krasser Scheiß

Inspiriert durch eine Signal Nachricht, las ich gerade noch mal Citalopram. Aus Sprachlosigkeit wurde krasser Scheiß. Nun trägt der Blog also einen anderen Namen. Ja, vor 2 Monaten war ich irgendwie klarer im Kopf. Jetzt hänge ich irgendwie in between fest. Zwischen dem Blog und heute liegen Welten. Den Weg von der einen in die andere habe ich nicht mitbekommen. Ich war auf Droge. Meine Gefühle dazu durch Medikamente verändert. Alles fühlt sich diffus und dumpf an. So als wäre es gar nicht real passiert. Ist es aber. Die Welt hat sich weiter gedreht, aber ich habe ein Black out. Was in dieser Zeit wirklich passiert ist, fehlt mir. Die Erinnerung fehlt.

Ich bin müde und ich bin sprachlos. Nicht weil ich nicht sprechen kann. Wo der Schuh drückt, fühle ich. Ich kann es nicht vermitteln. Jeder Versuch führt dazu, dass eine aufreibende Diskussion entsteht. Eine, die so sehr an meinem Thema vorbei geht, dass dieses am Thema vorbei, an sich schon wieder zum Thema wird. Unverstanden und vor allem nicht gehört. Ich möchte keine Rechtfertigungen, keine Diskussionen, es ist nicht mal ein Angriff und auch kein Appell, dass er sich verändern muss. Aber wenn es mir nicht gut geht mit irgendwas, dann darf das so stehen bleiben. Und vor allem ändert es nichts an meinem Gefühl dabei, wenn Er „findet, dass wir das alles ganz prima machen“. Das finde ich auch und will das keinesfalls in Abrede stellen. Das komische Gefühl bleibt trotzdem. Es wird eher größer als kleiner.

Ich werde dazu schreiben müssen, um herauszufinden was mit mir gerade los ist. Mich sortieren. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Jetzt muss ich ins Bett.

Befinden

Und wie geht es mir? Was würde ich antworten, wenn mich jemand fragt? Es kommt darauf an, wie nah mir jemand ist. Ach, ja, ganz gut. Bisschen Stress mit dem Chef. Bis hin zu einem Heulkrampf. Antworte ich mit dem Kopf oder mit dem Gefühl. Wie viel lasse ich zu? Aktuell? Ich drücke heute vieles weg. Kann mit meinen Gefühlen nicht umgehen. Traurig bin ich, und wütend, verletzt auch. Am meisten bin ich enttäuscht. Von was genau, ist mir selbst noch nicht ganz klar. Ent-täuschen. Über den Wortstamm sollte ich meditieren, vielleicht wird es dann klar. Aktuell ist alles wirr. Es geht mir nicht gut.

Citalopram

Nun ist es also so weit. Ich bin wieder „drauf“. Ich möchte mich selbst bestrafen, abwerten dafür, dass ich so schwach, so unfähig, so was weiß ich minderwertig bin. Unfähig ohne Medikamente zu überleben. Ich leide. Ich habe vorher gelitten und nun ist alles noch schlimmer. Komische Gefühle, die ich nicht kontrollieren kann. Emotional instabil. Nicht, dass ich vorher stabil war…. Aber jetzt herrscht Chaos im Körper, Ausnahmezustand im Gehirn. Schubladen, die neu sortiert werden und dazu Antrieb. Aggression könnte man es auch nennen. Ich bin nicht aggressiv und neige zum Glück auch nicht zu selbstverletzenden Handlungen. Ich kann nachvollziehen, warum in den ersten Wochen das Risiko für Suizid höher ist. Antrieb und dazu depressives Denken, es passt nicht zusammen. So überhaupt gar nicht. Es wird vorbei gehen. Danach wird alles anders sein. Einen weiten Weg bin ich schon gekommen. Aktuell könnte ich alles und jeden töten. Und heulen. Und kotzen, schlafen, vor Kopfschmerzen aus der Haut fahren, meine Beißschiene zerbeißen (sie ist zum Glück stabiler als sie aussieht. Noch hält sie)

Ich lese den Blog von vor knapp 4 Wochen. Ja, Ziel erreicht. Vor dem Neumond noch schnell ein paar Sachen los werden. Jetzt sind wir schon wieder in Richtung Neumond unterwegs. Spannend das zu beobachten. Gefühlt hatten wir gestern erst Vollmond. Die Zeit rast und steht gleichzeitig still. Ich meditiere. Und mache meine Deepak Chopra Meditation. Mit Medikamenten fällt es mir schwer. Die Gedanken rasen, überschlagen sich, lassen sich weniger kontrollieren als sonst. Manie. So fühlt es sich mitunter an. Es sind Nebenwirkungen. Es wird vorübergehen.

Wichtiger noch: Ich habe richtig gehandelt. Der Punkt mich selbst weiter zu quälen war lange überschritten. Ich muss das Zeug nicht immer nehmen. Ein paar Wochen, um aus dem Loch rauszukommen. Eine Basis zu schaffen. Und dann weitersehen. Und ich darf mir auch den Luxus gönnen das Zeug bis ans Ende aller Tage zu nehmen. Wenn es mir damit gut geht, warum nicht.

Wenn es mir damit gut geht. Viele Dinge, mit denen es mir nicht gut geht. Oder nicht immer gut geht. Viele komische Gedanken, die plötzlich wieder da sind. Dinge, die ich vergessen hatte. Verdrängt hatte. Dinge, die sich wiederholen. Das Gefühl nicht gesehen, nicht beachtet zu werden. Niemanden, der sich dafür interessiert, wie es mir wirklich geht. Der mir zuhört, sich auf meine Themen einlässt. Ich brauche keine Bewertung meiner Situation. Niemanden, der auf seinem Ipad seine Beobachtungen im Umgang mit meinem Sohn aufschreibt. Anmaßend und am Thema vorbei. Was alles nicht läuft, weiß ich selbst. Seit über 2 Jahren versuche ich Hilfe zu bekommen. Hilfe, für ganz konkrete Probleme. Was ich bekomme sind Bewertungen. Aussagen, was alles mit meinem Sohn und unserer Beziehung nicht stimmt. Wie ich es lösen kann? Dazu will keiner etwas sagen.

Und im Moment? Mein Sohn ist mein geringstes Problem. Wenn ich wieder auf die Reihe komme, werden sich die Dinge mit ihm auch verändern. Sie werden besser und leichter, einfach als Folge davon, dass es mir besser geht. Besser geht es mir, wenn ich lache. Gesellschaft habe, abschalten kann von meinem Mist, für einen Moment alles vergessen und in der rosa Blase des Augenblicks leben. Einen Plan habe, etwas worauf ich mich freuen kann. Und es tut mir gut zu wissen, dass jemand an mich denkt. Für mich da ist. Mich daran erinnert, dass ICH auch noch da bin. Freunde tun gut, das Gefühl nicht alleine zu sein.

Aktuell? Ich fühle mich so alleine, wie schon lange nicht mehr. Eingesperrt im Corona-Käfig. Diese Energie, sie kann nicht raus. Und sie ist nicht immer da. In Wellen kommt sie. Im einen Moment muss ich Bäume ausreißen, im nächsten Moment sofort schlafen. Eine lange Liste mit Nebenwirkungen. Krasser Scheiß. Ich hatte Angst, habe Angst und ich fühle mich alleine. Es kommt keine Frage Hey, wie geht’s Dir? Kommst Du klar? Ist alles ok? Nicht mal, wenn ich es anspreche kommt etwas. Nur ein „ich stand unter Strom. Gute Nacht.“. Davor wieder ein „wenn ich irgendwas tun kann“. Es erinnert mich an den Tod des Opas. Ein paar hohle Phrasen und Rückzug. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht ein Ausdruck von Überforderung? Nicht wissen, was man tun soll und dann lieber in Deckung gehen?

Mein Gefühl bei der Sache ist das gleiche, wie damals. Genau dann, wenn ich Dich am nötigsten brauche, ziehst Du Dich zurück. Bist nicht da und machst damit alles nur noch schlimmer, als es ohnehin schon ist. Es ist eine Sache alleine zu sein mit seinem Scheiß, wenn man ALLEINE ist. Keine Freunde hat, die nachfragen könnten. Oder vorgezogen hat alleine da dadurch zu gehen. Wenn keiner Bescheid weiß, kann auch niemand da sein. Die Erwartung, dass der andere meine Gedanken liest, habe ich schon lange nicht mehr. Wenn ich aber darüber gesprochen habe, etwas von mir geteilt habe, dann erwarte ich eine Reaktion. Wenn es einem mir nahe stehenden Menschen schlecht geht, er krank ist, dann frage ich nach. Halte den Kontakt. Einfach weil ich weiß, wie wichtig es ist, sich nicht alleine zu fühlen. Gerade in Situationen in denen man sich ohnehin von der Welt gefickt und unendlich einsam, alleine und ungeliebt fühlt.

