, der hatte Krebs im Endstadium und wäre eh bald gestorben. Stattdessen: Vom Defi ins Leben zurück geschockt, mehrmals, nach Herzuntersuchungen, Schilddrüse, dann die Diagnose Lungenkrebs. Es ist so sinnlos. Sinnlos bei aussichtsloser Prognose den Weg durch die Chemo zu gehen. Für was das alles? Chemo, die die Knochen so spröde werden ließ, dass das Becken brach, das Schambein. Dazu die Metastasen in der Hüfte, in den Oberschenkelmuskeln. Und trotzdem, er will nichts unversucht lassen. Bestrahlung, Immuntherapie, Bluttransfusionen. Schon jetzt, Opiate in einer Dosierung, die ihn matschig im Kopf werden lässt. Wir hatten ja keine Ahnung. Dazu hat es den Gutachter gebraucht, der doch sehr erstaunt fragte „SIE nehmen 125 mg? Wird ihnen davon nicht schlecht?“. Jetzt wissen wir, dass er bereits eine echt krasse Dosis nimmt. Vorher, naja, er spricht nicht, oder nur sehr selten. Und auch dann, er will nicht sagen wie es ihm geht. Ich glaube er will es selbst nicht wahr haben. Wahrhaben, dass er stirbt.

Dieses Sterben, es wird nicht mehr lange dauern. Vor 3 Wochen sprachen wir noch über einen Badumbau. Als eigentlich einzige Lösung, um ihm das zu Hause bleiben zu ermöglichen. Heute also Termin mit dem Gutachter der Pflegeversicherung. Wenn ich einen Badumbau will, dann bekomme ich das hin. Er ist genehmigt. Ja, das Bad wird umgebaut. 10 Minuten später die Frage, wie kriege ich ihn morgen ins Krankenhaus? Er kann ja nicht mal bis zur Tür laufen. Stimmt, er kann nicht mal bis zur Tür laufen. Vor 4 Wochen erst war es das er plötzlich einen Rollator brauchte. Heute fahre ich ins Sanitätshaus mit dem Willen JETZT eine Rollstuhl mitzunehmen. Nicht wegen dem Krankenhaus. Nein, damit er es heute Nacht überhaupt noch aufs Klo schafft.

Wir sitzen im Auto. Er kann uns nicht hören und neugierige Kinderohren auch nicht. Wir sprechen. Darüber, dass es ein Badumbau überhaupt nichts mehr bringt. Es geht nicht darum, dass er das fertige Bad vermutlich nicht mehr sehen wird. Viel eher wird er den Anfang der Arbeiten schon nicht mehr erleben. Erlebt er Weihnachten überhaupt noch? Vor 3 Wochen, er sah so viel besser aus. THC auf Rezept zusätzlich zu den Opiaten, wieder Appetit. Hoffnung, darauf, dass die Immuntherapie angeschlagen hat. Sein vorheriger schlechter Zustand vielleicht doch nur von der Chemo und nicht vom Krebs kam. Der Geburtstag im Februar erschien wieder realistisch. Weihnachten bei uns zu feiern, erschien realistisch. Jetzt, 4 Tage vor Weihnachten, erscheint Weihnachten fraglich. Wie fühlt er? Er spricht nicht. Es geht gut, nicht so gut, schlecht. Viel mehr ist nicht zu holen.

Morgen fahren wir ins Krankenhaus. Mit dem neuen Rollstuhl. Es ist ein besonderer Tag. Morgen wird der Defi ausgeschaltet. Keine Ahnung, ob er den Schrittmacher ebenfalls ausschalten lassen möchte. Ich habe Angst, dass dies der Grund ist, warum ich ihn fahren soll und nicht seine Frau. Es war von Anfang an klar, dass er den Porsche ausschalten lässt, wenn „es so weit ist“. Scheinbar spürt auch er, dass er Tag näher kommt. So gerne hätte ich meinem Sohn dieses Weihnachten noch gelassen, ihm seinen geliebten Opa noch etwas länger gelassen. Heute war der Tag an dem ich es nicht länger verantworten konnte zu sagen, wir schauen ob die Medikamente deinen Opa wieder gesund machen. Heute war der Tag ihm zu sagen, dass Opa sterben wird. Und ihn irgendwie darauf vorzubereiten, dass dieser Tag schon sehr bald sein könnte. Wir haben zusammen geheult. Ich heule immer noch. So wie ich seit Wochen heule. Über die Sinnlosigkeit meines ganzen Lebens. Eine Herausforderung nach der nächsten. Ich kann einfach nicht mehr. Und ich will auch nicht mehr.

Weihnachten, dieses beschissene Weihnachten. Schon ohne Kind war Weihnachten ein Problem für mich. Seit mein Sohn da ist, ist es eine Katastrophe. In 20 Jahren werde ich darüber heulen, dass ich es nicht genossen habe als mein Kind noch klein war. Das es kaum schöne Erinnerungen, geschweige denn Fotos gibt. Wir haben hier keine schönen Weihnachten. Vielleicht nach außen, irgendwie, aber nicht im Herzen. Mein Herz, das ist ziemlich tot. Besonders an Weihnachten. Und Silvester. Nach dem Geburtstag im Januar, da geht es meistens wieder bergauf. Es besteht Hoffnung, dass ich am Tag meines Vorstellungsgespräches wieder in der Spur bin. Oder zumindest auf dem Weg dorthin. Hoffnung, welche Hoffnung? Ein sterbender Opa und ein Kind, das auch ohne den Opa schon einen Therapeuten braucht, weil es depressiv ist. Und woher soll er auch etwas anderes kennen. Vor mir hat er es sicherlich nicht gelernt. Und dazu Weihnachten und und und. Selbstmord erscheint mir die einzig wirksame Lösung. Und stellt leider aus diversen Gründen keine Option dar. Nie. Aber wie sagte ich seinerzeit im Aufnahmegespräch in der psychiatrischen Klinik: „Wenn DAS Leben ist, dann will ich lieber nicht leben“.

Das alte Thema sich dem Leben zu verweigern. Brauche ich den Tod auf Raten, um endlich das Leben sehen zu können?