Und dann denke ich mir. Wie oft hast Du in den letzten Wochen gefragt „ist alles ok?“. Mehrfach. Warum habe ich gefragt? Weil ich spüre, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Es ihm nicht gut geht. Jetzt erzähle ich mir eine Geschichte dazu. Eine Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Ja, man kann nur für andere da sein, wenn es einem selbst gut geht. Ihm geht es nicht gut, auch wenn er darüber nicht sprechen will, es vielleicht selbst noch nicht mal gemerkt hat. Also, was erwarte ich? Es hat nichts mit mir zu tun. Mit mir ist alles ok, ich habe nichts falsch gemacht. Der Grund, warum er sich zurückzieht, nicht für mich da ist, hat nichts mit mir zu tun. Er hängt halt in seinem Film und ist blind für andere.

Und ja, damit kann ich gut leben. Tut nicht weh, ist halt so. Warum bloß ist mir plötzlich so schlecht? Darum. Ich will mir keine Geschichten mehr zurecht fucken, warum irgendwas nicht weh tut, weil der andere ja gar nicht anderes kann oder es nicht so gemeint hat. Ich will auch nicht die Johanna-Theorie, wonach ich selbst schuld bin, weil er mir nur das spiegelt, was ich eh schon in mir trage. Nämlich mich selbst nicht wichtig nehmen. Und noch weniger will ich irgendwelche Drama-Queen-Auftritte, um auf mich aufmerksam zu machen. Es ist mir zu anstrengend und es tut mir letztlich nicht gut.

Ich werde nicht mehr darum kämpfen, dass ICH gesehen werden oder für irgendjemanden zähle. Dieses Gefühl wichtig und wertvoll zu sein. Ich werde darum nicht mehr kämpfen, dem nicht mehr hinterher hecheln. Darum betteln, dass irgendjemand mich doch bitte mag. Sich irgendjemand erbarmt dieses kaputte Stück von der Reste-Rampe irgendwie wenigstens ein kleines bisschen lieb zu haben. Ganz im Gegenteil: Die anderen können sich glücklich schätzen, wenn ich bei ihnen bleibe. Und wenn man mich gut behandelt, dann bleibe ich freiwillig und gebe gerne viel zurück. Aber dieses bleiben wollen, muss man sich verdienen. Durch Wertschätzung und Vertrauen. Durch die Bereitschaft sich auf mich einzulassen. Mich so sein zu lassen, wie ich bin. Mir beim Wachsen zu helfen und mich nicht zu beschneiden.

Anpassung ist mein zweiter Vorname. Ich kann so ziemlich überall wachsen. Es macht mir nicht mal etwas aus. Solange ich heil bleibe und das Gefühl habe, dass sich jemand daran erfreut, dass ich dort wachse. So, wie es die Umstände eben zulassen. Erwarte nicht, dass ich im Winter in voller Blüte stehe. Oder monatelang ohne Wasser überlebe ohne dabei gelbe Blätter zu bekommen. Dieses Gefühl, dass sich irgendjemand an mir freut. Aktuell habe ich es nicht. Nur fällt mir langsam auf, dass es nicht meine Aufgabe ist diese Freude zu erzeugen. Ich muss nicht darum kämpfen gesehen zu werden.

Der Neumond. Ja, da ging es um den Job. Und tatsächlich hat sich das geklärt. Nicht auf einer konkreten Ebene, gefühlsmäßig hat sich das geklärt. Ich kann dort nicht wachsen und einfach weiter „existieren“ werde ich nicht. Ich bin bereits dort ausgestiegen, es hat sich nur noch nicht konkret manifestiert.

Gestern Abend lag ich im Bett und war traurig. Irgendwie enttäuscht. Viel habe ich über Erwartungen nachgedacht. Erwartungen, die man nicht haben sollte. Ich möchte gar nichts erwarten. Keine negativen Gefühle, weil Erwartungen nicht erfüllt werden. Was ich möchte ist das schöne Gefühl, dass jemand an mich denkt. Sich für mich interessiert. Das ich jemandem wichtig bin. Bis heute morgen hatte sich das Gefühl zu Tränen gesteigert und ist dann in Wut übergegangen. Schlechte Laune. Ich kenne das Gefühl. Mein Tod des Opas hatte ich es schon mal.

Was jetzt anders ist? Letzes Jahr hatte ich eine Erwartung. Die habe ich jetzt nicht mehr. Es fühlt sich frei an. Unabhängig, was kommt oder nicht. Das Gefühl „hey, jemand denkt an Dich. Ist da, wenn Du ihn brauchst“. Es ist ein schönes Gefühl. Vor ein paar Tagen ist diese Dankbarkeit noch in einen Text geflossen. Heute fühlt es sich anders an. Seit Tagen schon fühlt es sich anders an. Dieses nicht gesehen werden. Blöde Sprüche „wie lange willst Du dieses 5-HTP noch nehmen“, Bewertung „mein Gefühl sagt mir bei euch muss sich einiges grundsätzlich ändern“. Ach, es muss sich was ändern? Es hinterlässt dieses blöde Gefühl von „hörst Du mir eigentlich zu?“.

Und während ich merke, wie sehr ich mich darüber aufrege. Auch wie sehr es mich verletzt. Nicht ernst genommen mit meinen „Kinder-Problemchen“. Und ja, genau das ist es. Ihn interessieren die Probleme anderer Leute nicht. Zu beschäftigt mit sich selbst, um überhaupt wahrzunehmen was um ihn herum passiert. Im Kopf wandert es in die „unwichtige Probleme“ Schublade und wird quasi vergessen. Ist ja eh nicht relevant. Nur wenn es um Kinder geht. Oh, alles was auch nur entfernt mit Kindern zu tun hat. Das sind echte Probleme, um die sich Mutter Theresa sofort und höchstpersönlich kümmern muss. Die ihn beschäftigen, tagelang. Hat es nichts mit Kindern zu tun, dann kommt höchstens noch eine Scheidung oder Fremdgehen in Betracht. Das ist auch immer gut, um sich tagelange damit zu beschäftigen. Keine Werte mehr auf dieser Welt.

Keine Werte. Er geht nicht zum Coach und ich nicht mehr mit ihm ins Bett. Wie lange ist es her, dass ich das geschrieben habe? 6 Monate vielleicht? Ich bin wieder an dem Punkt. An dem Punkt, an dem ich merke, dass er mir überhaupt nicht gut tut. Dieser unerlöste Scheiß, den er mit sich rumträgt. Ich bekomme es ab. Bekomme die Konsequenzen dieses Verhaltens ab. Und es tut mir nicht gut. Da kann ich an mir selbst arbeiten so viel und so lange ich will. Und jeden Tag 3 h meditieren. Es wird nicht besser davon werden. Das Problem bin nicht ich. Nicht ausschließlich ich. Und ich bin nicht bereit das alles als meine alleinige Lernaufgabe anzusehen. Zumal meine Aufgabe gerade ist zu lernen, dass ich nicht alles aushalten muss, lernen, die Dinge so zu verändern, dass sie für mich passen.

Ja, eines dieser Dinge ist, darüber sprechen. Ansprechen, wenn es mir nicht gut geht. Benennen, was sich nicht gut anfühlt. Gemeinsam eine Lösung finden. Was, wenn der andere nicht mitmacht? Nur zum Schein? Kurze Verbesserungen, aber dann ist alles wieder beim Alten. Seit einem Jahr mache ich das im Job. Seit fast 2 Jahren mit dem Mann. Und? Wie lange möchte ich mich noch selbst quälen? Wie oft wiederholen, was mir nicht gut tut? Wie oft akzeptieren, dass es immer wieder in die gleiche Schiene zurückfällt? Same same, but different. Ist doch jetzt anderes, was willst Du / wollen Sie überhaupt? Was ich will? Ehrlichkeit. Wenn ich weiß, was Sache ist, kann ich mich darauf einstellen. Meine Schlüsse daraus ziehen. Entscheidungen treffen. Mit komischem Verhalten besser umgehen. Weniger auf mich beziehen. Dinge nicht auf mich beziehen. Ich kann das. Viel besser als früher. Was aber immer noch passiert? Beziehe ich die Dinge nicht auf mich, dann fehlt irgendwann die Interaktion. Es wird mir gleichgültig. Ich distanziere mich, um nicht verletzt zu werden. Im Job ist diese Distanz gut, sie schützt mich. Private Beziehungen mit Distanz verlieren ihren unschuldigen Charakter. Distanz bedeutet immer, auch einen Teil zu verdrängen. Wegzufucken. Den anderen nicht mehr vollständig ernst zu nehmen. Würde ich es ernst nehmen, dann müsste ich mich damit beschäftigen. Die Distanz ginge verloren.