Und sonst so?

Ja, was ist sonst so los? Mein ganzes Leben irgendwie im Schnelldurchlauf. Ständig ein anderer Fokus. Mal ist es die Kindheit, mal meine Beziehungen, das Jobthema, meine Elternrolle. Alles kommt wild durcheinander, dreht sich 83 Mal im Kreis bevor eine neue Wahrheit entsteht. Mein Weltbild wieder funktioniert und ich das Gefühl habe jetzt hätte ich es verstanden. Jetzt wüsste ich endlich wohin die Reise gehen soll und warum das alles so kommen musste, wie es gekommen ist….

Tatsächlich schaffe ich es immer mehr auf der beschränkten Sicht des Warum’s auszubrechen. Kann mich endlich von diesem Zwang freimachen alles hinterfragen zu müssen. Ständig zu analysieren, wer was gesagt oder getan hat. Wer die Schuld trägt. Und woran eigentlich genau. Und woran hätte der andere Schuld, wenn ich alles richtig gemacht hätte. Was ist überhaupt richtig und was ist falsch? Wäre mein Kind ein anderes, wenn wir „alles richtig“ gemacht hätten? Ja, verdammt, das wäre er. Meinem Kind würde es sehr viel besser gehen. Vermutlich. Wer weiß das schon mit Sicherheit? Es hätte auch alles anders, quasi genau wie geplant, laufen können. (Ok, fairerweise gab es nie einen Plan, da ich gerne widersprüchliche Dinge tue und die Realität phasenweise ausblende / mindfucke). Egal, er hätte sich also getrennt und wir wären die Heitiei-Familie gewesen, inkl. Anhang aus der Ehe und unserem neuen Baby. Super Sache. Leider auch super unrealistisch. Schon ohne unser neues Baby war es eher unwahrscheinlich, dass „wir“ die Kurve kriegen im Sumpf aus Trennung, Scheidung, Hausbau, Töchterlein, zusammen arbeiten, … Aber ok, hätten wir uns Mühe gegeben und wirklich gewollt. Ja, wir hätten das schaffen können. Den Preis von ein paar harten Jahren mit viel Chaos im Außen wäre es möglicherweise wert gewesen. Und ja, viele Dienstreisen etc. Die Aussicht sich ohnehin nicht regelmäßig sehen zu können. Das hat mir auf eine gewisse Weise gefallen. Schöne Zeit miteinander verbringen und lästigen Alltag möglichst ausblenden. Genau deshalb hat es auch wunderbar funktioniert. Ohne Kind. Ohne Trennung. Ohne klare Verhältnisse.

Und genau deshalb hätten „wir“ mit Kind niemals funktioniert. Kaum war ich schwanger, lief mein hormonell einprogrammiertes Mutter-werden ab. Ich „wollte“ etwas, das ich nicht wollte. Zu Hause sitzen, ein Baby haben, Hausfrau und Mutter sein. Und warten, dass „er“ abends nach Hause kommt. Oh. mein. Gott!

Der andere Teil wollte weiter an dieser fixen Idee mit dem Job in Asien festhalten und hat sich eingeredet, dass es dort (aufgrund anderer finanzieller Verhältnisse) für mich als Alleinerziehende ohnehin viel einfacher wäre als in Deutschland. Die Realität habe ich gepflegt ausgeblendet. Genauso wie meine Freunde (ebenso wie mein Ex) ausgeblendet haben, dass meine Mutter psychisch krank ist und zurück zur Familie KEINE Option ist.

Rückblickend betrachtet: Wäre ich mal zu meinen Eltern gezogen…. Möglicherweise hätten sie mich wahnsinnig gemacht. Dann hätte ich immer noch zurück nach NRW gehen können…. Vielleicht hätte sich unsere Beziehung aber auch deutlich verbessert und wir hätten irgendwie zueinander gefunden? Wer weiß. Irgendwie sehe ich, dass es eine falsche Entscheidung war diese Option damals nicht mal zu durchdenken. Es hätte mir mein Leben einfacher machen können. Hätte hätte…..

Ich habe an so vielem Kram festgehalten. Lange nachdem der Drops gelutscht war. Aus Prinzip, aus Sturheit, aus meiner Opferrolle heraus…. Der Job in Asien. Ich hatte ihn schon lange vorher, nur nicht offiziell. Weil mein Chef-Chef und ich uns nicht mochten. Es war der perfekte Job für mich. Ein geiles Team. Und ich habe es gut geleitet. Jeder wusste das. Und trotzdem hat man mir irgendein Arschloch vor die Nase gesetzt, der mein Chef werden und meine Region übernehmen sollte. Ich habe mir intern einen neuen Job gesucht. Und mir bei der nächsten Gelegenheit „meinen“ Job zurück geholt. Das Team hatte zwischenzeitlich gewechselt. Diverse Umorganisationen alles zerstört, was ich vorher aufgebaut hatte. Ich hätte die Möglichkeit gehabt mir bei dieser Umorganisation einen richtig fetten Job zu angeln. Ich hatte die freie Wahl und durfte mir etwas aussuchen (!!!). Und was habe ich getan? Ich habe mir meinen Job zurück geholt. Die abgefuckteste Vertriebsregion, die keiner haben wollte. Ohne Mitarbeiter, ohne Potential. Ich war so dumm und dann, weil das allein noch nicht ausreicht, werde ich von einem verheirateten Kollegen schwanger. Und er verlässt nicht seine Frau, sondern geht stattdessen mit seiner Familie nach Asien. Um in genau meinem Team die Leitung zu übernehmen. Das ganze um die Weihnachtszeit herum. Das erste Weihnachten. Happy Family Fotos mit Flipflops und T-Shirt unterm Baum in Asien. Es ist 7 Jahre her. Und immer noch könnte ich kotzen. Etwas kaputt schlagen vor Wut. Ich war so lange sauer. Ich bin immer noch sauer. Kann einfach nicht glauben und akzeptieren, dass er das wirklich getan hat.