Ich möchte keine Distanz. Bekannte habe ich genug und eine Maske muss ich im Büro bereits tragen. Ich möchte auch kein Mindfucking. In keiner Weise darüber nachdenken, warum Du Dich jetzt so verhalten hast. Nicht mal im Ansatz nachgrübeln, was ich vielleicht falsch gemacht haben könnte. Verhalten interpretieren. Aber ich bin wieder an dem Punkt. Warum schreibt er gerade jetzt nicht? Warum muss ich durch diese schwierige Phase alleine? Und warum mir zusätzlich zu meinem anderen Mist auch noch solche Gedanken machen? Und ja, ich habe etwas besseres verdient. Tatsächlich habe ich verdient, dass mich jemand aufbaut und an meiner Seite ist. Diese Menschen gibt es zum Glück auch. Ohne würde ich verrückt werden. Der eine Mensch von dem er mir gerade besonders wichtig wäre, schweigt. Mein Mindfuck sagt mir, dass er mit sich selbst beschäftigt ist. Ich versuche nicht darüber nachzudenken, ob ich damit tatsächlich recht habe oder ob es doch irgendwas mit mir zu tun hat. Es wäre seine Aufgabe gewesen etwas dazu zu sagen. Auch ein „ich kann mich gerade mit Deinem Scheiß nicht beschäftigen“ ist eine Aussage.

Und ich merke: Es ist die alte Leier. Sprich mit mir, damit ich mir keine Gedanken machen muss, was los ist.Sei da, wenn ich Dich brauche. Sag, wenn Du irgendwas gerade nicht kannst. Aber schweig nicht. Schweigen. Es bringt mich um den Verstand. Mein Sohn, mein Chef, mein Freund. Alle schweigen sie.

Und ich? Ich habe keine Lust mehr zu schweigen. Und noch weniger habe ich Lust ständig zu sprechen. Mich zu wiederholen. Ich habe ohnehin nicht das Gefühl, dass MIR jemand wirklich zuhört.  

 

Interpretation

Zufällig habe ich den ersten Satz meines letzten Beitrages gelesen. Neumond. Mehr habe ich nicht gelesen. Ich werde es später tun. Es interessiert mich. Kurz vor Neumond noch schnell was loswerden, was ich nicht mehr brauche und danach neu durchstarten.

Diese Erkenntnis ist tatsächlich beruhigend. Ich weiß, was ich dieses Mal loslasse. Und ich bin mir ziemlich sicher, das der letzte Neumond es vorbereitet hat. Ich bin gespannt. Für den Moment lenkt es mich vom Thema ab. Ich hatte einen anderen Grund schreiben zu wollen. Gerade ist er mir entfallen. Neumond. Das Balkon schrubben hat mir viel Klarheit gebracht. Was will ich weg haben. Wie soll meine Zukunft aussehen. 4 Wochen Corona frei, also irgendwie frei. Anders als sonst. Schön, dass auch der Mond einen Neuanfang vorgibt. So fühlt es sich an. Radikal. Anders. Dieses ganze Corona-Ding, meine letzten Monate. Meine Intuition, die immer stärker wird. Ich spüre, wie die Dinge sich verändern. Aktuell alle auf einmal. Und das rasend schnell. Ich drifte nicht in die Eso-Schiene ab, von wegen Aufstieg der Erde und so. Aber letztlich ist es genau das. Das Bewusstsein erweitert sich und die Schwingung wird erhöht. Warum ich das spüre? Keine Ahnung, ich habe es schon immer getan. Auf eine Art. Je mehr ich zu mir finde, desto stärker wird es. Ich habe es besser integriert und kann damit anders für mich selbst umgehen. Letztlich sind es permanente Ausrufezeichen. Belege dafür, wie das alles zusammenhängt. Astrologie, Ressonanz, das Feld- Unsere Erde hat ein Feld und alle Lebewesen sind über dieses Feld mit allem und jedem verbunden. Punkt. Kein „das könnte vielleicht stimmen“, Gewissheit. So ist es und nicht anders. Wie mit der Wiedergeburt und Globuli. Mit dem Verstand betrachtet alles ganz großer Blödsinn. Im Herzen weiß ich, dass es dennoch wahr ist. Wir sind einfach noch nicht so weit, dies auch zu erkennen. In 50 Jahren wird das anders aussehen. Ich bin mir sicher, dass ich für einige meiner Theorien (Theorie ist eigentlich falsch, weil es vom Verstand kommt, Beobachtungen trifft es besser), ein wissenschaftlicher Beweise erbracht werden kann. Ich werde das noch erleben und dann jedem sagen „siehst Du, ich habe es Dir gesagt und Du wolltest nicht hören“ 🙂 Und nein, ums Klugscheißen geht es mir nicht.

Es ging auch nicht um den Neumond. Ein neuer Gedanke aufgrund des alten Blogs. Eigentlich ging es um Interpretationen. Meine Interpretation, dass mein Chef gerade nett ist und doch noch alles gut wird. Nichts wird gut. Warum nicht? Weil ich nicht will. Ich will mich nicht verändern. Nicht in diese Richtung. Vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ein Gefühl von „Nein, mit MIR ist alles in Ordnung. Ich bin richtig so wie ich bin.“ Und langsam kommt ein Gefühl von Wertschätzung auch für meinen Chef. Auch er ist irgendwie gut und richtig, er hat nur eine komische Art es zu zeigen. Er ist ok so wie er ist und darf gerne so bleiben. Nur für mich ist es der falsche Ort. Inkl. Krankheit vom Sohnemann bin ich jetzt seit knapp 2 Wochen überwiegend zu Hause. Plötzlich geht es mir besser, ich habe wieder Antrieb. Ich stehe morgens freiwillig auf. Es hat sich so viel verändert in so kurzer Zeit. Warum? Weil ich Corona frei habe. In meinem Kopf „muss“ ich die nächsten 4 Wochen nicht ins Büro. Und mein Körper fährt runter. Hauptsache nicht physisch anwesend sein müssen. Es ist traurig und krass und erschreckend, dass zu erkennen. Zu erkennen, wie sehr mir diese Firma und ihre Führungskultur zusetzt. Und zu erkennen, dass ich es mir freiwillig antue. Ich habe gewählt dort hinzugehen. Inzwischen habe ich gewählt zu gehen. Es ist eine Erkenntnis die immer mehr reift. Vielleicht auch die Erkenntnis, die am Ende dafür sorgt, dass ich bleiben kann. An einem sicheren Ort, wo man mich einfach in Ruhe so sein lässt wie ich bin. Und sich daran freut, dass ich Berge versetzen kann, wenn ich nur will. Und prinzipiell will ich. Wenn ich nur das Gefühl habe, auch zu dürfen. Der Gedanke, dass ich dort nicht bleiben kann, ist gereift. So weit gereift, dass ich nicht mal mehr negative Gefühle damit verbinde. Keinen Groll meinem Chef gegenüber, dass er mich weggeekelt hat. Das würde er niemals schaffen. Wie gesagt „Ich gebe das Projekt nicht her“. Ich muss das auch gar nicht. Ich habe 6 Monate Kündigungsfrist und noch gar keinen neuen Job. Gerade ist Corona, also finde ich auch keinen neuen. Alles ist gut. Die Erkenntnis, dass ich nicht bleiben werde, reicht. Die Erkenntnis, dass ich mir selbst mehr wert bin. Das ich so nicht mit mir umgehen lasse. Und vor allem, und das ist am wichtigsten, dass ich mir diesen Schuh nicht anziehe. Die Kritik an mir abprallen lasse. Seine Abwertung meiner Arbeit. 3 Finger zeigen auf ihn. Es ist ein Beweis für seine Defizite in der Führung, nicht für meine fehlende Kompetenz. Es ärgert mich, es regt mich auf, es bindet Energie. Aber es betrifft mich nicht persönlich. Ein Jahr und 2 Chefs hat es gebraucht, um zu verstehen: Mit mir ist alles ok. Ihr seid das wahre Problem! Was nicht heißt, dass nicht auch ich Dinge anders und besser machen kann. Konstruktive Kritik nehme ich gerne und breitwillig auf und an. Abfällige und nicht zielführende Kommentare prallen ab. Es ist eines der großen Dinge, die an diesem Neumond auf den Tisch kommen und ich bin gespannt, was davon sich im letzten Zyklus schon angekündigt hat.