Und noch weniger kann ich glauben, dass ich nach 7 Jahren noch wütend bin. Warum habe ich mich so auf all diese Dinge versteift? Dieses Anhaften an dem Job, der nicht für mich bestimmt war. Ja, er hat mir nicht gut getan. Zu viele Reisen, zu viel Stress, zu viel Alkohol im Vertrieb. Warum habe ich nicht wenigstens das losgelassen? Mir wenigstens die hausgemachten Probleme im Job erspart? Mein zwanghaftes Verhalten Geld zu bunkern? Ich verstehe es selbst nicht. Plötzlich war einfach nur Sicherheit, Beständigkeit wichtig. Und dieser Gedanke, dass er es wieder gut zu machen hätte. Ein Gefühl von nicht weitergehen können, weil der andere seins noch nicht dazu beigetragen hat. Nicht für meinen Sohn und mich sorgen zu können, weil der andere seiner Aufgabe nicht nachkommt. Nicht das erfüllt, was ich „verdient“ hätte. Was mir für mein Opfer zusteht. Für diese Scheiße als „exponierte“ Frau in einer großen Organisation aus dem Nichts schwanger zu werden. Richtig klasse mit dickem Bauch vor 150 Leute auf der Bühne zu stehen, von denen 120 sich das Maul darüber zerreißen von wem denn jetzt eigentlich das Kind genau ist. Und 30 darüber tratschen, ob er denn jetzt seine Frau verlassen und zu dem Kind stehen wird. Was eine Scheiße. Natürlich weiß ich, dass meine Zahlen vermutlich um Faktor 10 zu hoch liegen. Es wurde nicht so viel getratscht wie befürchtet. Aber es wurde getratscht und der Tratsch hörte auch nach der Elternzeit nicht auf. Beziehungen auf der Arbeit haben sich verändert. Die Leute standen entweder auf meiner Seite oder auf seiner oder zwischen den Stühlen, was noch viel weniger funktioniert hat. Zum Kotzen. Es ist kein Wunder, dass ich irgendwann gehen musste.

Was ein Wunder ist, ist das es so lange gedauert hat. Warum nur habe ich mich so lange diesem Stillstand hingegeben? Habe mein Leben wie eine Maschine gelebt. Oder gar nicht gelebt. Oder gearbeitet, meine Hausfrauen & Mutterrolle ausgefüllt und mir abends zur Belohnung eine Flasche Rotwein gegönnt? Und mich dabei zu immer weiteren Höchstleitungen angetrieben. Die noch perfektere Mutter sein. Sohnemann zur Musikschule, Schwimmkurs, Logopädie schleifen. Zu Hause selbst gekochtes Bio-Essen auf den Tisch stellen, Kindergeburtstage mit 15 Kindern feiern. Im Januar auf 80 qm. Und mich dabei permanent selbst fertig machen für all das was ich nicht geschafft hatte. Bei mir gibt es Zitronenkuchen mit Gummibärchen – andere Mütter konstruieren Ritterburg-Torten mit Marzipan-Figuren… Oder der Faux-Pass wie die gekauften Einladungskarten für den Kindergeburtstag. Weil ich es nicht geschafft habe, eigenständig Einladungskarten zu basteln wie sich das für eine gute Mutter gehört. Mein Kind ist auch in keinem Sportverein und spielt kein Instrument. Ich habe ziemlich versagt an der Mutterfront. Und natürlich auch an der Karrierefront, woran mein Muttersein schuld ist. Und damit neben meinem Ex vor allem mein Kind schuld hat. Schuld daran, dass ich versagt habe. Und nun, wo ich ja eh noch nie so richtig was auf die Reihe bekommen habe, schickt man mir ein Kind, um mir 1. eine weitere unlösbare Aufgabe zu geben und 2. mal richtig klar zustellen, dass ich es halt einfach nicht drauf habe mit diesem Leben. Das was ich kann und wie ich bin, reicht einfach nicht aus. Für gar nichts.

Und hey, ganz objektiv betrachtet, habe ich es echt versaut. Und jetzt habe ich auf ganzer Linie Probleme, die ich nicht hätte, wenn ich ein paar Jahre früher etwas kapiert hätte. Dieses Muttersein, es stresst mich. Nicht weil mein Kind anstrengend ist. Ich bin anstrengend. Und ich weiß nicht, wie man eine gute Mutter ist. Was wirklich dazugehört. Und wie soll ich auch jemanden lieben und gut für ihn sorgen, wenn ich nicht mal gut für mich selbst sorgen kann? Diese Liebe, die fehlt mir vor allen Dingen für mich selbst. Mein Umgang mit mir selbst in den letzten Jahre. Ich habe Angst vor mir selbst. War das mehr Maschine oder mehr Monster? Und wann genau hat das angefangen? Ich weiß es nicht mehr so richtig. Am Backen da merke ich es. Wenn es mir gut geht backe ich, wenn es mir nicht gut geht, backe ich nicht. Backen ist ein sicherer Indikator. Kochen beinhaltet hingegen einen qualitative Aspekt – meine Stimmung lässt sich nicht an der Anzahl von Mahlzeiten ablesen. Kochen hat etwas mit funktionieren müssen zu tun. Backen muss ich nicht, es sei denn es steht ein Kindergeburtstag an.

Ich habe lange nicht gekocht. Kaum gekocht. Fallen Fischstäbchen und Spinat oder Nudeln mit Tomatensauce unter die Rubrik kochen? Und überhaupt nicht gebacken. Ich glaube es gab letztes Weihnachten nicht mal Plätzchen. Warum ist mir das nicht früher aufgefallen, wie bescheiden es mir ging? Plätzchen verschenken an Weihnachten. Früher habe ich meine Kollegen mit Plätzchen beschenkt. Und meine Freunde sowieso. Und irgendwann nicht mal mehr für mein Kind welche gebacken? Mir eingeredet ich hätte dafür keine Zeit? Die Zeit ist es nicht. Früher, da hatte ich keine Zeit. Mein Kind war viel kleiner, ich habe voll gearbeitet. Jetzt ist Kind groß und ich zu Hause und habe keine Zeit!? Was ein Blödsinn. Es ist nicht die Zeit. Es ist das nicht wollen. Sich nicht aufraffen können. Und leider auch ein ganz großer Anteil von irgendwie nicht wirklich wollen, dass es mir gut geht. Ein Selbst-Boykott. Einfach weiteres Mindfucking. Die Geschichte von der verwüsteten Küche, den Einkäufen. Erinnerungen an Keksteig der am nächsten Tag im Kühlschrank darauf wartet gebacken zu werden. Große Freude oder riesiger Fluch, weil der Teig weg muss, ich ihn abends noch backen muss?