Dieses ok so wie ich bin. Lange war ich nicht ok, hatte nicht das Gefühl ok zu sein. Überhaupt gar nicht. So gar nicht, dass ich aufgehört habe, ich selbst zu sein. Ich habe mich verstellt. Nicht bewusst, nein, mein Fokus war einfach darauf gerichtet die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen. Deren (vermeintliche!) Wünsche und mich selbst dabei hinten anzustellen. Und mich so in Situationen gebracht, die mir nicht gut getan haben. Beziehungen, in denen ich mich so verhalten habe, wie der andere das gerne wollte. In der Hoffnung dafür irgendwie Liebe zu bekommen, oder sie nicht zu verlieren. Eher letzteres. Ein Gefühl von „wenn die Leute nur wüssten, …“ Irgendwann vor kurzem ist mir gedämmert, wie das alles mit meiner Couch zusammen hängt. Diese Abneigung gegen zusammen wohnen. Dieses „jemanden anderen spielen“, das kann ich nicht 24/7 durchhalten. Deshalb mein Freiraum. Damit ich unentdeckt einfach so sein kann, wie ich bin. Meine Auszeit und ein Ort an dem ich ungestört tun kann, was ich will. Es gibt eine Erinnerung an meine Flöte. Die erste Zeit. Ich hatte gerade angefangen Unterricht zu nehmen. Und ich war für einen erwachsenen Anfänger echt gut und habe schnell gelernt. Ich war bei meinen Eltern und habe geübt. Nach 2 Minuten kam meine Mutter aus dem Garten ins Haus gestürmt und hat mich angebrüllt. Sie würde taub werden und es würde scheußlich klingen. Mein damaliger Freund wollte das Teil auch keinesfalls in seiner Wohnung. Er hat mir ziemlich klar zu verstehen gegeben, dass ich derart untalentiert bin, dass ich es lieber direkt wieder aufgeben sollte. Das würde nichts bringen. So wie man mich im Skiurlaub auch in der Skischule abgeben musste, …. Diese Flötengeschichte hat Spuren hinterlassen. Schon oft habe ich mich gefragt, wie viel von meiner Unlust wieder Unterricht zu nehmen, in Wahrheit darin begründet ist, dass ich nicht ungestört üben kann. Ich denke tatsächlich über die Nachbarn nach und es kommen so Gedanken wie „wenn nicht mal Deine eigene Mutter das hören will“. Bescheuert ist es, aber es sitzt tief.

Einiges von dem was tief sitzt, war so nicht gemeint. Ich habe es so aufgefasst, weil ich mich eh schon irgendwie minderwertig gefühlt habe. Oder Anerkennung für irgendwas wollte. Gesehen werden. Es hat nie wirklich funktioniert. Nie funktioniert, weil ich die Erwartungen nicht erfüllt habe. Sie auch gar nicht erfüllen konnte. Es ging nie darum. Die einzige Erwartung ist doch eigentlich, dass ich ich selbst bin. Mich so zeige, wie ich bin. Wem das nicht gefällt, was er sieht, der kann doch einfach gehen. Ich kann mich doch  nicht ändern und ich will das auch gar nicht. Für niemanden. Und warum auch? Warum sollte ich mit jemandem zusammen sein, der gar nicht mich will, sondern irgendeine Person, die ich spielen soll? Ein Rolle, die es auszufüllen gilt. Wie bei meinem alten Chef. Mein Rollenverständnis und wo ich noch an mir arbeiten müsste. Ich habe es auch noch versucht. Versucht, so zu sein, wie man mich haben wollte. Und mich selbst gequält, mir Strategien überlegt. Und ehrlich? Irgendwie habe ich das auch in Beziehungen getan. Mir überlegt, wie ich mich wohl verhalten sollte. Und im Zweifel war ich immer schuld. Den Schuh habe ich mir gerne angezogen.

Und heute stehe ich da und merke, hey, wenn ich mich nicht verstellen brauche, dann ich es auch überhaupt gar kein Problem nach Holland zu fahren. Und 3 Mal in der Woche Couch wäre sicherlich auch überhaupt kein Thema. Mehr? Keine Ahnung. Ich vermute, dass auch das gehen würde. Zumindest besser als ich es mir vorstellen kann. Diese Vorstellungen. Was habe ich mich verrückt gemacht mit Gedanken zu meinem Sohn. Wie sag ich’s ihm. Was sage ich überhaupt. Dieses ganze oh Gott und dann fühlt sich das bestimmt so und so an. In meinem Mindfuck gehen in der Regel sämtliche Beteiligte schwerst traumatisiert nach Hause und benötigen 3 Jahre Psychotherapie um wieder auf ihr Leben klar zu kommen. In der Realität? Im Moment ist es eher so, dass ich meinen Widerstand aufgegeben habe. Geschehen lassen. Keine Angst haben und mich meinem Schicksal ergeben. Und ja, Katrin hat es so oft gesagt: Vertraue dem Leben, denn es meint es gut mit Dir. Und es stimmt. Nicht schlimmes passiert. Ich bin auch nicht vorher nervös oder im Mindfuck. Es ist ok. Mehr als ok. Das ist eigentlich das Einzige, was mich aktuell beschäftigt. Die Tatsache, dass es ok ist. Das nichts schlimmes passiert. Das es auch meinem Kind gut geht. Nichts, aber auch gar nichts ist schlimm oder doof oder hat sich blöd angefühlt. Im Gegenteil. Normal hat es sich angefühlt. Nicht außergewöhnlich. Nicht wie „das erste Mal“ von irgendwas. Vielleicht ein Ergebnis von zu viel Mindfuck vor langer Zeit?! Im Kopf irgendwann mal alle 83 möglichen Varianten mehrfach durchgespielt. Irgendwie alles schon erlebt. Schlimmer erlebt. Wie gesagt, alle schwer traumatisiert. Und dann kommt die Realität um die Ecke und alles ist ganz einfach und läuft.

Läuft mag ich. Läuft ist irgendwie auch ein Zeichen, dass der Weg der Richtige ist. Egal, was am Ende dabei rauskommt. Solange es läuft, ist es richtig. Wenn es nicht mehr läuft, dann bin ich in der Regel irgendwo falsch abgebogen. Heißt von meinem Weg abgekommen. Und ja, ich gehöre auf meinen Weg und nur dort hin. Was auch immer dieser Weg bringt, wer mich begleiten wird, und wohin der Weg führt. Alles ist irrelevant solange ich auf meinem Weg bleibe. Dann wird alles gut, auch wenn nicht immer alles einfach und geradlinig ist. Aber das macht ja auch den besonderen Charme von Wegen aus. Verschlungene Waldwege, nie wissen, was sich hinter der nächsten Biegung verbirgt.

Angst ist da. Immer noch viel und vor so ziemlich allem und jedem. Was neu ist? Diese Angst lähmt mich nicht mehr. Sie beeinträchtigt mich nicht mal mehr. Beschäftigen ja, beeinträchtigen nicht. So schnell und plötzlich und extrem wie sie kommt, ist sie auch vergangen. Es tut gut diese Angst teilen zu können. Das die Angst da sein darf. Wie so oft bei Gefühlen. Sobald das Gefühl da sein darf, wird es schwächer und macht weniger Probleme. Und diese Angst ist nun mal ein Teil von mir, es ist schön, dass auch dieser Teil von mir ok ist.

Ganz überhaupt ist es komisch.Ich habe viel geheult heute. Nicht geheult geheult, aber es sind Tränen geflossen. Viele. Kurze Momente in denen das Wasser steigt. Vor allem bleibt aber zurück ein Gefühl von Stolz. Stolz auf mich selbst, dass ich so weit gekommen bin. Wie viele alte Baustellen ich schon hinter mir lassen konnte, wie viel weniger Schmerz in mir ist. Diese Liebe, die mir immer gefehlt hat, die ich im außen geglaubt habe finden zu müssen. Letztlich habe ich sie in mir selbst gefunden. Meine Liebe für mich. Ohne in Narzissmus zu verfallen, einfach ein Bewusstsein von „Du bist schon ziemlich ok“. Noch ist es unsortiert und passt nicht recht zusammen. Irgendwann später wird es klarer sein, werde ich mehr verstehen. Im Moment freue ich mich darüber, dass die Dinge einfacher werden. Zumindest fühlt es sich so an. Vielleicht auch einfach ein Resultat der größeren Klarheit. Auch so fühlt es sich an. Klarer wohin ich möchte, auch wenn das Ziel nach wie vor unbekannt ist. Es ist ok. Der Weg ist das Ziel und ich möchte gar nirgendwo ankommen. Was ich momentan möchte ist einfach wieder leben. Freude empfinden, Spaß haben, gesund sein, vor allem psychisch gesund. Energie und Lebensfreude haben. Blumen. Es gab mal eine Zeit, da habe ich mir regelmäßig selbst, welche gekauft. Es war Johannas Idee. Oder ihr Auftrag. Kauft euch selbst Blumen. Feiert, dass ihr lebt, tut euch selbst etwas gutes, macht euch eine Freude, belohnt euch für das was ihr jeden Tag leistet. Es ist untergegangen. In den letzten Monaten. Kein Dankbarkeitstagebuch (hauptsache ich habe eines verschenkt), keine Selbstachtung im Job. Und dann bekomme ich Blumen geschenkt. Und erinnere mich. Ja, das mit der Freude. Die Blumen auf dem Tisch. Und wie ich 100 Mal am Tag vorbei gehe und denke Blumen. Wie schön, dass es Frühling ist. Wie schön, dass der Frühling auf dem Tisch steht. Und mich jedes Mal wieder an den Blumen freue. Einfach nur Freude über Blumen.

Und Freude darüber welche geschenkt bekommen zu haben. Auch das. Weil es irgendwie noch mal ein Symbol von außen ist, eine Bestätigung. Ja, selbst Du hast Freude verdient. Und scheinbar findest nicht nur Du selbst Dich ok. Eine Erinnerung daran mir auch selbst wieder welche zu kaufen. Daran, dass auch ich häufiger anderen eine Freude machen sollte. Einfach so. Weil es gut tut. Jedem von uns irgendwie gut tut zu wissen, dass jemand an mich denkt. Auch wenn ich mir noch so sehr selbst genüge und keine Bestätigung von außen brauche. Gut fühlt es sich trotzdem an.

Und jetzt mache ich das Ganze rund und lese den Blog vom letzten Neumond. Möglicherweise fahre ich dann wieder Achterbahn im Kopf. Mal sehen, welche Erkenntnis ich erlange. Zwiebel. Wieder eine Schicht tiefer.

Nachtrag: Oh ja, was ein Thema und wieder eine Schicht tiefer. Ich habe mehrere Dinge für mich verstanden. Und ich bin mal wieder froh, es hier nachlesen zu können. Zufällig gefunden zu haben, trifft es eher. Es erinnert mich und bestärkt mich.

Ausweichmanöver

Der Neumond. Und eine harte Woche hinter mir. Viel ist passiert. Nicht nur letzte Woche, auch in der Woche davor schon. Schlecht ging es mir. Geht es mir immer noch. Aktuell ist alles wieder gut. Ich habe mich beruhigt. Mir selbst auf die Schulter geklopft, dass ich Dinge gut geregelt habe. Im Job geht es mir gerade wieder gut. Mein Chef ist nett zu mir. Überhaupt läuft es.

Auf einer anderen Ebene läuft gar nichts. Ich weiß es. Tief drin, weiß ich es. Es ist nicht gut für mich. Auch wenn es gerade so aussieht. Dort, wo ich jetzt bin, wird es nicht einfach werden. Nie einfach werden. Werde ich mich nie selbst verwirklichen können. Zumindest nicht einfach. Nicht ohne Kampf.

Was Blödsinn ist. Es gibt natürlich auch eine Phantasie, wie ich es ohne Kampf schaffen könnte. Dafür müsste ich eine Lektion lernen. Mich verändern. Aktuell gibt es dazu nur ein Bild von „mich verstellen“. Oder ein Bild von einfach das tun, was mir gesagt wird. Keine Verantwortung übernehmen. Beides funktioniert. Aber dafür müsste ich etwas loslassen. Ein bockiges, kleines Kind und möglicherweise auch einige Wertvorstellungen. So fühlt es sich an. Schon während ich schreibe, weiß ich, dass ich meine Werte nicht verändern muss. Nur die Glaubenssätze, die für mich für den Wert stehen, die müsste ich verändern. Was ich brauche, ist ein Coaching für einen anderen Blick auf die gleichen Dinge. Weite im Kopf. Freiheit im Denken. Keine Beschränkungen, kein das geht nicht, weil so und so und bla und blubb. Ein Gespräch mit einer Freundin, die mir den Buddhistischen Blick erklärt. Was tue ich Gutes? Das meine Aufgabe auch einfach sein könnte, gute Laune im Büro zu verbreiten. Ein offenes Ohr für die anderen zu haben. Auch damit leiste ich einen Beitrag zu mehr Glück und Zufriedenheit. Ein bisschen tue ich das. Habe dafür gesorgt, dass wir MA alle mal miteinander reden, um zu verstehen, dass der Chef zu allen gleich Scheiße ist. Das jeder Probleme damit hat. Jede von uns kommt aus dem Büro des Chefs und heult. Mal vor Wut, mal weil er einen fertig gemacht hat. Es hilft zu verstehen, dass es seine Art ist. Nicht ich bin das Problem, weil ich damit nicht klar komme. Er ist das Problem. Auch andere kommen damit nicht klar. Es nimmt die persönliche Note raus und damit ist es leichter zu ertragen. Und es tut auch gut mal darüber reden zu können. Auch das macht es leichter zu ertragen. Kurz: Auch wenn ich diese ganze Diskussion im eigenen Interesse angefangen habe, so merke ich doch, dass es auch meinen Kolleginnen gut tut offen zu reden. Der Zusammenhalt hat sich verändert und die Stimmung ist besser. Meine Freundin findet, dass das schon ausreicht. Mehr wird gar nicht von mir erwartet. Ich bin damit noch nicht zufrieden, aber ich sehe, was sie sagen will. Und ich verstehe, dass ich anders auf die Dinge blicken muss. Was verändere ich, was gebe ich der Welt zurück? Welche guten Taten habe ich vollbracht. Es zählt immer das Kollektiv. Zum Wohle aller Lebewesen. Das schließt mich ein. Ich darf egoistische Dinge tun, wenn die Intention eine Gute ist. Somit dürfte ich mich auch aus meiner aktuellen Position lösen und an einen Ort gehen an dem ich von größerem Nutzen für die Allgemeinheit bin. Einen größeren Teil zum Glück beitragen kann.  Das alles geht. Aber dafür muss ich die Vergangenheit loslassen. Aus meiner letzten Abteilung wurde ich gegangen. Gekündigt, in einer Scheißaktion. Ich trage das noch mit mir rum. Unverarbeiteter alter Scheiß. Millionen ungesagter Dinge, die ich noch in meinem Kopf habe. Diesmal soll es anderes sein. Der Fokus anders. Ich gehe nicht, weil es Scheiße ist oder weil mein Chef doof ist oder die Arbeit langweilig. Kein Vergleichen, kein Erklären, an einem anderen Ort wird es mir besser gehen. Und damit werde ich mehr gutes für andere tun können. Einfach, weil es mir gut geht und ich deshalb geben kann. Aktuell muss ich nehmen, weil ich echt im Arsch bin.

Und damit sind wir eigentlich auch schon beim Thema. Ich habe das gehört und auch verstanden. Irgendwie verstanden. Nun ist Neumond und ich lese:

Wage den Blick auf deine „Ausweichmanöver“, lausche deinen guten Begründungen (Ausreden). Jetzt ist der Moment um sie zu entlarven #augenzwinker. Deshalb: schreibe sie auf. Sei ehrlich mit dir – und verpflichte dich dir zu liebe, sie (endlich) loszulassen. Lass alte Muster los und ersetze sie durch neue – jene, die dich in der Entfaltung deines Potentials unterstützen.

Ja, meine Ausweichmanöver. Das Thema an diesem Wochenende. In jeder Meditation kam es hoch. Aber nicht genug. Heute sagte Alex, sie wäre dieses Wochenende nicht so sehr in die Tiefe gegangen, weil wir alle zu angespannt gewesen wären. Stimmt, war ich auch. Und ich war dankbar, dass sie jede Meditation abgebrochen hat, in dem Moment, wo es anfing in die Tiefe zu gehen. Wenn man statt 11 Minuten nur 4 Minuten macht, dann bleibt man eben an der Oberfläche. Was ich brauche? 20 Minuten, so oft bis ich einen Nervenzusammenbruch habe und dann 12 h Schlaf. Danach müsste ich vermutlich 287 Seiten Blog schreiben und danach von vorne anfangen. Ich denke, nach ca. 3 Mal wäre ich dann klar im Kopf.

Im Moment will ich aber gar nicht in die Tiefe gehen. In den letzten 2 Wochen habe ich im Job alle Stadien durchlaufen. Gerade ist alles ganz ganz toll. An der Oberfläche betrachtet. Es sieht aus als würde es funktionieren. Mit dem Chef kann man plötzlich reden. Hoffnung, dass ich ihm gewisse Dinge ausreden kann. Ich sehe den Weg. Sehe, wie es funktionieren kann. Und ich fühle mich gut, weil erstmal Ruhe ist. Und irgendwie Hoffnung und vielleicht wird das ja doch noch gut. Geschichten. Tief drin weiß ich, dass es Geschichten sind. Es ist Neumond. Ich bin wütend. Jede dieser Geschichten macht mich noch wütender. Alleine daran merke ich, dass irgendwas faul ist. Wäre die Geschichte wahr, würde sie mich nicht wütend machen. So einfach ist es. Das Ausweichmanöver. Bloß nicht an die echten Themen gehen. Nichts wirklich verändern.

Und ich lese weiter:

  • Deshalb an dieser Stelle, halte inne und reflektieren: Was ist es denn was so ganz dein ICH ausmacht? Was zeichnet denn DICH als Dich aus? Was sind deine Talente, deine Fähigkeiten, deine Gaben, deine Werte? Was macht dich zu dem einzigartigen Wesen, das du bist? 
  • Lebe ich mich? Bringe ich mich zum Ausdruck?
  • Oder lebe ich nur die eingeschränkte Version, und lasse das Bedürfnis nach Sicherheit und die Anpassung das ihre dazu beitragen?