Schöne Dinge tun. Basteln, malen, eigentlich alles was mit Schweinerei verbunden ist, mit Chaos. Ich vermeide so vieles davon. Lasse mich davon abschrecken, nachher wieder sauber machen zu müssen. Jeder Handgriff ist zuviel. Ich verbringe Stunden und Tage damit Aufgaben vor mir her zuschieben statt sie einfach zu erledigen. Mindfucking. Permanent läuft die Geschichte warum alles so schwierig ist oder eh scheiße wird. Es ist zum Kotzen. Leben erscheint mir anstrengend. Ein unglaublicher Kraftakt…

Und dann sitze ich mit meinem Kind beim Psychologen und die Dame fängt ernsthaft an über eine Tagesklinik zu sprechen. Weil sie meint, dass Sohnemann depressiv sei. Und ich muss zugeben, ja, das ist der Grund warum wir dort sind. Ich kenne diese Krankheit. Und ich will es auch bei ihm nicht wahrhaben. Nicht so richtig. Weil dieses depressive mein Leben ist. Die Art in der ich schon seit Jahren vor mich hinvegetiere. In unterschiedlichen Ausprägungen. Die depressive Verstimmung. Das ist unser Normalzustand. Es fällt mir gar nicht mehr auf, dass das nicht normal ist. Wie soll ich es dann bei meinem Kind bemerken? Woher soll mein Kind eine andere Gefühlslage kennen? Überfordert und dann unpassend reagieren und dabei bevorzugt dem anderen die Schuld geben. Das können wir beide. Wie sehr mein Sohn mich spiegelt, ist erschreckend. Sehr erschreckend. Vieles löst sich dadurch auf. Ich erkenne mich und kann etwas ändern. Es wird lange dauern bis ich damit wirklich durch bin. Und bis dahin werde ich einiges aushalten müssen. Die Verantwortung zu übernehmen ist wirklich nicht einfach. Nach vorne zu schauen und weiterzugehen, ist nicht einfach, wenn noch so viel Fokus auf dem Versagen in der Vergangenheit liegt. Angst, es nicht zu schaffen. Angst, dass sich Dinge wiederholen. Angst, vor der Angst und vor der Zukunft und dem Kontrollverlust. Lust auf die Freiheit und die Lebensfreude, die sich daraus entwickeln könnte. Angst davor Hoffnung in irgendwas zu setzen, um dann wieder enttäuscht zu werden…..

Ich denke die Weisheit liegt darin, die Enttäuschung nicht als etwas negatives zu sehen, sondern als Erfahrung, die uns einen Schritt weiter bringt. Wohin auch immer. ENT-täuschen. Die Täuschung, möglicherweise aus dem eigenen Mindfucking, zu überwinden. Weiter zu machen. Das Leben eher spielerisch betrachten. Scheitern einkalkulieren, aufstehen, Krone richten, weiter machen. Mehr in mir selbst finden. Nicht im außen nach Dingen suchen, die in meinem Inneren fehlen. Irgendwann komme ich da hin. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und ich habe Angst vor dem ersten wirklichen Schritt. Dieses Erwachsen werden ist echt nicht mein Ding…

 

 

 

 

 

Beziehung

Ich suche keinen Beziehung. Was ich suche ist ein neuer Job, meine Lebensaufgabe, Erfüllung und Zufriedenheit in dem was ich tue. Ich brauche keine Partnerschaft und ich will auch keine. Es ist mir zu anstrengend und ich merke, dass ich viel zu sehr mit meinem eigene Kram beschäftigt bin, dass es mir schwer fällt mich auf andere Menschen einzustellen. Warum? Die einfache, nahe liegende Antwort, die von meinem Ego, meinem Verstand. Ganz einfach: Ich bin nicht so weit. PUNKT

Und tatsächlich, ja, ich bin nicht so weit. Überhaupt nicht so weit. Vom Kopf bin ich nicht so weit. Und vom Gefühl her auch nicht. Ich habe ein negatives Beziehungsbild. Ein Bild voller Einschränkungen, Organisationsstress, anstrengenden Diskussionen oder schmerzhaftem Schweigen. Gefühle von Erdrückt werden, meiner Freiheit beraubt werden. Und ebenso viele Gefühle von allein sein, nicht wirklich etwas mit dem anderen anfangen zu können. Die Kurve nicht zu bekommen, irgendwie den Spagat zwischen Distanz & Nähe zu schaffen. Ich kenne Klammern und Abstand. Ständig zusammenhängen oder sich viel zu selten sehen. Strukturierte Wochenabläufe, wir sehen und Di, Do und am WE / eine WE-Beziehung und als Alternative das Chaosprinzip, klar ist nur, dass nichts klar ist. Nicht mal, ob man sich überhaupt wiedersieht… Beides funktioniert nicht. Es funktioniert nicht, weil ich selbst unklar bin. Dieses Geh weg gegenüber dem Lass mich nie mehr alleine. Der Widerspruch, den ich in mir selbst trage. Mit mir selbst nichts anfangen zu können. Nicht zu wissen und auch nicht zu spüren, was mir Spaß macht. Ich habe es verlernt. Wollte es verlernen. Nichts mehr wissen davon, wie ich bin.