Dem ist nichts hinzuzufügen. Natürlich lebe ich mich nicht und bringe mich auch nicht zum Ausdruck, was unter anderem auch damit zu tun hat, dass ich gar nicht so genau weiß, wer ich eigentlich bin und wie ich mich zum Ausdruck bringen könnte. Ich bin es so sehr gewohnt in der Anpassung zu leben. Man könnte meinen Ich bin die Anpassung. Bin ich aber nicht.

Ich bin dabei mich im Job anzupassen. Ich kann nicht mal sagen, dass sich das komplett falsch anfühlt. Ein Teil davon fühlt sich sogar gut an. Mich freiwillig anpassen. Aus Respekt meinem Chef gegenüber. Damit er sich gewertschätzt fühlt und mir diese Wertschätzung zurück geben kann. Wenn keiner dem anderen irgendwas heimzuzahlen hat, dann wird die Zusammenarbeit angenehmer. Davon bin ich überzeugt. Außerdem kann ich so vielleicht auch ein Stück loslassen, damit die Energie fließen und die Dinge gut werden können. Loslassen hilft ungemein, wenn man möchte, dass das Universum es richtet. Dort oben um Hilfe zu bitten, ist etwas was ich normalerweise tue, wenn ich vollkommen am Ende bin. Dann kann ich heulen wie ein kleines Kind und darum betteln, dass es einfach nur wieder gut wird. Egal wie. Dann geht es mir schlecht genug, um wirklich loszulassen. Vermutlich wünsche ich mir genau deshalb eine Hardcore Meditation mit anschließendem Zusammenbruch. Am Ende genug sein, damit ich um Hilfe bitten kann.

Der Plan ist aus einem Grund Scheiße. Wenn ich am Ende bin, dann kann ich die Chancen nicht wahrnehmen, die sich mir bieten. Dann kommt quasi die Hilfe und ich lasse sie vorbeiziehen, weil ich zu fertig bin. Weil mir alles egal ist und ich nur meine Ruhe will. Selbstzerstörung, das kann ich gut. Echt gut. Und mir Geschichten erzählen. Nicht soo schlimm und ganz ok. In meiner Welt reicht das. Hauptsache besser als Scheiße. Aber reicht das wirklich?

Wie oft in meinem Leben habe ich schon Dinge gesagt wie: „Wenn dieses und jenes nicht passiert, dann kündige ich / suche ich mir intern was anderes.“ „Ich gehe, weil es mir nicht gut tut“. Oder (ein Satz, der mir das ganze Wochenende über im Ohr war): Er geht nicht zum Coach und ich nicht mehr mit ihm ins Bett. Exakt 2 Wochen habe ich das durchgehalten.

Und ja, ich sage viel, wenn der Tag lang ist und oft reagiere ich über, Trotzkind lässt mit Bockanfall grüßen. Es gibt aber solche Sätze, die nach langem Überlegen entstehen. Spontan zwar, aber mit einem tiefen Gefühl von Wahrheit. Der Satz mit dem Coach war so einer. Der Satz, dass ich meinen Job wechseln muss, weil ich dort krank werde, ein anderer. Wahrheiten, die sich nach reiflicher Überlegung und langer Beobachtung „gezeigt“ haben. Ich weiß, dass es so ist.

Gestern stehe ich barfuss auf der Wiese. Nein, zu erst stehe ich im Matsch. Und merke, dass ich überall bin, nur nicht hier. Weder in Kleve, noch im Jetzt, nicht mal im Gestern. Einfach weg. Komplett ausgeklinkt. Ich laufe, bleibe immer wieder im Matsch stehen. Motze mich selbst an, einfach mal anzukommen und die verdammten Blumen auf der Wiese zu sehen, statt durch sie hindurch zu schauen. Es gelingt mir kaum. Ich laufe langsam, ich bin wütend. Ständig tue ich mir an kleinen Stöckchen auf der Wiese weh. Alles nervt. Ich will die Füße in den See halten, und lasse es bleiben, weil ich ausrutschen und im See landen könnte. Stattdessen trete ich in Brennnesseln. Und erinnere mich daran, dass ich 10 Min vorher schon mal Füße ins Wasser halten wollte und es wegen Brennnesseln nicht getan habe. Aber es ist ok. Ich komme langsam an. Die Brennnessel war deutlich. Ich laufe. Unendlich langsam, unendlich planlos und bocklos und wütend und mir selbst sagend: jetzt genieß die verdammte Scheiße endlich. Auf jeder Bank bleibe ich sitzen und meckere mich selbst an. Aber irgendwann, ich bin schon fast am Ende, erinnere ich mich an das schamanische Buch, an die Wanderung. Und plötzlich ist es mein Weg vor mir, den ich gehe. Wütend, aber bereit mir anzuschauen, was er mir zeigen will. Ein völliges Anti. Gut, dann zeig mir den verfickten Weg, wenn Du es nicht lassen kannst. Und so stapfe ich stur gerade aus. Über kargen Boden, mit vielen Ästchen und anderen Fußpieksern. Ich muss erst ein paar Mal mit Absicht auf den Scheiß treten. Trotzkind lässt grüßen. Ist ja mein Weg habt ihr gesagt…. Und dann sagt die Stimme ich meinem Kopf plötzlich „bist Du eigentlich total bescheuert? 20 cm weiter links ist Moos und keine Ästchen. Moos und saftiges Grün so weit das Auge reicht und Du willst unbedingt weiter über Steine und Mist laufen??“ Und ja, ich habe es eingesehen. Bin ich eigentlich total bescheuert? Wer hat überhaupt gesagt, dass ich da lang muss? Es ist doch MEIN Weg. Der muss nicht mal ein Ziel haben. Es geht keinen irgendwas an. Ich kann so schnell oder so langsam gehen, wie ich will. Naja, irgendwann reift auf die Einsicht, dass ich es mir tatsächlich auch mal einfach machen darf. Klar kann ich barfuss über Steine laufen. Aber warum sollte ich? Um mir und der Welt zu beweisen, dass ich KANN? Ich muss das niemandem beweisen. Und ich selbst weiß, dass ich kann. Sogar über glühende Kohlen KANN ich laufen und durch Schnee. Es reicht. Ich brauche das alles nicht mehr. Mein Weg darf einfach sein. Punkt. Dann liegt da dieser Ast und der Impuls drumherum zu gehen. Wieder frage ich mich „bist Du doof und lässt Dich von einem einzigen Ast von Deinem Weg abbringen? Warum einen Umweg machen? Steig doch einfach drüber!“ Bin ich dann auch. Hat sich gut angefühlt. Der Ast war mein Chef. Was es bedeutet, ist mir überhaupt nicht klar, aber über das Hindernis bin ich locker hinweggestiegen und es hat mich nicht aus dem Konzept gebracht. Mir selbst treu bleiben. Irgendwann endet der Weg. Wenige karge, pieksige Schritte bis zum Zaun. Ich weiß, dass der Zaun da ist, es war klar, dass ich hier umdrehen und einen anderen Weg zurück finden würde. Der Impuls auch noch die letzten kargen Schritte bis zum Zaun zu gehen, ist da. Und wieder: Was zur Hölle willst Du am Zaun? Warum bis an die Grenze gehen? Du verschwendest Zeit und sie wird nicht mal gut sein. Warum? Einfach weil Du kannst?“

Natürlich gehe ich nicht zum Zaun. Natürlich laufe ich einen Bogen zurück. Durch Moos. Einen anderen Weg zurück. Irgendwann tauchen Hindernisse auf. Dicht an einer Laterne vorbei oder das Moos verlassen. Eigentlich sehe ich keinen guten Weg bis zur Brücke. Plötzlich taucht eine Teilnehmerin auf. Befragt mich zum Barfuss laufen. Ich erzähle während wir gehen. Kurz vor der Brücke verabschiedet sie sich und ich stehe auf Moos. Wie ich zurück ins weiche Gras gekommen bin, weiß ich nicht. An den „aussichtslosen Weg“ erinnere ich mich nicht. Manchmal ist also einfach nur Ablenkung scheinbar gut. Sich ablenken lassen und gar nicht so genau hinschauen, wohin man geht. Hauptsache nicht stehen bleiben. Die Brücke ist steinig, das wusste ich vorher. Eine Durststrecke, die ich bewusst in Kauf nehme, um „auf die andere Seite zu kommen“. Drüben angekommen überrascht mich ein Meer voller Gänseblümchen in saftigst grünem, feuchtem Frühlingsgras. Es ist meine Belohnung für den steinigen Weg und schöner als ich es mir vorgestellt habe. Mut und sich selbst treu bleiben, auf dem eigenen Weg bleiben. Sich nicht aus dem Konzept bringen lassen.

Ausweichmanöver. Abwarten. Meine eigenen Entscheidungen in Frage stellen. Sie nicht umsetzen. Immer wieder. Es ist schon lange kein ein Schritt vor und zwei zurück mehr. Es sind zwei Schritte nach vorne und einer zurück. Einer zurück ist einer zu viel. Stehenbleiben ist ok. Aktuell stehe ich. Kein Schritt mehr zurück. Nach vorne.

Kopf

Und der Kopf läuft und läuft und läuft und läuft. Und erzählt Geschichten. Geschichten vom Sommer. Meine Kündigung. Alles vermischt sich. Ein halbes Jahr später wieder holt es sich. Nicht ich, er und der andere. Aber ich bin am gleichen Punkt. Ich erzähle mir permanent Geschichten zu meinem Chef. Und rechtfertige und erkläre mich dafür, dass es mir schlecht geht. Dort schlecht geht. Ich bla und blubbe. In meinem Kopf. Eine never ending Story aus hunderttausend Teilen, die ich für mich zusammen werfe und die alles so unglaublich furchtbar erscheinen lassen. Es ist nicht so furchtbar. Nicht immer. An manchen Tagen ist es nett. Wirklich nett. Es liegt auch an mir und meiner Laune. Aber vor allem spiegele ich die Vibrations aus dem Büro. Die Launen des Chefs. Diese Überheblichkeit. Das ständige Schlechtmachen und Klein machen von anderen Leuten. Seinen Mitarbeitern. Es ist zum Kotzen.

Ich fühle mich schlecht. Fühle mich so, als wäre ich verpflichtet zu bleiben. Schuld. Wenn ich gehe, bin ich schuld. Ich habe mich weg beworben. Mich schuldig gemacht. Meine eigenen Wertvorstellungen. Ich habe gesagt, also bleibe ich. Und wenn ich dabei drauf gehe. Ich muss. Ich habe es gesagt 1,5 Jahre. SAP einführen. 6 Monate sind um. Ich darf noch nicht gehen. Wenn ich bleibe, werde ich vor die Hunde gehen. Was irgendwie mein persönliches Versagen ist. Ich bin wohl nicht hart genug im Nehmen, habe mich nicht genügend angestrengt.

Objektiv betrachtet? Ich bin viel zu teuer für das was ich tue. Ich mache es nicht gut, weil ich a) nicht darf und b) inzwischen auch keinerlei Motivation oder Freude bei der Arbeit verspüre. Ich mache keinen guten Job. Alleine meine Gehaltsklasse spiegelt das Maß an Verantwortung und Handlungsfreiraum wieder. Sollte man meinen. In dieser Firma läuft es scheinbar anders. Es ist merkwürdig und ich weiß nicht, ob ich damit klar komme. Wirklich klar komme. Möglicherweise finde ich eine kleine Insel der Glücksseeligen im Vertrieb. Eine rosa Blase aus der heraus sich das graue, unfassbar angestaubte und veraltete System ertragen lässt.

Eine Insel. Privat komme ich langsam wieder auf meiner Insel an. Meine Wohnung sieht immer noch aus wie… Aber es ist nicht mehr so schlimm, wie es war. Ich koche. Und habe Brot gebacken. Etwas hat sich verändert. Es hat auch mit der Veränderung im Job zu tun. Es geht einfach nicht mehr. Nun wird eine Veränderung kommen. Wie drastisch sie ausfällt, wird die Zukunft zeigen. Ich habe es abgegeben. Es fällt schwer. Unendlich schwer einfach abzugeben. Passieren zu lassen, was eben passiert. Wie es passiert. Ich habe klar, dass ich dort und so und überhaupt nicht mehr arbeiten kann. Punkt!

Und was kommt nach dem Punkt? Ich muss es einfach loslassen. Jeden Gedanken an hätte wäre wenn. Es kommt anders. Die Gespräche mit meinem Chef laufen in echt auch sehr anders ab, als in meinem Kopf. Ich sollte es einfach lassen. Mir keine Gedanken mehr machen. Es kommt, wie es kommt. Es wird für irgendwas gut sein. Und wenn es nur ist, dass ich es ausgesprochen habe. Dort zu arbeiten macht mich krank. Keine Rechtfertigungen. Es hat auch niemand Schuld daran. Es sind einfach 2 Welten, die aufeinander prallen. Was mein Chef von mir möchte, kann ich ihm nicht geben, ohne mich dabei doof zu fühlen. Was sich für mich gut anfühlt, passt für ihn nicht. Und alles entscheidend: Wir können nicht darüber reden. Keine konstruktive Lösung finden. Bla bla, und ich erkläre schon wieder.

Niemand trägt Schuld daran, dass ich mich dort schlecht fühle. Aber es ist Fakt, dass die Arbeit mich krank macht. Damit ist niemandem geholfen und ich muss aus Liebe zu mir selbst meine Konsequenz daraus ziehen. Auch wenn es mir aus verschiedenen Gründen persönlich schwer fällt. Ich habe die Aufgabe für mich zu sorgen. Zu aller erst für mich.

Seid ich weniger arbeite, geht es meinem Sohn besser. Es ist Fakt. Nicht, weil ich mehr Zeit für ihn habe. Nein, ich habe mehr Energie. Es geht mir, mir ganz persönlich, einfach wieder besser. Weil die Dosis Psychoterror geringer ist. Und ich endlich wieder etwas runterkomme. Nur die letzten Tage dreht sich wieder alles. Die alte Geschichte. Und wieder Unsicherheit. Was passiert jetzt? So ungefähr  muss sich die Kuh vor der Schlachtbank fühlen. Und ich blöde Kuh wohne auch noch neben meinem persönlichen Schlachthaus. Gehe jeden Tag hin und komme doch fast immer lebend wieder heraus. Ich brauche einen anderen Fokus.

Schlafenszeit

Ich sollte schlafen und nicht schreiben. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr schreiben. Naja, nicht gar nicht mehr. Aber zuletzt hat mich die Börse und die Vermehrung meines Geldes mehr interessiert als vieles andere. Was ok war, denn bisher hat es sich gelohnt. Nun werden wir austesten wie krisensicher mein Depot ist oder wie schnell ich mir in die Hose mache. Noch nicht, aber es fehlt nicht mehr viel. Abwarten.

Im Job habe ich lange genug gewartet. Es muss etwas passieren. Wird etwas passieren. Ich kann es gar nicht aufhalten. Nur in die Hand nehmen sollte ich es langsam. Fokus weg von irgendwelchem Geld und wieder hin auf mein Leben. Das Geld kann warten. Aktuell macht es jeden Tag Plus. Und wenn auch nur 21,33 EUR wie heute. Solange kann ich ruhig weiterschlafen.

„Sie sind eine komplizierte Person“. Ich muss mir sowas von meinem Chef nicht sagen lassen. Irgendeine Grenze wurde überschritten. Nicht zum ersten Mal. Aber ich mag nicht mehr. Und ich kann auch nicht mehr. Es laugt mich aus. Dieser Job und die ganze Firma laugt mich aus. Keine Lebensfreude mehr. Für was? Und für wen? Aber es sind nicht nur die anderen auf deren doofen Sprüche ich keinen Bock habe. Es ist auch mein eigener Mindfuck, vor dem ich Angst habe. Kündigen, ohne einen neuen Job zu haben. Und mein altes Problem: Nicht gehen können, bevor ich etwas nicht zu Ende gebracht habe. Koste es was es wolle. Ich habe gesagt, dass ich bleibe, gesagt, dass ich etwas tue. Und dann tue ich es auch. Weil ich mich verpflichtet fühle. Es würde gegen meine Werte verstoßen zu gehen.

Selbstliebe sollte aber ein höherer Wert sein. Ich bin mir selbst gegenüber viel mehr verpflichtet als anderen. Mir und meinem Kind. Was zur Hölle tue ich jeden Tag in dieser Bumsbude? Um fertig und demotiviert nach Hause zu kommen und nichts mehr auf die Reihe zu kriegen. Weil ich tatsächlich nur noch vergessen will. Und der Gedanke an den nächsten Tag mich fertig macht. Wie Leben fühlt es sich nicht an. Funktionieren. Mehr ist es nicht. Und auch das nicht mehr besonders gut. Es fehlt vieles.

Werde ich es morgen schaffen mit meinem Chef zu reden? Werde ich ihn überhaupt jemals dazu bekommen mir zuzuhören? Zu verstehen, was ich zu sagen habe? Oder endet es so oder so im Bösen? Mir ist nicht klar, mir wem ich zu erst spreche. Mit meinem Chef oder seinem Counterpart im Accounting? Auch das fühlt sich falsch an und hinten rum.

Ich muss schlafen. Schlafen und vergessen. Jeden Tag aufs Neue. Nicht daran denken, was morgen kommt bis morgen da ist. Zu Hause trödeln, um möglichst lange „nicht gehen“ zu müssen. Für was?