Vermutlich weil mein Leben in den letzten Jahren echt nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe. Naja, anders gesagt: Ich habe bekommen, worum ich gebeten habe. Weil ich nicht kapiert habe, was ich mir da wünsche. Das ich überhaupt einen „Wunsch“ aussende. Ich bin kein ängstlicher Mensch, beim besten Willen nicht. Ich hatte nie wirklich Angst. Natürlich habe ich Ängste, wie viele andere Menschen auch. Mindfuck zu irgendwelchen Kleinigkeiten. Spinnen, vor anderen Menschen sprechen, so ein Kram. Aber das ist keine Angst, das sind Ängste. Gedankenkonstrukte, die Gefühle auslösen. Gefühle ich der Magengegend. Ein flaues Gefühl, zittrige Knie, Nervosität. Wirkliche ANGST ist etwas ganz anderes. Angst, das ist ein Gefühl, das ich früher so nicht kannte. Nicht wirklich kannte.

Ich und meine Angst. Das ist eine Geschichte für sich. Schon immer bin ich vorsichtig gewesen, vorsichtig, aber äußerst mutig und selbstsicher. Ich habe mich meiner Angst gestellt. Immer. Weil ich das Vertrauen darin hatte, beschützt zu sein. Schon immer hatte ich Träume, Träume, die mich gewarnt haben. Von denen der ein oder andere mir das Leben gerettet hat, weil er mir vor großer Gefahr gewarnt hat. Die Stimme in meinem Kopf die schreit „Brems!“ noch bevor ich das Stauende sehen kann. Immer bin ich beschützt worden. Weil ich auf meine innere Stimme gehört habe. Und dann, dann bin ich übermütig geworden. Habe aufgehört auf sie zu achten, ihr wirklich zuzuhören. Weil ich mich so sehr darauf verlassen habe, dass ich „beschützt“ bin.

Es gab eine Situation während meines Auslandsjahres. Mit meinem Arbeitskollegen. Wir sind oft zusammen ins Pub gegangen, haben Bier getrunken, Livemusik gehört, gequatscht. Er hatte einen Fahrer, Yudi, der uns meistens Gesellschaft leistete, ein cooler, lustiger Typ, manchmal war noch ein lokaler Kollege dabei. An diesem Abend hatte ich ein komisches Gefühl als wir zum Pub aufgebrochen sind. Yudi wurde nach Hause geschickt, wir hörten der LiveBand zu, tranken Bier. Komische Stimmung. Irgendwann erklärte mein Kollege mir, dass er mich heute Abend mit nach Hause nehmen würde. Woraufhin ich ihm erklärte, dass ich dazu eine GANZ andere Meinung habe. Und als Antwort, was bekam ich als Antwort? Das ich selber wüsste in welcher Stadt wir sind, wie gefährlich es für mich als weiße Frau dort draussen ist und dass er mir viel Spaß dabei wünscht „sicher“ nach Hause zu kommen.

„You know what will happen if you walk through that door…“ Dazu ein fieses „ich habe gewonnen“ Lächeln. And I told him to go fuck himself, told him that I’d rather die (or worse). And then I got up and walked through that door without looking back.

Das war kein Moment der Angst. Kein Zweifel. Ich hatte Angst vor diesem Mann, hatte die Gewalt in seinen Augen gesehen. Ich hatte keine Angst vor der Welt da draussen. Ich wusste, dass ich sicher nach Hause komme. Egal, wie die Vorzeichen stehen und ob es rational betrachtet eine gute Idee ist. Klar, ich hätte mir Hilfe holen können. Hätte, hätte, aber ich kann auch alleine klar kommen. Sehr gut sogar. Wenn ich auf mein Gefühl höre. An diesem Tag sprach allerdings auch noch mein Ego. Mein Ego, dass sagte: Lieber sterbe ich da draussen als DAS zu tun. NIEMALS! Aber vorher, vorher wollte es nicht auf die leise Stimme hören die sagte: Du brauchst heute kein Bier. Fahr direkt aus dem Büro nach Hause.

Eine andere Situation. In der gleichen Stadt. Ich, mal wieder, an einem Ort an dem anständige Frauen eigentlich nichts zu suchen haben. Nicht, dass es in dieser Stadt Orte gegeben hätte, die für Frauen gedacht waren. Shopping-Malls und Nagelstudios… Es ist nicht die Art von Beschäftigung, der ich gerne nachgehe. Was ich gerne tue, schon immer gerne getan habe, ohne dass es mir je wirklich bewusst war: Ich beobachte Leute. Ich versuche rauszufinden, wer der Mensch hinter der Maske ist. Welche Typen von Menschen es gibt. Und ja, in gewisser Weise interessieren mich vor allem die Abgründe der Menschen. Das was hinter der Maske ist. Auch das gute, der weiche Kern, die positiven Seiten, die ein Mensch hat. Den weichen Teil seiner Seele, auch das interessiert mich. Aber die dunkle Seite. Sie übt eine weit größere Faszination auf mich aus. Und hier, hier in diesem asiatischen Moloch, habe ich jede Gelegenheit zu beobachten. Männer zu beobachten. Wie sie sich verhalten, wenn sie Macht haben. Macht, weil sie weiß sind. Macht, weil sie Geld haben. Macht, weil die lokalen Frauen so sehr danach streben dem Slum zu entkommen, sich an jeden Strohhalm klammern, der die Hoffnung auf ein besseres Leben verspricht. In dieser Zeit habe ich angefangen einen „Ehering“ zu tragen. Er hat mich geschützt. Zumindest ein wenig. Hat meinem „unehrenhaften“ Verhalten etwas entgegengesetzt. Ich war nicht die russische Prostituierte sondern eine Ehefrau. In einem tiefgläubigen Land hat das einen Unterschied gemacht. Und nach meinem Maßstab habe ich mich nie unehrenhaft verhalten. Für mich als Westler war es ein normales Verhalten. Karaoke singen, Bierchen trinken gehen, feiern, mich unabhängig und frei im Land bewegen zu können. Ich habe es als mein Recht angesehen. Sehe es immer noch als mein Recht an. Und ja, auch in diesem Land gab es eine Situation, im schlimmsten aller Läden, als mehrere Männer versuchten mich aus der Bar zu tragen. Und es einfach keinen der anderen Gäste interessiert hat. Wäre mein Tauch-Buddy 1 Minute später vom Klo zurück gekommen. Die Geschichte hätte anders ausgehen können….

Ja, ich habe mich oft und gerne in Gefahr begeben. Früher. Früher hatte ich keine Angst. Habe meinen starken Willen, meine Unantastbarkeit, meine Unabhängigkeit so stark vor mir her getragen. Ausgestrahlt, dass ich jeden Kampf gewinne. Dieses Gewinnen. Ich weiß, dass es Männer gibt, die genau das wollen. Gewinnen. Macht über eine Frau erlangen, deren Willen brechen, ihre Macht demonstrieren, Angst machen. Solche Menschen, sie stoßen mich ab und doch ist da ein Reiz, eine Neugier, der Beobachter in mir will verstehen, was in deren Kopf vorgeht. Die Motivation verstehen, verstehen, wie ein Mensch so werden kann. Welches armseelige Bedürfnis hinter dieser Machtdemonstration steht. Und ja, bewusst beobachte ich nur. Mit einer gewissen Abscheu. Aber unbewusst, unbewusst spiele ich das Spiel mit. Ich habe Interesse, auf einer intellektuellen Ebene, aber es ist Interesse und ich halte dagegen. Mit einem Willen. Weil auch ich gerne meine Stärke demonstriere. Jedem zeige, dass er mir gar nichts kann. Die Raubkatze. Ich liege schnurrend und entspannt, aber dennoch bereit innerhalb von Millisekunden in den Kampfmodus zu wechseln. Aus Leben und Tod. Ich laufe nicht weg. Ich kämpfe.

Mein erster Freund hat das erfahren. Er hatte gelegentlich Aussetzer, in denen er ebenfalls seine Macht demonstrieren wollte. Psychospielchen. Harmloser, eher lachhafter Kram. Nervig, mehr nicht. Es hatte keine gewalttätige Seite, ich wusste das. Und Spielchen spielen, das kann ich auch. Dagegen halten. Mein Wille ist stark, mir macht keiner Angst. Eines Tages hat er es soweit gebracht, dass ich Angst hatte. Für den Bruchteil einer Sekunde habe ich gespürt, dass sich etwas verändert. Kein Spiel mehr. Die nächste Erinnerung: Ich halte eine Wasserflasche wie einen Baseballschläger und er hat seine Kopf unter seinen Armen vergraben und fleht mich an die Flasche wegzulegen. Ich komme langsam wieder zu mir. Ich habe nicht zugeschlagen, wozu auch? Ich will niemandem weh tun, niemanden verletzten, ich verabscheue Gewalt. Aber ich kämpfe. Wenn ich wirklich Angst habe, dann kämpfe ich. Und wenn ich dabei mein Leben verliere. Aber ich kämpfe. Habe immer gekämpft. Bis auf diesen einen beschissenen Tag an dem ich nicht kämpfen könnte. Der Tag, an dem ich mich nicht wehren konnte. Ein Teil von mir ist gestorben. Ein Kampf bis auf den Tod. Und dieser Teil hat verloren. Hat diese so entscheidende Schlacht verloren. Und ich habe die Situation auf eine gewisse Art provoziert. Ich war mir meiner Stärke, meiner Beschütztheit, meines unfassbar starken Willens zu sicher. War mir zu sicher, dass ich Unantastbar bin. Das mit mir keiner macht, was ich nicht will. Auf eine gewisse Weise musste es wohl so kommen. Rückblickend betrachtet ist es beinahe ein Wunder, dass dies nicht schon viel früher passiert ist. Ich war vorsichtig, aber mitunter leichtsinnig. Die fehlende Angst hat zu fehlendem Respekt in gewissen Situationen geführt. Gerade in „vertrautem“ Umfeld habe ich mich zu leicht blenden lassen. Blenden lassen von der vermeintlichen Sicherheit einer Firmenveranstaltung, dass die Tatsache, dass ich in der gleichen Firma arbeite, mir irgendeine Sicherheit geben kann.

Inzwischen habe ich erkannt, dass es das ist was ich meinem alten Arbeitgeber noch nachtrage. Das er mich nicht geschützt hat. Das solche Leute dort beschäftigt sind. Das keiner der anderen Kollegen eingegriffen hat. Das ist der Unterschied. In einer normalen Bar, da weiß ich, dass mir niemand helfen wird und ich auf mich alleine gestellt bin. Das die Welt groß und gefährlich ist. Ich passe auf. Diese Firmenveranstaltungen. Über die Jahre waren einige Menschen wirklich Freunde geworden. Die meisten waren jedoch eher „Netzwerkpartner“. Wenn es gerade nützlich war, kannte man sich „gut“, z. B. weil man gemeinsam in der Ausbildung war, früher mal zusammen gearbeitet hatte, whatever. Trotzdem, es fühle sich immer ein bisschen wie zu Hause an. Wie auf einer Hochzeit von guten Freunden. Viele der Gäste hat man vorher nur wenige Male gesehen oder kennt sie gar nicht. Trotzdem ist da eine gewisse Verbundenheit, eine Gemeinsamkeit. Die Freude Menschen wiederzutreffen, die man lange nicht gesehen hat, gepaart mit der Vorfreude darauf auch neue interessante Menschen kennenzulernen. Eine trügerische Sicherheit, die mich hat unachtsam werden lassen. Unterschwellig habe ich das meinem Arbeitgeber scheinbar nie verziehen. Habe erwartet, dass ich für mein „Opfer“ etwas im Gegenzug erhalte. Das ein Ausgleich erfolgt. Das Gegenteil ist eingetreten. Ja, ich bin freiwillig gegangen. Und ja, vielleicht war die Abfindung das Schmerzensgeld. Das womit ich versucht habe die Firma aus der Verantwortung zu lassen. Sie hat sich freigekauft. Leider habe ich in der Realität leidvoll erfahren, dass ein Freikaufen nicht funktioniert. Schuld lässt sich nicht in Geld aufwiegen. Geld heilt keine Wunden. Geld verschafft nur Spielraum für Ablenkung vom Thema.