Machen

Machen ist wie wollen, nur krasser. Oder so. Und ich wollte ja einfach machen. Ich habe noch mehr Aktien gekauft. Und mit meinem Chef gesprochen. Urlaub bekommen. Und einiges angesprochen, auch wenn vieles nicht angekommen ist. Mein Chef ist kein Held in Selbstreflektion. Aber ich habe etwas erreicht und irgendwie auch dafür gesorgt, dass die Beleginventur schnell und reibungslos über die Bühne geht. Ich hatte mir ein Besäufnis verdient.

Und komischerweise war es wirklich ok. Keine Sekunde Mindfuck über hätte wäre wenn. Kein Gefühl irgendwas kontrollieren zu müssen. Im Laufe der letzten Woche hat es sich irgendwie rauskristallisiert. Ohne das irgendjemand etwas gesagt hätte. Eine Gewissheit, dass es keinerlei komische Momente geben wird. Unausgesprochen, aber dennoch da. Gab es auch nicht. Abends, kurz vorm Einschlafen, spricht er es aus. Ja, ging mir genauso. Gut so. Auch gut, dass ich aufgehört habe mir vorher Filme zu fahren. Dinge kompliziert machen, die eigentlich ganz einfach sind. Es ging nie darum. Wäre es auch mit 30 kg weniger nicht gegangen. Nicht mal im Ansatz.

Aufhören mir selbst Dinge kaputt zu machen. Durch mentale Vorwegnahme von Dingen, die so gar nicht passieren werden. Rückblickend betrachtet erscheint es sinnlos. Was allerdings nicht sinnlos ist, ist Klarheit. Es hilft zu wissen, was ich möchte. Was ich nicht möchte. Klarheit in meinem Inneren führt dazu, dass sich auch im Außen die Dinge so ergeben, wie ich es möchte. Tatsächlich ist es eigentlich ja auch vollkommen logisch. Das Gesetz der Resonanz. Ich bekomme den Anteil gespiegelt, der gerade auch in mir präsent ist. Wäre ich innerlich zerissen gewesen, hätte ich genau diese zweideutige, unklare Situation serviert bekommen. Sende ich es nicht aus, bekomme ich es auch nicht zurück. So einfach kann es sein. Nee, nicht kann. So einfach ist es. So einfach, wenn ich aufhöre es kompliziert zu machen.

Kraft

Selten habe ich mich so ausgekotzt gefühlt. Gestern bin ich um 10 ins Bett gegangen. Und heute morgen um 8:18 aufgewacht. 3 Wecker verschlafen. Ich kann nicht mehr. Heute wieder keine Gelegenheit mit dem Chef zu reden. Nein, falsch. Ich hatte es mir ohnehin für morgen vorgenommen. Weil es der bessere Tag ist. Egal, Kraft ist nicht mehr da. Es fühlt sich nach umfallen an.

Eine lange Chat-Nachricht. Und doch nicht alles gesagt. Irgendwo zwischen den 3 Millionen Dingen, die ich gerne noch mal gesagt hätte und die doch irrelevant sind, weil es vergangen ist. Und den 3 Millionen Dingen, die ich gar nicht mehr sagen will. Ich will nicht mehr. Dazwischen kommt ein Gefühl von verstehen. Wie ich mich gerade fühle. Wie er sich möglicherweise gefühlt hat. Nicht können. Ein Teil, der will und einer, der auf gar keinen Fall will. Und dann in einem nicht können endet. Weil die Konsequenz einfach zu viel Angst macht. Jeder mit seinen eigenen Ängsten und Befürchtungen. Mitgefühl. Es ist mir abhanden gekommen. Zu angespannt bin ich.

Vertrauen. Ich schreibe, dass ich nicht kann. Nicht weiß, ob ich kann. Die Wahrheit ist, dass es nicht meine Entscheidung ist. Es passiert oder es passiert eben nicht. Das Vertrauen, es ist da oder eben nicht. Willentlich kann ich nichts davon beeinflussen. Das Vertrauen ist da. Leider. Es wird wieder da sein und es geht nicht weg, nur weil ich das gerne so hätte. In meinem Mindfuck kann ich mir das erzählen. Und ja, da ist viel Angst und ein einziges großes geh weg. Komm mir bloß nicht zu nah. 2 Meter Abstand. Mindestens. Der andere Teil von mir will mit ihm schlafen. Was ein Problem darstellt, wenn man die Person nicht in seiner Nähe haben, nicht von ihr berührt werden will. Der geh weg Teil, er schwingt immer mit. Ich bin müde. Ich will nicht mehr denken, nicht mehr fühlen. Und gerade nicht handeln. Nichts tun. Es erscheint mir als die logische Konsequenz. Vor allem nicht reden. Auf gar keinen Fall über alten Scheiß reden.

Sex wäre schön. Es ist lange her. Zu lange. Geht einfach nur Sex? Ohne reden? Es fühlt sich besser an. Weniger gefährlich mit weniger geh weg. Und warum mir selbst etwas vormachen? Den Sex habe ich sehr genossen. Er fehlt mir. Sehr.

2 Ebenen

Zu allem gibt es 2 Seiten, 2 unterschiedliche Ebenen. Das halbgare Zeug, das bin ich selbst. Deshalb laufe ich gerade aus. Es ist die Mitte zwischen beidem. Völlig am Ziel vorbei. Das Ziel befindet sich links oder rechts. Vermute ich. Als an einem der beiden Enden. Was gerade aus liegt, ist mir nicht klar. Aber ich laufe darauf zu. Mit großen Schritten.

Aktuell kann ich mich nicht entscheiden. So fühlt es sich an. Die Entscheidung ist längst getroffen. Alle Entscheidungen sind getroffen. Ich setze sie nur nicht in die Tat um. Habe Angst zu meiner Meinung zu stehen. Ich habe mich auf einen Job beworben. Ihn bekommen, unter falschen Versprechungen. Nun habe ich die Chance, oder potentiell die Chance, genau das zu machen, was in meinem Bewerbungsschreiben stand. Ich muss meinem Chef gegenüber nicht loyal sein. Aber das würde gegen meine Werte verstoßen. Aber es hindert mich absolut nichts daran, den Wunsch auszusprechen. Zu sagen, hey, Du siehst es als „mein Hobby“ an. Aber dieses Hobby entspricht ziemlich genau dem, was ich machen wollte als ich mich hier beworben habe. Und Datenbank kann ich zudem besser als SAP. Lass mich Deinen Job zu meinem „Hobby“ machen. Das kann ich sagen. Den letzten Satz schenke ich mir. Darauf muss Chef selbst kommen. Bzw. dieser Teil liegt außerhalb meiner Kontrolle. Den Wunsch, den darf ich haben. Und ich darf ihn äußern. Es ist unabhängig von meiner Loyalität. Das Problem ist: Ich werde bleiben und einen Job machen, der mir keine Freude bringt. Weil ich es versprochen habe. Aber ich werde es nur unter der Bedingung machen, dass ich wirklich darf. Die Einführung zu Ende bringen. Ohne blabla und kompliziert und hast Du nicht gesehen. Einfach fertig werden. Ohne dieses Licht am Ende des Tunnels, werde ich kündigen. Ich habe errechnet, dass ich von meinem Ersparten ca. 200 Monate meiner Miete zahlen könnte. Das sind ungefähr 16 Jahre. Objektiv betrachtet, komme ich klar. Ich brauche diesen Job nicht.

Generell will ich nichts mehr in meinem Leben haben, was mir nicht gut tut. Keine Energieräuber. Ruhe. Das ist es, was ich brauche. Einfach mal ein paar Jahre Ruhe, stabile Verhältnisse. Wieder auf die Beine kommen. Alles steht Kopf und ist aus dem Lot. Ich bin nicht in meiner Mitte. Im Gegenteil, ich stehe sowas von neben mir. Ein Körper, der morgens aufsteht und funktioniert. Überleben. Atmen ist ein Reflex, ich merke es. Ich habe oft Aussetzer, vergesse zu atmen. Halte die Luft an. Immer noch schlucke ich zu vieles herunter. Setze mich selbst Situationen aus, die mir nicht gut tun. Ich werde das ab sofort nicht mehr tun. Ich muss auf mich aufpassen und auf mein Kind. Alles andere ist irrelevant.

Es wird sich fügen. Momentan bin ich voller Hoffnung, dass sich alles einfach zum Guten wenden wird. Ich werde weiter laufen und mich dem stellen, was mir begegnet. Alles hat seine Zeit. Jetzt ist mein Job akut und mein Sohn. Im Januar kommt hoffentlich unsere Erziehungshilfe. Kindergeburtstag. Davor Weihnachten, Sylvester. Jahresabschluss. Alles hat seine Zeit und ich werde bis zum Urlaub überleben. Die Zeit nutzen ein längst überfälliges Gespräch zu führen. Und darüber fertig werden, dass die Dinge so sind wie sie sind.