Und so habe ich wieder ein Puzzleteil gefunden und eine Frage beantworten können. Welche Baustelle habe ich noch mit meiner Ex-Firma, die mich aufhält? Diese Erkenntnis zusammen mit dem Erwachsen werden, Verantwortung übernehmen, gibt Energie um den nächsten Schritt zu wagen. Langsam lichtet sich der Nebel. Möglicherweise ist meine Berufung kurz davor mich zu finden, oder hat mich bereits gefunden und möchte nun von mir als solche erkannt werden. Ich habe wichtigeres zu tun als mich um Beziehungsdinge zu kümmern. Viel wichtigeres.

Und dennoch, meine Seele, sie hat eine andere Meinung. Sie zeigt es auf jede nur erdenkliche Art und ich schaue weg und mindfucke mir meine Realität ein wenig in die Richtung, in der ich es gerne hätte. Und dann haue ich beim meditativen Schreiben auf die Frage: Was fehlt zu meinem Glück? Einen Satz raus in etwa: Nähe, Partnerschaft, Liebe. Ach, und meine Lebensaufgabe finden. Und ja, bei anderen Fragen. Es geht viel um meine Berufung. Die Aufgabe zu finden für die ich brenne. Das zeigt sich auch in meinen Collagen. Klarheit, Zeit für mich, Ruhe, Natur, Schreiben. Viel deutlicher zeigt sich aber der Wunsch nach Partnerschaft. Mit etwas Abstand betrachtet kann selbst mein Ego zugeben, dass es tatsächlich da ist und sich nicht anders erklären lässt. Um das zu erkennen musste das meditative Schreiben her. Fragen aus dem Bauch beantworten. Unter Zeitdruck. Es bleibt keine Zeit zum Nachdenken und darum geht es auch gar nicht. Es geht um den ersten Impuls. Aufschreiben, was als aller erstes hochkommt. Bevor der Verstand sich einschalten kann. Und mein Impuls ist Beziehung. Es ist wichtiger als Job, wichtiger als die Lebensaufgabe. Puh, damit habe ich nicht ganz gerechnet.

Beziehung? Ich kann es mir vom Kopf her nicht vorstellen. Kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Mensch in der Lage ist sich mit meinem aktuellen Mindfuck anzufreunden. Meine Entwicklung, in der keine Wahrheit länger als 24 h Bestand hat. Wie soll jemand anderes da mitkommen, wer eigentlich gerade vor ihm sitzt? Ich weiß ja selbst oft nicht mehr genau wer ich eigentlich bin oder wie viele, ob ich überhaupt bin. Nähe. Nähe ist schön, ich genieße Nähe sehr. Aber es ist ein sehr schmaler Grat zwischen Nähe und Einengen. Nähe und Distanz. Distanz erzeugt Sehnsucht. Sehnsucht macht doof im Kopf. Oder kann doof im Kopf machen. Distanz bietet mehr Potential für Mindfucking. Unausgesprochene Dinge, weil zu wenig Zeit bleibt, um wirklich in Kontakt mit dem Gegenüber zu kommen. Nähe, die erzeugt andere Probleme. Situationen, die unverarbeitete Knöpfe drücken. Streit, weil zu wenig Raum für mich bleibt. Ein ständiges sich Behaupten müssen. Ein Kampf um meine Rechte. Auf Befriedigung meiner Bedürfnisse. Was sind überhaupt meine Bedürfnisse? Ich bin davon überzeugt, dass ich niemanden 3 mal in der Woche auf meiner Couch haben möchte, weil mir das alles zu eng wäre. Aber erinnere ich mich zurück, so war mir das früher nicht zu eng. Da waren auch 7 Tage in der Woche gut. Wann hat sich das verändert? Und warum hat sich das verändert? Woher stammt dieses Bedürfnis nach Abstand, dass ich früher nicht hatte? Ist das einfach nur Verlustangst? Die Angst, dass mir jemand mehr fehlen wird, wenn er zur Gewohnheit geworden ist? Das ich emotional sicher bin solange ich niemanden so nah an mich heranlasse, dass er zur Gewohnheit wird? Das alles gut ist solange ich nur keine äußeren Zeichen dafür habe, dass jemand nicht mehr da ist? Und wie lange brauche ich dafür? Wie lange brauche ich, um mit meinem alten Kram so weit durch zu sein, dass ich mich wirklich auf einen anderen Menschen einlassen kann? Wie viel altes unverarbeitetes kann ich mitbringen? Mein Kopf hat tausend Fragen und noch mehr Zweifel.

Mein Herz. Das ist eine andere Geschichte. Mein Herz trägt viele Mauern. Manche stürzen ein. Ich merke, wie negative Gefühle sich aus meinem Leben verabschieden. Wie mir, im wahrsten Sinne, leichter ums Herz wird. Gefühle wahrnehmen. Das ist immer noch schwierig für mich. Es hängt so viel Altes daran. Ich merke, dass ich weicher werden. Sanfter vor allem zu mir selbst. Im Außen verändert sich der Umgang mit meinem Sohn. Mein Gefühl für ihn kommt zurück. Teile davon hatte ich verloren geglaubt. Geglaubt. Ich glaube immer noch ich habe Gefühle. Denke die Gefühle statt sie wirklich vollständig zu spüren. Über mein Kind erkenne ich mich. Erkenne, dass auch er keinen Zugang zu dieser Welt hat. Er hat es von mir nicht lernen können. Mein Gefühl kommt wieder. Dankbarkeit ist etwas, dass ich inzwischen gut fühlen kann. Stark und intensiv. Freude, Lebensfreude, auch die waren schon mal kurz zu Besuch. Es kommt wieder. Irgendwie spüre ich, dass hinter der Dankbarkeit und der Freude die Liebe liegt. Wie lange wird es dauern bis diese Mauern gefallen sind? Muss ich damit überhaupt warten? Wer sagt, dass ich heil sein muss für eine neue Beziehung? Ok, zugegeben, jede unbearbeitete Baustelle erhöht die Komplexität. Das Risiko für Verwicklungen, ein Scheitern der Beziehung, es wird wahrscheinlicher je mehr ungeklärte Dinge im Raum stehen.

Andererseits ist auch das Mindfucking. Perfekt geplante Zukünfte hatte ich auch schon. Unter wunderbaren Voraussetzungen. Und dann kam alles anders. Ausgeliefert sein. Abhängig von den Wendungen des Schicksals, die sich nicht beeinflussen lassen. Von einer Sekunde auf die nächste ist der Traum geplatzt. Der Schock ist größer, wenn ich es nicht kommen sehe. Der Schmerz aber, der ist größer, wenn ich die ganze Zeit bereits „vorbereitet“ bin, dass es in die Hose geht. Es macht die Zeit davor kaputt. Ich kann sie nicht genießen, da ich in Gedanken bereits beim Abschied hänge. Bei dem was in Zukunft an Kompliziertheit kommen wird.

Und ja, ich wünsche mir tatsächlich die Art von Beziehung in der Beide ein bedingungsloses Ja dazu geben. In der keiner ein Gefühl von „mal schauen, ob noch was besseres kommt“ hat. Was besseres? Das hat ja irgendwie immer damit zu tun, dass das was man gefunden hat einfach nicht das richtige ist. Insgeheim weiß man, es passt nicht. Aber es ist eben gerade bequem und ganz nett. Da kommt mir die 2. Wahl direkt wieder hoch. Lieber keine Beziehung als so eine Beziehung.

Aber sich hals über Kopf zu verlieben und dann festzustellen, dass man überhaupt nicht alltagskompatibel ist? Unterschiedliche Auffassungen davon hat, wie Leben funktionieren soll. Wie viel Zeit man gemeinsam verbringen will und wie diese aussehen soll. Es ist schmerzhaft jemanden gehen lassen zu müssen, den man wirklich liebt, aber den man nicht ertragen kann. Mit dem ein gemeinsames Leben sich einfach nicht auf einen Nenner bringen lässt, weil die Träume und Ziele zu unterschiedlich sind? Man sich einfach nicht versteht? Ist das die bessere Option? Der sicherere Weg?

Und schon hänge ich wieder im Kopf und frage mich, wie ich jemals einen Job finden soll, wenn ich eigentlich eine Beziehung suche? Und wie ich jemals eine Beziehung finden soll, wenn ich mich noch mit solchen Fragen beschäftige. Es ist so sinnlos. Dieses ganze Denken. Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen. Der Spatz auf der Hand, könnte mir in die Hand kacken. Und die Taube auf dem Dach, auf meinen Kopf. Es könnte aber auch ganz anders laufen und meine Katze frisst den Spatz. Oder die Taube. Was fehlt ist das Vertrauen. Das Vertrauen, dass ich die für mich richtige Entscheidung treffen kann. Und das ich vor allem mit den Konsequenzen leben kann. Das ich die Verantwortung übernehme für meine Entscheidung. Nicht nur jetzt sondern auch in einem Jahr noch. Das ich sie auch übernehme, wenn es in die Hose geht. Egal in welche. Weg bleibe aus der Opferrolle. Ich habe mehr Optionen als nur entweder / oder. Gefühl und Verstand wollen unterschiedliche Wege gehen. Das Ego mischt sich ein. Es ist zu viel Unklarheit im Außen und ich weiß, dass in Wahrheit die Unklarheit in mir liegt, und nur in mir. Das Gefühl, das hat schon längst entschieden. Der Kopf ist sehr anderer Meinung. Aber das ist er ehrlich gesagt immer. Biete ich meinem Kopf eine Hopp oder Topp Situation: Er lehnt beide Möglichkeiten ab. Und so ist es. In jedem schlechten steckt etwas gutes und umgekehrt. Unser Verstand ist nicht in der Lage wirklich zu erfassen, was besser für uns ist. Unsere innere Stimme kann das. Sie kann uns warnen, wenn wir auf dem Holzweg sind. Sie warnt mich nicht. Vielleicht höre ich auch nur nicht hin? Bin schon zu gemindfucked, um das Offensichtliche zu erkennen? Oder führen diesmal alle Wege zum Ziel? Ist es vielleicht völlig egal, welche Entscheidung ich treffe, weil ich ohnehin das Lernen werde, was es zu lernen gibt? Gott, es wäre so einfach einfach einmal zu vertrauen. Nicht in andere Menschen sondern zu aller erst mal auf mich selbst. Wieder zu vertrauen, dass ich es im Griff habe. Das ich weiß was ich tue. Das meine Entscheidung richtig ist. Darauf zu vertrauen, dass es gut werden wird. Egal, wie es läuft. Vertrauen, dass das Leben es gut mit mir meint?

Warum ist es so schwer darauf zu vertrauen, dass das Leben es gut mit mir meint? Es ist so schwer, weil ich Angst habe. Und diese Angst nicht loswerde. Sie nicht loswerden will. Die Bachblüte die mir helfen soll. Natürlich habe ich sie nicht mal bestellt. Offener Widerstand. Ich habe Angst davor, dass die Blüte mir meine Angst nimmt und ich dann irgendetwas doofes tue. Ich vertraue mich selbst nicht. Dabei ist Vertrauen ein so schönes Gefühl. Glaube daran, dass es immer weitergehen wird. Das auf Schatten immer Licht folgt. Es könnte so einfach sein, aber ich traue mich nicht. Traue mich nicht die Angst zu überwinden, weil ich das Vertrauen nicht habe. Und weil ich keinesfalls die Kontrolle abgeben will. Es ist ein ewiger Teufelskreis.

Und mein Mind? Sagt dazu: Mädchen, mach Dir keine Sorgen, Du bist eh zu kaputt und das Thema Beziehung ist gerade nicht dran. So weit bist Du nicht. Und ich weiß, ja rational betrachtet: ich bin nicht so weit. Aber, ich werde nie wirklich so weit sein. Die Herausforderung ist es nicht endlich soweit zu sein. Die Herausforderung ist es den Mut aufzubringen sich in die Ungewissheit aufzumachen. Mit Mut und Vertrauen darauf, dass der Weg zu einem guten Ort führen wird. Auch, wenn man dort vielleicht nicht gemeinsam ankommt. Das Leben steckt voller Überraschungen. Oder voller Gefahren.Je nach Sichtweise. Noch bin ich unentschlossen…